https://www.faz.net/-gyl-6xq1k

Vergütung im öffentlichen Dienst : Die Hälfte muss reichen

  • -Aktualisiert am

Um sein Gehalt gibt es Streit: Der Vorsitzende der kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, verdient 350 000 Euro im Jahr. Bild: dpa

Führungskräfte bei öffentlichen Arbeitgebern verdienen weniger als in der Privatwirtschaft. Dort sind die Gehälter doppelt so hoch.

          2 Min.

          Seit kurzem steht zumindest für das Gehalt junger Professoren in Hessen fest: Es ist zu niedrig. Das Bundesverfassungsgericht entschied, dass die Politik die Wissenschaftler-Besoldung reformieren muss. Aber auch andere Führungskräfte in öffentlichen Unternehmen bekommen verglichen mit der Privatwirtschaft weniger.

          „Trotz steigender Gehälter verdienen die Geschäftsführer in öffentlichen Unternehmen immer noch deutlich weniger als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft“, sagt Martin von Hören von der Managementberatung Kienbaum. Eine aktuelle Studie seines Unternehmens zeigt: In der Privatwirtschaft sind die Gehälter der obersten Führungsetage im Schnitt doppelt so hoch wie die in öffentlichen Unternehmen. Darunter versteht man Unternehmen, die von der öffentlichen Hand betrieben werden. Häufig kommen diese in der Daseinsvorsorge vor. Dies können soziale Einrichtungen ebenso sein wie Energieversorger. Auch Anbieter von Post- und Telekomunikationsdiensten fallen häufig darunter. Die Studie beruht auf Daten aus den Geschäfts- und Beteiligungsberichten von 872 öffentlichen Unternehmen in Deutschland. Diese bilden insgesamt rund 2 000 leitende Positionen ab.

          Jeder fünfte Vorstand oder Geschäftsführer bekommt weniger als 100.000 Euro

          In Firmen mit einer Belegschaft zwischen 100 und 250 Mitarbeitern erhalten Geschäftsführer und Vorstände in der Privatwirtschaft Jahresgesamtbezüge von 359.000 Euro im Durchschnitt, während Führungskräfte in gleicher Position in einem öffentlichen Unternehmen gleicher Größe lediglich 176.000 Euro im Jahr verdienen, so ein Ergebnis der Kienbaum-Studie.

          22 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer in öffentlichen Unternehmen bekommen im Jahr sogar weniger als 100 000 Euro. Nur 16 Prozent der Unternehmen zahlen ihren Führungskräften mehr als 300 000 Euro im Jahr.

          „Je stärker ausgeprägt die wirtschaftliche Tätigkeit im Unternehmen ist und je stärker Ertragsaspekte dort eine Rolle spielen, desto geringer sind die Vergütungsunterschiede zur Privatwirtschaft“, sagt von Hören. Die Höhe der einzelnen Gehälter der Geschäftsführer im öffentlichen Sektor hänge außerdem von einigen Faktoren ab.

          Vor allem Größe und Branche des Unternehmens bestimmen die Höhe des Gehalts

          Zum einen steigt das Gehalt der Führungskräfte mit zunehmender Unternehmensgröße und zunehmendem Jahresumsatz. Erzielt ein Unternehmen jährlich mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, bezieht auch im öffentlichen Sektor das Führungsgremium pro Kopf rund drei Millionen Euro Jahresvergütung.

          Auch die Branche wirkt sich auf die Bezüge der Führungskräfte aus. Manager, die in der Energie- und Wasserversorgungsbranche arbeiten, bekommen ein mehr als drei Mal so hohes Gehalt wie Geschäftsführer aus der Sozialwirtschaft. Durchschnittlich 330.000 Euro verdient der Vorstand eines Energieunternehmens. Damit ist er branchenübergreifend Spitze. Ein öffentliches sozialwirtschaftliches Unternehmen vergütet seine Führungsebene dagegen nur mit 94.000 Euro. Ähnlich niedrig ist das Gehalt bei Unternehmen in der Wirtschaftsförderung und im Stadtmarketing.

          Eine variable Vergütung ist in öffentlichen Unternehmen weniger verbreitet als in börsennotierten Konzernen. Die einzelnen öffentlichen Arbeitgeber verhalten sich dabei sehr unterschiedlich. Während in kleineren, kommunal geprägten Unternehmen 50 bis 70 Prozent der Vorstände Anspruch auf einen variablen Gehaltsbestandteil haben, sind es bei großen Versorgungsunternehmen schon mehr als 90 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Make America great again“ war in erster Linie eine Kampfansage an andere Nationen.

          Amerikanische Außenpolitik : Trumps Vakuum

          Der 45. Präsident hinterlässt in den Vereinigten Staaten einen Trümmerhaufen. Die Weltpolitik war widerstandsfähiger.
          Guatemaltekische Soldaten versuchten am 17. Januar, Migranten in Chiquimula aufzuhalten.

          Migranten aus Honduras : Bidens erste Welle

          Tausende Migranten sind von Honduras Richtung Vereinigte Staaten aufgebrochen. Es ist ein erster Test für die Beziehung zwischen Mexiko und der neuen Regierung in Washington.
          Als erste Person in Norwegen erhielt Svein Andersen am 27. Dezember in Oslo den Biontech-Impfstoff.

          Corona-Impfstoff : China und die Mär von den Biontech-Toten

          China verbreitet, westliche Medien verschwiegen die Gefahren des Corona-Impfstoffs von Pfizer und Biontech. Damit soll die Kritik an der Intransparenz der eigenen Impfstoffhersteller unglaubwürdig gemacht werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.