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Fehltage : Viel mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen

Psychotherapeuten beklagen die hohen Wartezeiten für einen Therapiebeginn. Bild: dpa

Die Zahl der Krankschreibungen hat sich innerhalb der letzten gut 20 Jahre mehr als verdreifacht. Psychotherapeuten beklagen hohe Wartezeiten für eine Therapie.

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          Die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme hat sich innerhalb der vergangenen gut 20 Jahre mehr als verdreifacht. Das geht aus einer Langzeituntersuchung der gesetzlichen Krankenkasse DAK hervor, für die das renommierte Berliner Iges-Institut die anonymisierten Daten von rund 2,5 Millionen Versicherten ausgewertet hat und die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Fehltage erreichten demnach im Jahr 2017 einen Höchststand: Auf 100 Versicherte kamen im Schnitt 250 Fehltage wegen Depressionen, Angststörungen oder Überlastung. 1997 waren es erst 70 Tage gewesen. 2018 ging die Zahl nach einem jahrelangen Anstieg dann erstmals wieder leicht zurück. Aus Sicht der DAK ist diese Entwicklung auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurückzuführen, denn aus wissenschaftlicher Sicht seien diese seit Jahrzehnten in der Bevölkerung ähnlich weit verbreitet. „Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heute kein Tabu mehr“, sagte der Vorstandsvorsitzende Andreas Storm. „Deshalb wird auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen.“ Diese Einschätzung wird von Fachgesellschaften und Berufsverbänden der Psychotherapie geteilt.

          In Betrieben sehe die Realität aber oft noch anders aus, sagte Storm. „Auch Arbeitgeber müssen psychische Belastungen und Probleme aus der Tabuzone holen und ihren Mitarbeitern Hilfe anbieten.“ Ähnlich äußerte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink. Es brauche „unabdingbar eine weitergehende Enttabuisierung psychischer Erkrankungen, in allen Branchen und allen Lebensbereichen“, sagte sie. Zudem müssten die Arbeitsprozesse entschleunigt werden. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefragt.

          Wartezeit auf Therapie beträgt 20 Wochen

          Das Bundesgesundheitsministerium verwies darauf, dass mit der Reform der Psychotherapie-Richtlinie vor zwei Jahren einige Änderungen auf den Weg gebracht worden seien, die die Versorgung psychisch Kranker verbessern sollen. Psychotherapeuten müssen seitdem besser telefonisch erreichbar sein, Sprechstunden vorhalten und Akutbehandlungen in Krisenfällen ermöglichen. Zahlen der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung zeigen, dass sich die durchschnittliche Wartezeit auf ein Erstgespräch beim Therapeuten seitdem verkürzt hat: von 9,8 Wochen im Jahr 2017 auf 6,5 Wochen im vergangenen Jahr. Da aber keine zusätzlichen Kapazitäten geschaffen worden seien, habe sich zugleich die durchschnittliche Wartezeit auf die eigentliche Psychotherapie um gut vier auf fast 20 Wochen verlängert, heißt es in einer Einschätzung des Verbands – das sei zu viel.

          Die meisten Fehltage sind auf Depressionen zurückzuführen

          Gemäß der jüngst verabschiedeten Bedarfsplanung des Gemeinsamen Bundesausschusses, dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, soll es jetzt mehr als 770 neue Vertragspsychotherapeutensitze geben. Aus Sicht der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung sind das jedoch zu wenige. Vor allem im Umland großer Städte, in ländlichen Gegenden und dem Ruhrgebiet fehlten neue Zulassungen für Psychotherapeuten, argumentiert sie.

          Die häufigsten Fehltage unter allen psychischen Erkrankungen entfallen der DAK-Untersuchung zufolge auf Depressionen. Dahinter folgen sogenannte Anpassungsstörungen, die zum Beispiel nach schweren Schicksalsschlägen oder einschneidenden Veränderungen auftreten können. Die Diagnose Burn-Out hat hingegen deutlich an Relevanz verloren: Hier halbierte sich die Zahl der Fehltage in den vergangenen sechs Jahren nahezu. Die Daten zeigen zudem, dass Frauen fast doppelt so oft wegen seelischer Leiden krankgeschrieben sind wie Männer und die Betroffenheit mit steigendem Alter kontinuierlich zunimmt.

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