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Kolumne „Uni live“ : „Was willst du denn da drüben?“

  • -Aktualisiert am

Noch immer mit Klischees belastet: Studium an einer ostdeutschen Uni – hier ein Blick auf das Hauptgebäude der Uni Leipzig. Bild: Jens Gyarmaty

Als ich zum Studium in den Osten zog, hielt ich mich für ach so offen. Dabei lohnt es sich, wenn wir jungen Menschen die Unterschiede kennen, die es bis heute gibt – und sie reflektieren.

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          „Willst du noch ein paar Bananen mitnehmen?“ und „Bist du sicher, dass es in Dunkeldeutschland nicht gefährlich ist?“ Als ich 2015 fürs Studium aus Süddeutschland nach Erfurt – also tief in den Osten Deutschlands – zog, machte sich mein Umfeld beinahe mehr Sorgen um mich als vor meiner Reise nach Lateinamerika. Zugegeben, die Sprüche waren vielleicht nicht zu 100 Prozent ernst gemeint. Aber trotzdem bemerkenswert dafür, dass ich bloß in eine andere Stadt wollte. Und dafür, dass es schon seit 25 Jahren keine Mauer mehr gab, die Deutschland in Ost und West trennte. Warum eigentlich denken so viele Menschen noch immer in den Kategorien Ost und West?

          Ich habe dazu einfach mal ein bisschen recherchiert. Die Realität der vereinigten Bundesrepublik scheint in vielen Köpfen noch immer nicht angekommen zu sein. Nach einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen aus dem Jahr 2019 waren zwar 95 Prozent der Ostdeutschen nach der Wende mindestens einmal zu Besuch im Westen, allerdings gab jeder fünfte Westdeutsche an, noch nie in den Osten gereist zu sein. Allerdings schützt auch eine Reise offensichtlich nicht immer vor undifferenzierten Ansichten. Denn auch wenn die allermeisten Ostdeutschen schon mal im Westen waren, haben viele von ihnen Vorurteile. Eingebildete, reiche Studierende aus dem Westen würden im Osten die Mieten nach oben treiben ist eines davon. Die jungen „Wessis“ gelten außerdem als arrogant und geldgierig. Sie verstünden nichts von der harten Lebensrealität im Osten, sagt man ihnen nach.

          „Studier auf den Schmalledivien“

          Im Westen gibt's auch Vorurteile – bloß andere. Und zur Verhärtung der Fronten haben in der Vergangenheit unter anderem öffentliche Institutionen beigetragen. So wollte zum Beispiel das Bildungsministerium ein bisschen mitmischen im bunten Topf der Klischees. Von 2008 bis 2015 gab es die Imagekampagne „Studieren in Fernost“, die westdeutsche Abiturienten und Abiturientinnen an ostdeutsche Hochschulen locken sollte. Zwei junge, ostasiatisch aussehende Männer reisten dafür nach Greifswald oder Stendal und priesen dann in Videos auf sozialen Netzwerken die niedrigen Mieten oder die gute Betreuung an 44 Hochschulen an. Hinzu kam eine Plakatkampagne, die mit Sprüchen wie „Studier auf den Schmalledivien“ beispielsweise ins thüringische Schmalkalden locken sollte.

          Die Idee dahinter: Wegen des demografischen Wandels und der Abwanderung junger Ostdeutscher erwarteten die dortigen Unis in dieser Zeit deutlich weniger Studierende, während viele westdeutsche Bundesländer von steigenden Zahlen ausgingen. Schon klar, es war alles witzig-ironisch gemeint. Aber, ob Thüringen oder Sachsen-Anhalt mit asiatischen Staaten gleichzusetzen den eigentlichen Zweck erfüllt hat, ist unklar. Inzwischen wurde die Kampagne jedenfalls eingestellt. Vielleicht, weil die Hörsäle in Ostdeutschland längst genauso voll sind wie im Westen. Vielleicht aber auch, weil die ganze Aktion Vorurteile eher auf- als abgebaut hat.

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