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Unterforderung : Nichts zu tun und völlig fertig

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          Der Mann hat einen Magister in Politikwissenschaft, für einen Abgeordneten gearbeitet, seit zwölf Jahren verdient Jens Kunz (Name geändert) sein Geld in einer Frankfurter Bank. Die ersten Jahre liefen gut, die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit war groß, die Arbeit anspruchsvoll. Dann wurde umstrukturiert. „Wir mussten Vorgaben eins zu eins umsetzen, ohne Freiräume zu haben, und nur standardisierte Sachen machen.“ Jahrelang ging das so, kreative Einfälle der Mitarbeiter waren unerwünscht. Über einen Stellenwechsel habe er öfters nachgedacht. „Ich muss aber selbstkritisch sagen, mir fiel es schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden und mich zu bewerben. Irgendwie passten die Ausschreibungen dann doch nicht, sei es aufgrund der Bezahlung oder des Standorts“, gibt der 43-Jährige zu. Der Rheinländer hat Kinder und Verantwortungsgefühl. Sein Gehalt ist unverzichtbar. Er blieb, der Familie zuliebe.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Tom Beyer, auch er will seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen, ist Diplomdesigner mit ehrgeizigen Ansprüchen. Nach dem Studium arbeitete er in Stuttgart und Hamburg, hatte rasch lukrative, im besten Sinne anspruchsvolle Stammkunden. Fünf Jahre ging das so. „Dann habe ich das Glasdach gesehen, manche guten Aufträge bekam ich nicht, weil ich alleine arbeitete.“ Inzwischen war das dritte Wunschkind auf der Welt, der Gedanke an eine Festanstellung tauchte auf. Der Art Director eines Berliner Webdesign-Unternehmens hörte von den Veränderungswünschen. Im Bewerbungsgespräch wurde Beyers „konzeptionelle Stärke“ gelobt, die Arbeitsplatzbeschreibung geizte nicht mit den Wörtern „Kreativität“ und „Gestaltungsfreiheit“. Beyer griff zu. Seither ist er ernüchtert. „Versprochen wurde viel, passiert ist wenig.“ Die Arbeit erledigt er routiniert, herausgefordert fühlt er sich nicht. Es klingt resigniert, wenn er sagt: „Das Niveau halte ich mit halber Kraft, dennoch sind alle super zufrieden.“ Täglich das Büro zu verlassen, „ohne den Geist richtig gefordert zu haben, das zermürbt, bringt dich in Konflikt mit deinen Qualitätsansprüchen, deiner Leistungsfähigkeit. Du verlierst das Gespür für deine Fähigkeiten.“ Als Lebensgefühl für einen dynamischen 47-Jährigen taugt es nicht.

          „Der blanke Horror“

          Beide Männer plagen sich mit einer Situation, die über dem Dauerthema Burnout wegen beruflicher Überlastung leicht übersehen wird: Es gibt auch Unterforderung als belastende Situation in der Arbeitswelt. „Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Demotivation bis hin zur Depression können die Folgen sein und sind denen eines Burnouts durchaus vergleichbar“, sagt der Wirtschaftspsychologe Hans-Peter Dogge. „Ein über längere Zeit andauerndes Nichtstun bei der Arbeit ist nicht mehr und nicht weniger als der blanke Horror“, warnen die Schweizer Unternehmensberater Philippe Rothlin und Peter R. Werder in ihrem Buch „Diagnose Boreout. Warum Unterforderung im Job krank macht“.

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