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Unternehmerpaare : Wenn die Ex-Frau zum Vollstrecker wird

  • -Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak

Gehen Unternehmerehen in die Brüche, ist oft auch das Geschäft bedroht. Denn sind die Eheschulden zu hoch, muss die Firma versilbert werden.

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          Familie und Beruf sind für einen Unternehmer problemlos vereinbar - wenn das Unternehmen zuerst kommt", sagte kürzlich der Schweizer Journalist und Medienunternehmer Roger Köppel in dieser Zeitung. Sind die Prioritäten entsprechend gesetzt, können Unternehmerpaare sogar noch zusammenarbeiten, wenn sie schon längst kein Paar mehr sind. Ein prominentes Beispiel: Benedikt und Angelika Taschen, die in den neunziger Jahren gemeinsam den Kölner Kunstbuchverlag aufbauten.

          Trotz Scheidung im Jahr 2004 machten sie im Taschen-Verlag weiter. Erst 2010 verabschiedete sich Angelika Taschen und gründete ihr eigenes Unternehmen. In aller Regel ist aber an eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht mehr zu denken, ist das Eheband erst einmal zerschnitten. Bisweilen bedeutet eine Scheidung sogar das Aus für die Firma. Denn Eheschulden können insbesondere für kleinere Unternehmen existenzgefährdend sein.

          Kleinunternehmer bedenken den Scheidungsfall oft nicht

          "Meine Frau will die Firma ruinieren - was tun?", fragt ein Nutzer auf einer Internetseite für Handwerksmeister. Das Thema Scheidung hat in dem Netzwerk Konjunktur. Die Ratgeberartikel tragen Namen wie: "Wenn die Ex-Frau zum Vollstrecker wird". Es scheint, als machten Mittelständler besonders oft die Erfahrung, im Falle einer Scheidung Haus und vor allem Hof zu verlieren.

          Die Kenner der Materie, die Scheidungsanwälte, wundert das nicht. "Gerade die Kleinunternehmer, zum Beispiel Handwerksbetriebe, Frisöre oder Einzelhändler, haben mit ihren Ehepartnern oft keine Regelung für den Scheidungsfall getroffen", sagt Eva-Maria Backmeister. Die wohlhabenderen Unternehmer und Firmengründer wappnen sich hingegen fast immer früh genug vor den Folgen einer Scheidung, weiß die Rechtsanwältin und Notarin, deren Wirkstätte Bad Homburg im Speckgürtel Frankfurts ist.

          Vor dem Sprung in die Selbständigkeit haben aber die fleißigen Mittelständler andere Sorgen, als zum Notar zu gehen und einen Ehevertrag aufzusetzen. In erster Linie gilt: Alle ziehen an einem Strang, um das Geschäft anzukurbeln. Sätze wie "Schatz, und jetzt regeln wir noch schnell die Scheidung" sind da unpassend, den Empfehlungen der Gründungsberater zum Trotz.

          Hohe Ausgleichszahlungen gefährden das Unternehmen

          Diese vornehme Zurückhaltung rächt sich später. Wenn das Unternehmen rechtlich nur einem Gatten gehört und das Paar in einer Zugewinngemeinschaft lebt, wird es kompliziert. Die Zugewinngemeinschaft gilt für alle Eheleute, wenn sie nicht ausdrücklich einen anderen Güterstand vereinbart haben. Am Eheende wird ermittelt, was beide jeweils in ihrer gemeinsamen Zeit erwirtschaftet haben. Hat einer mehr verdient als der andere, muss er die Hälfte der Differenz abdrücken. Hohe Ausgleichszahlungen gibt es also in den Konstellationen, in denen ein Ehegatte nichts oder nur wenig verdient und der andere viel. Analog für Unternehmer bedeutet das: Wenn nur der eine Inhaber des Geschäfts ist, steht auf seiner Habenseite der Firmenwert, beim anderen steht: nichts.

          Nach der Scheidung muss der Firmeninhaber einen beträchtlichen Teil des Unternehmenswertes ausbezahlen. Dafür jedoch fehlt häufig freies Kapital. Viele Mittelständler stecken alles, was sie erwirtschaften, direkt wieder ins Geschäft. Muss dann das Unternehmen verkauft werden, um die Scheidung zu bezahlen? Nicht zwangsläufig. "Der Ehegatte, der zahlen muss, kann bei Gericht eine Stundung beantragen", sagt Backmeister. Aber die gewährt der Familienrichter nicht einfach so. Es müssen gewichtige Gründe vorliegen, etwa, dass eine Veräußerung des Unternehmens zum jetzigen Zeitpunkt erheblich nachteiliger wäre, als zu einem anderen - absehbaren - Datum in der Zukunft. In der Regel muss der Ausgleichspflichtige zahlen, und sollte er nicht genügend Bares auftreiben können, "dann muss er versilbern, was er hat", sagt die Scheidungsanwältin.

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