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Sehnsucht nach Freizeit : Arbeit? Nicht mehr so wichtig!

  • -Aktualisiert am

Moderne Zeiten: Hat Charlie Chaplin seine Arbeitszeit auch korrekt erfasst? Bild: picture alliance /

Fast zwei Drittel der Deutschen wünscht sich die Vier-Tage-Woche bei vollständigem Lohnausgleich. Viele würden sogar ganz aufhören zu arbeiten – falls das Geld reicht.

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          Drei Tage frei, vier Tage arbeiten. Was in Großbritannien in einem Pilotversuch seit Juni schon getestet wird, wünschen sich auch immer mehr Menschen hierzulande. Fast 63 Prozent der Deutschen würden das Konzept der Vier-Tage-Woche bei vollständigem Lohnausgleich begrüßen, 14 Prozent auch ohne Ausgleich. In derartigen Modellen wird in der Regel nicht weniger gearbeitet, sondern die Arbeitszeit lediglich anders verteilt, so dass sich ein weiterer Tag in der Woche ergibt, der komplett für Freizeitaktivitäten genutzt werden kann. Der Befund ergibt sich aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Yougov im Auftrag des Versicherers HDI. Befragt wurden 3891 Erwerbstätige, die Ergebnisse lagen der F.A.Z. vorab vor.

          Die Ergebnisse zeigen: Der Trend geht zu mehr Freizeit. Sowohl die Vier-Tage-Woche als auch Teilzeit-Arbeitsmodelle gewinnen an Zuspruch. 13,7 Prozent der Erwerbstätigen würden für eine Umstellung auf die Vier-Tage-Woche sogar in Kauf nehmen, nicht den vollständigen Lohnausgleich zu erhalten. In der Industrie und der Fertigung würde dem jeder Vierte (24 Prozent) zustimmen.

          „Mitbestimmen, wo, wann und wie lange sie arbeiten“

          Besonders deutlich ist die Zustimmung bei Arbeitnehmern, die jünger als 40 Jahre sind. 83 Prozent der Befragten in dieser Altersgruppe stehen einer Vier-Tage-Woche positiv gegenüber – 17 Prozent würden sich auch mit finanziellen Einbußen arrangieren. 51 Prozent würden ein Angebot, in Teilzeit zu arbeiten, annehmen.

          Dass junge Berufstätige die früher übliche Fünf-Tage-Woche mit Präsenzarbeit von 9 bis 17 Uhr anzweifeln, schlägt sich in der gesamten Studie nieder. Die Pandemie hat deutliche Spuren hinterlassen: Nach dem mobilen Arbeiten befragt, stimmen 48 Prozent der unter 40-Jährigen der Aussage zu, dass diese Arbeitsform die Qualität der Arbeitsergebnisse verbessere. Unter den über 40-Jährigen sind es 33 Prozent.

          „Sie wollen mitbestimmen, wo, wann und wie lange sie arbeiten“, fasst der HDI-Vorstandsvorsitzende Christopher Lohmann die Erkenntnisse über die junge Arbeitnehmergeneration zusammen. „Ihre Vorstellungen weichen dabei deutlich von den tradierten Arbeitsmodellen ab. Die Corona-Erfahrungen haben diese Einstellungen offenbar stark befördert.”

          Schon länger gibt es Anzeichen dafür, dass freie Zeit und die Balance zwischen Arbeit und dem Privatleben für Erwerbstätige an Relevanz gewonnen und die Bedeutung des Arbeitsplatzes abgenommen hat. In den sozialen Medien war zuletzt das Interesse an Phänomenen wie dem „Quiet Quitting“ riesig. Dabei beschließen Arbeitnehmer, nicht mehr als das Soll ihrer Arbeit zu erfüllen. Sehr erfolgreich war zuletzt auch der Hashtag #antiwork unter dem sich Menschen versammelten, die ihr Leben frei von Arbeit leben wollen und sich gegenseitig in ihren Kündigungsplänen bestärkten.

          In der Studie erklärten 56 Prozent der 15- bis 25-Jährigen, sie seien bereit, ganz mit dem Arbeiten aufzuhören, sollte das Geld ausreichen. In derselben Altersgruppe gaben zudem nur noch 55 Prozent an, ihr Beruf bedeute ihnen sehr viel – ein Rückgang; im Vorjahr waren es noch 60 Prozent. Dass sie sich viel seltener über ihre Arbeit definieren, gilt aber nicht nur für die Jüngeren. Auch insgesamt bestätigte mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie aufhören würden zu arbeiten, wäre es finanziell nicht notwendig.

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