https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/uni-tuebingen-studentenvertreter-wollen-umbenennung-durchsetzen-18154235.html

Umbenennung der Tübinger Uni : Lieber namenlos als historisch

  • -Aktualisiert am

Herzog Eberhard im Bart (1445 –1496) mit Reichssturmfahne und Palmstab. Seinen Wahlspruch „Attempto“ (Ich wage es) soll er bei der Gründung der Tübinger Universität 1477 ausgerufen haben. Das Porträt befindet sich im Landesmuseum, eine Kopie im Rathaus von Markgröningen. Bild: bpk

Studentenvertreter wollen die Umbenennung der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen durchsetzen und könnten die notwendige Mehrheit bekommen. Historische Fakten geraten in den Hintergrund. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Die Eberhard-Karls-Universität in der schwäbischen Provinzstadt Tübingen ist eine der ältesten Universitäten Deutschlands – noch. Bald könnte es damit sein Ende haben: Am 21. Juli entscheidet der Senat über den Antrag von Studentenvertretern, den seit Jahrhunderten geführten Namen abzuschaffen. Findet dies eine Zweidrittelmehrheit und stimmt der Universitätsrat zu, wird es eine Institution dieses Namens 545 Jahre nach ihrer Gründung durch Graf Eberhard V. („im Barte“) von Württemberg im Jahre 1477 nicht mehr geben. Aus der Eberhard-Karls-Universität wird die „Universität Tübingen“: modern, (scheinbar) unkontrovers, da unbelastet von böser Vergangenheit und (jedenfalls im Namen) geschichtslos.

          Mit der Entscheidung wird ein Prozess abgeschlossen, der mit der Bestellung einer Historikerkommission zu den beiden Namensgebern vor gut einem Jahr förmlich eingeleitet wurde (F.A.Z vom 2. Juni 2021). Neben Graf Eberhard sollte Herzog Karl Eugen von Württemberg kritisch beleuchtet werden, der sich 1769 selbst als zweiten Namenspatron installiert hatte: zwei Fürsten, die sich aus unterschiedlichen Gründen in den Augen der Kritiker unmöglich gemacht haben.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Satellitenbilder zeigen die Zerstörung nach einem Angriff auf den russischen Militärstützpunkt Saki auf der Krim

          Nach Explosionen auf der Krim : Moskaus Angst vor den Ukrainern

          Die russischen Flugzeuge könnten nach dem Angriff auf der Krim zurückgezogen werden. Kiew äußert sich zurückhaltend. Ist das ein Mittel der Kriegspsychologie?
          Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.

          China und Amerika : Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

          Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.