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Berliner Start-up Keleya : „Wir waren viele junge Leute mit einem gemeinsamen Ziel“

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Wie kam es zur Gründung von Keleya?

Alex, mein Mitgründer, und ich wollten schon seit einer Weile gründen. Als eine Freundin schwanger wurde, kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Schwangerschaft in Berührung. Ich habe gesehen, dass man da verdammt viele Probleme haben kann – angefangen bei den physischen Beschwerden wie Morgenübelkeit. Vor allem haben die Frauen viele Fragezeichen im Kopf. Alex und ich dachten sofort: Der Markt klingt spannend.

Was bietet ihr den schwangeren Frauen?

Unsere App bietet Frauen personalisiert auf ihre Bedürfnisse – entsprechend der Schwangerschaftswochen, aber auch mit Blick auf ihre Probleme, wie Rückenbeschwerden oder Eisenmangel – individuelle Bewegungs- und Ernährungspläne, Work-outs mit Yoga und Pilates, die sie zu Hause nachmachen können. Außerdem gibt es Rezepte und Informationen bis zum Ende der Schwangerschaft. Monetarisiert wird das Angebot über ein Freemium-Modell mit Abo-Paketen. Mich motiviert dabei sehr meine Überzeugung, dass wir so die Welt ein bisschen besser machen und dass wir den Frauen wirklich einen Mehrwert geben.

Wann seid ihr gestartet?

Im Sommer 2017 hatten wir die Idee. Die erste App haben wir im September aufgesetzt. Dieses Jahr im Februar haben wir die App auch auf Englisch rausgebracht. Gerade sind wir dabei, das Thema zu skalieren. Außerdem haben wir den Umsatz von 40.000 Euro geknackt.

Welche Hürden musstet ihr überwinden?

Eine Hürde sind immer die Investoren. Es ist nicht leicht, sie von einem Frauenthema zu überzeugen. Investiert wird außerdem gerade eher in Hype-Themen wie Blockchain oder Artificial Intelligence. Bei einem Content-Thema wie unserer App schreit keiner Hurra. Ein weiterer Faktor ist grundsätzlich auch die richtige IT. Außerdem muss man aufpassen, den Fokus nicht zu verlieren. Wir treffen ständig Leute, und immer wird man – im positiven Sinne – von Ratschlägen überflutet. Am Anfang führte das dazu, dass ich mich fühlte wie ein Fähnchen im Wind. Wenn jemand etwas gesagt hatte, dachte ich, ich müsste das direkt umsetzen. Die Balance zu finden zwischen dem Input und den Schlüssen, die man daraus zieht, und dem Blick darauf, was man gerade erreichen will, das kann herausfordernd sein.

Welchen Rat würdest du Studenten und Absolventen geben, die gerade über den Berufseinstieg nachdenken?

Was mir geholfen hat, ist die Haltung „go with the flow“. Es ergeben sich am Ende die Dinge immer per Zufall. Man sollte auf sein Bauchgefühl vertrauen – das hätte ich früher auch nicht gedacht. Als ich den Bachelor der Uni Mannheim, einer Topuni in BWL, abgeschlossen hatte, dachte ich: Jetzt kann ich doch nicht arbeiten, jetzt muss ich einen tollen Master machen. Aber warum? Nur weil das irgendjemand erwartet? Auch wenn ich merke, dass ich das nicht will und ich auf etwas anderes Lust habe? Ich denke, man sollte immer dem folgen, was gut für einen ist.

Das Interview führte Julia Hoscislawski.

Victoria Engelhardt hat BWL an der Universität Mannheim studiert. Nach Stationen bei namhaften Internetfirmen, wie Rocket Internet und dem Inkubator Epic Companies von Pro Sieben Sat1, ist sie 2017 selbst unter die Gründer gegangen. Die App „Keleya“ coacht Frauen bei allen Fragen zu Ernährung und Bewegung in der Schwangerschaft.

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