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Universität : Tropische Forstwirtschaft

  • -Aktualisiert am

Exotische Studienfächer eröffnen berufliche Perspektiven Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

„Universitäten sind schöne Misthaufen, auf denen gelegentlich einmal eine edle Pflanze gedeiht“, sagte einst Albert Einstein. Orchideenfächer finden sich in allen Fakultäten und bieten interessante Berufschancen.

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          Sandra Scheuble steht vor einem Rätsel. Die 24 Jahre alte Studentin weiß, daß vor rund 2200 Jahren in einem ägyptischen Schreiberbüro eine Urkundensteuer bezahlt wurde: vor ihr liegt auf einem Papyrus die Quittung.

          Nun sucht sie Antworten, denn die Quittung ist nur unvollständig erhalten. Wer hat diese Steuer bezahlt, warum und wofür? Die Forschung weiß noch keine Antwort.

          Papyri entziffern

          Sandra ist eine von 22 Studenten, die in Trier Papyrologie studieren, um solche Fragen zu beantworten. Sie lernt, einzelne Papyri zu entziffern, zu übersetzen und zu kommentieren. „Papyrologie ist immer irgendwie interdisziplinär“, sagt die Trierer Professorin Bärbel Kramer. Meist seien die Schriftstücke in Griechisch oder Latein verfaßt, als Folgen der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen und des römischen Einflusses.

          Die Dokumente seien Zeugnisse des Alltags im antiken Ägypten. Nicht nur Literatur, sondern auch Rechnungen, Haushaltsbücher oder eben Steuerquittungen sind der Forschung erhalten geblieben. Kramer sieht die Papyrologie nicht als Hilfswissenschaft, sondern als „Grundlagenfach der Altertumswissenschaften“ - mit modernen Methoden. „Weltweit werden derzeit Papyrussammlungen digitalisiert und im Internet zur Verfügung gestellt.“ Das spart Reise- und Anschaffungskosten.

          Überzeugungstäter

          Die kleinen Studiengänge, sogenannte Orchideen, haben häufig auch keine großen Budgets. Die Trierer Sammlung wurde in einem dreijährigen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt in Computerdatenbanken eingespeist. Angehende Papyrologen machen in solchen befristeten Projekten zumeist die erste Berufserfahrung.

          Wer eine feste Anstellung sucht, etwa an Universitäten oder Museen mit Papyrussammlungen, muß nach Ansicht Kramers promovieren. „Wer wirklich gut ist, der hat eine Chance, aber man muß Überzeugungstäter sein.“ Denn der Arbeitsmarkt ist klein: „In den vergangenen drei Jahren sind weltweit rund zehn Planstellen neu besetzt worden.“

          Hervorragende Berufsaussichten

          Albrecht Wolter von der Technischen Universität in Clausthal plagen andere Sorgen. Der Professor bildet Ingenieure für Bindemittel und Baustoffe wie Zement, Kalk oder Gips aus. „Die Berufsaussichten sind hervorragend. Es ist bitter, wir haben nicht genügend Absolventen für alle Job-Anfragen“, sagt Wolter.

          Bislang war Glas-Keramik-Bindemittel ein eigener Diplom-Studiengang in Clausthal, 34 Studenten wurden im vergangenen Semester von drei Professoren betreut. Mit der Umstellung auf Bachelor und Master-Abschlüsse geht das Fach als Spezialisierungsrichtung in den Materialwissenschaften und Werkstofftechniken auf, berichtet Wolter.

          Flexible Werkstoff-Generalisten

          Er findet es gut, daß die Studenten interdisziplinär arbeiten müssen. „Wir möchten flexible Werkstoff-Generalisten ausbilden, die nicht durch ihr Studium an ein einziges Berufsfeld gebunden sind.“ Neben Mathematik und Physik stehen auch Konstruktionsmethoden, Maschinenlehre und Meßtechnik auf dem Stundenplan.

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