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Unsere neue Serie über Jobs in der Provinz: Landpartie No. 1 : Weit draußen

  • -Aktualisiert am

Arbeiten in der Provinz – etliche Firmen versuchen, Berufseinsteigern genau das schmackhaft zu machen. Doch so sehr sie sich auch bemühen: Vor allem mittelständische Unternehmen haben Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung zu finden. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums gibt es allein bei Berufen mit MINT-Abschlüssen – also bei Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern – mehr als 100.000 offene Stellen. Warum insbesondere Mittelständler häufig vergeblich um Fachkräfte kämpfen, hat vor allem zwei Gründe: Im Vergleich zu großen Konzernen sind sie weniger bekannt. Und ihre Firmenstandorte sind für Berufseinsteiger meist nicht gerade verlockend – weil sie in Schnega, Haselünne oder Iserlohn liegen und nicht in Hamburg, Berlin oder München, wo die meisten unter 30-Jährigen am liebsten leben möchten. „Von meinen Kommilitonen ist niemand aufs Land gezogen“, sagt Jens Jurgeleit. Er kann sich noch gut an die verständnislosen Blicke der anderen erinnern, als er ihnen von seinen Plänen erzählte. Dabei können gerade die kleineren Firmen in der Provinz die besten Arbeitgeber für Einsteiger sein: In einem mittelständischen Betrieb kann man schneller aufsteigen, weil es nicht so viele Hierarchie-Stufen gibt wie bei einem Konzern-Riesen. Die Entscheidungswege sind kürzer, neue Ideen haben eine größere Chance, umgesetzt zu werden – und auch die Bereitschaft der Chefs, einen Mitarbeiter gezielt zu fördern, ist oft größer. Für Jens Jurgeleit steht zum Beispiel schon fest, dass er für drei Monate nach Portugal geht – er soll dort ein Forschungsprojekt vorantreiben.

Der 26-Jährige steht in einem Nebengebäude des alten Resthofes, in dem sich das molekularbiologische Labor verbirgt. Er hat sich einen weißen Kittel übergezogen und trägt blaue Gummihandschuhe. Vorsichtig öffnet er eine rot umrandete Schublade, holt eine Kiste mit einer gelartigen Substanz heraus und packt den Inhalt in einen roten Apparat. „Ich untersuche die Pflanzen, die wir hier produzieren“, erklärt er. Mithilfe einer künstlichen chemischen Reaktion will er ausgewählte DNA-Abschnitte vermehren. Die Zeiten, in denen er sich selbst ein wenig spöttisch „die linke Hand der Chefinnen“ nannte, weil er vieles noch nicht wusste und das Gefühl hatte, eher im Weg rumzustehen als zu helfen, sind lange vorbei. Fachlich kannte er sich gut aus – aber vor allem von der Geschäftsführung hatte er am Anfang keine Ahnung. „Das war ein ziemlicher Sprung ins kalte Wasser, aber ich hab’s überlebt“, sagt er und lacht.

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