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„Mixed Leadership“ : Vielfalt macht erfolgreich

Direktorinnen: Regine Graml, Yvonne Ziegler, Andrea Ruppert und Martina Voigt (von links) leiten das neue Institut. Bild: Kevin Rupp/Frankfurt UAS

Andrea Ruppert und Yvonne Ziegler plädieren für mehr Vielfalt in den Chefetagen großer Unternehmen. Deshalb haben sie an der Frankfurter Hochschule das „Institut für Mixed Leadership“ gegründet.

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          Andrea Ruppert und Yvonne Ziegler verlieren langsam die Geduld. Die Professorinnen sind sich einig, dass der Frauenanteil in den Chefetagen vor allem der großen Unternehmen zu langsam steige. Ziegler meint: „Ginge es in diesem Tempo weiter, würde es noch 100 Jahre dauern, bis das Geschlechterverhältnis ausgeglichen wäre.“

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Betriebswirtin Ziegler und die Juristin Ruppert wollen ihren Teil dazu beitragen, den Wandel zu beschleunigen. Zusammen mit zwei weiteren Professorinnen der Frankfurt University of Applied Sciences bilden sie das Direktorium einer neu gegründeten Forschungs- und Lehrstätte: des Instituts für „Mixed Leadership“, zu dem auch eine Weiterbildungs-Akademie gehört. Die Dozenten dort sollen amtierenden und angehenden Führungskräften den Nutzen einer größeren Vielfalt im Berufsleben vermitteln. Gemeint ist damit nicht nur ein höherer Frauenanteil, sondern auch mehr Offenheit für Menschen mit Migrationshintergrund, ältere, behinderte und nichtheterosexuelle Kollegen.

          Die Akademie, die im Herbst ihre Arbeit aufnehmen soll, wird gegen Gebühren Kurse und Seminare anbieten, die von Mitarbeitern der Frankfurt University und Lehrbeauftragten aus der Praxis gehalten werden. Für die Weiterbildungsmodule soll es Kreditpunkte geben, die später möglicherweise zum Erwerb eines MBA-Abschlusses genutzt werden können. Geschäftsführerin der Akademie ist die frühere Grünen-Landtagsabgeordnete und ehemalige Frankfurter Bildungsdezernentin Sarah Sorge.

          Gleiche Qualifikation für Frauen und Männer

          Institutsleiterin Ruppert und ihre Stellvertreterin Ziegler argumentieren in ihren Plädoyers für mehr Vielfalt im Management nicht in erster Linie moralisch, sondern ökonomisch. Ruppert sagt, es gehe auch darum, „Diversität in der Führung als Erfolgsfaktor herauszuarbeiten“. Und Ziegler verweist auf Studien der Unternehmensberatung McKinsey, die belegten, dass gemischte Teams bessere Arbeitsergebnisse lieferten, vor allem, wenn es um Innovationen gehe. Gerade in einer Stadt wie Frankfurt mit ihrer großen Zahl von Bürgern aus unterschiedlichen Kulturen gebe es viel kreatives Potential, das die Wirtschaft noch besser nutzen könne.

          Institut und Akademie wollen nach Zieglers Worten eng mit kleinen, mittleren und großen Firmen aus der Region kooperieren, um ein möglichst realitätsnahes Fortbildungsprogramm zu erarbeiten. In den Kursen könne es zum Beispiel darum gehen, den Teilnehmern zu zeigen, nach welchen ungeschriebenen Regeln Führungspersonal rekrutiert werde. „Oft wählen Manager für ihre Nachfolge Leute aus, die ihnen selbst ähnlich sind“, sagt Ziegler. „Das ist menschlich verständlich, führt aber nicht immer zu den besten Ergebnissen.“ Außer auf Sensibilisierung setzt Ziegler, was die Frauenförderung angeht, auf Lektionen in Netzwerkpflege – aber auch auf Vorgaben. „Ich bin ein Quotenfan“, lässt sie wissen. Das Beispiel der Aufsichtsräte zeige, dass solche Regeln funktionierten. Da Frauen und Männer heute beruflich in der Regel gleich gut qualifiziert seien, sollte es nach Ansicht der Professorin möglich sein, geeignete Kandidatinnen für Spitzenposten zu finden.

          Mit dem Netzwerken wiederum täten sich Frauen immer noch schwerer als Männer, die Kolleginnen oft nur ungern Zutritt zu ihren Zirkeln gewährten. Und nehme sich ein Chef einer jungen Frau intensiver an, um sie zu seiner Nachfolgerin auszubilden, müsse er womöglich hausinternes Gerede fürchten. Da könne es besser sein, auf Formate zu setzen, die im Licht der „Me Too“-Debatte unbedenklich erschienen – etwa Vorstandsprojekte, bei denen Spitzenmanager weibliche Nachwuchskräfte kennenlernen könnten.

          Bei aller Praxisnähe soll am „Mixed Leadership“-Institut die Forschung nicht zu kurz kommen. Ruppert befasst sich unter anderem mit männlichen und weiblichen Verhandlungsstrategien, während Ziegler den Erfahrungen von Frauen mit Kindern in der Arbeitswelt nachgeht: „Viele Mütter sagen in Befragungen, dass sie in ihren Unternehmen kämpfen müssen, um ernstgenommen zu werden und nicht auf dem Abstellgleis zu landen.“ Auch das könnte ein gutes Seminarthema für die neue Akademie abgeben.

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