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Berliner Start-up Keleya : „Wir waren viele junge Leute mit einem gemeinsamen Ziel“

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Die 28-jährige Victoria Engelhardt (links) und ihr Team (v.l.n.r.): Co-Founder und Managing Director Alexander Leuchte, Co-Founder und Head of Content Sarah Müggenburg, Nadia Staiger (Design) und Lena Natur (HR). Bild: Gregor Anthes

Den wohlklingenden Namen der keltischen Fruchtbarkeitsgöttin „Kelaya“ haben Victoria Engelhardt und ihr Gründerteam kurzerhand umformuliert zu „Keleya“ – und bauen nun an ihrer Ernährungs- und Bewegungs-App für Schwangere. Im Interview erzählt Victoria Engelhardt davon, wie sie zu ihrem eigenen Start-up kam.

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          Victoria, welchen Berufswunsch hattest du, als du klein warst?

          Das klingt aus heutiger Sicht irgendwie blöd, aber ich habe mir mit vierzehn Jahren tatsächlich die „Wirtschaftswoche“ bestellt, weil ich damals Vorstandsvorsitzende von Porsche werden wollte. Das hat sich dann allerdings in der Pubertät relativiert, als ich gemerkt habe, dass Leben auch wichtig ist.

          Wann war dir klar, dass du irgendwann einmal gründen willst?

          Ich bin eigentlich in sämtliche beruflichen Themen immer durch Zufall reingerutscht. In meinem klassischen BWL-Bachelorstudium war der Digitalbezug gleich null – den gab es einfach nicht. Von Start-ups hatte ich nie etwas gehört. Über ein Praktikum bei Bertelsmann kam ich dann zufällig mit dem Thema in Kontakt. Dort haben sie mir angeboten, bei einem Venture-Capital-Fonds in Indien mitzuarbeiten. Das war das erste Mal, dass ich mit der Start-up- und der digitalen Welt in Berührung kam. Danach bin ich durch Zufall bei Rocket Internet gelandet. Ich habe dann gemerkt, dass mir die Berliner Szene total gut gefällt – und so ging das im Prinzip immer weiter. Der Gedanke, tatsächlich zu gründen, kam erst später, als ich bei einem Inkubator von Pro Sieben Sat1 in verschiedenen Rollen verschiedene Start-ups mit aufgebaut habe. Damals war ich allerdings erst 24 und fühlte mich noch nicht „ready“, um selbst zu gründen.

          Rocket Internet: Was hast du dort im Speziellen gelernt?

          Ich wurde direkt ins kalte Wasser geworfen und habe sofort Verantwortung übernommen. Das musste jeder, egal in welchem Bereich er tätig war. Das fand ich sehr spannend. Beeindruckt hat mich auch, dass alles in einem so krassen Tempo abging – eigentlich unvorstellbar. Es waren einfach so viele junge Leute, die ein gemeinsames Ziel hatten. Es wurde einfach in einem Affenzahn gearbeitet. Wenn du bei Rocket eine Idee hattest oder Experte warst – auch wenn noch superjung –, bist du in einen Call mit hundert Leuten geworfen worden. Am nächsten Tag stand eine Entscheidung fest.

          In welchem Bereich warst du bei Rocket Internet tätig?

          Ich habe viel Business-Intelligence gemacht, also wirklich gecodet und Reports für verschiedene Ventures gebaut.

          Danach warst du zwei Jahre bei Boston Consulting. Warum bist du in die Unternehmensberatung gewechselt?

          Der Grund ist einfach: Man lernt dort ein ganz anderes Skill-Set kennen, das man in einem Start-up nicht unbedingt mitbekommt. Im Start-up geht vieles sehr unstrukturiert zu. Was man bei der Beratung lernt, ist, wie man strukturiert an die Lösung eines Problems herangeht. Es schadet nie, so etwas gelernt zu haben. Auch gewisse Umgangsformen, wie man beispielsweise mit einem Konzern kommuniziert, lernt man dort. Denn da kann man nicht einfach hingehen wie in einem Start-up und einfach Hallo sagen.

          Inwiefern spielt das Wissen aus dem Studium heute eine Rolle für dich?

          Was beim Gründen auf jeden Fall geholfen hat, ist das generelle BWL- und Business-Verständnis und das Wissen darüber, was am Ende ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht. Natürlich sind einem durch das Studium Marketingthemen ein Begriff. Auch Buchhaltung und vieles anders sind Basics, die man am Ende nutzen kann. Ich glaube aber auch, dass die Studenten mittlerweile im Studium mehr über digitale Touchpoints lernen.

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