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Kolumne „Uni live“ : Die Sache mit den Praktika in der Pandemie

  • -Aktualisiert am

In Zeiten von Corona ist es schwer geworden, einen Praktikumsplatz zu finden. Bild: Picture-Alliance

Praktika sind für Studierende wichtig, um in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Corona erschwert die Situation. Ausländische Studierende trifft es besonders hart. Mit viel Pech droht ihnen der Flieger nach Hause.

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          Kaffeetrinken mit YC in der WG-Küche ist in der vergangenen Zeit selten geworden. „Zu viel zu tun“, sagt sie als Entschuldigung. Sie ist auf der Suche nach einer Stelle. Neulich hat sie mir von ihrer neuen, ersten Knirschschiene erzählt. Seit Monaten habe sie heftige Verspannungen im Kiefer, der Grund dafür sei zu viel Stress. Weil sie die Schmerzen erst hat, seitdem sie Arbeit sucht, ist die Schlussfolgerung für sie klar: Die Unsicherheit nagt an ihr.

          YC kommt aus Taiwan, sie ist eine Weltenbummlerin. Neben Deutsch spricht sie drei weitere Sprachen fließend, seit 2016 studiert sie BWL an der Uni Mannheim, Auslandssemester in Schweden inklusive. Ein Leben zuhause kann sie sich nicht mehr vorstellen. „Taiwan ist mir zu klein geworden“, sagt sie. Und genau hier liegt das Problem, das sie nachts die Zähne aufeinander pressen lässt.

          An sich ist das deutsche Aufenthaltsrecht für junge Akademiker liberal. Für bis zu zehn Jahre erhalten Menschen, die nicht aus der EU stammen, ein Studentenvisum in Deutschland. Damit ist der grundlegende akademische Weg von Bachelor bis Promotion möglich. Wer nach dem Studium bleiben möchte, dem räumt der Staat eine Frist von 18 Monaten ein, um eine der eigenen Qualifikation entsprechende Stelle zu finden. Der erste Job ist bekanntlich am schwierigsten zu bekommen, das Aufenthaltsgesetz, hier Paragraph 20, reflektiert das. So großzügig, so eindeutig ist das: Wer nach 18 Monaten keinen Job gefunden hat, muss Deutschland verlassen. Und das bereitet YC Sorge.

          Die Lage ist verzwickt

          Eigentlich hatte sie einen guten Plan. Weil sie das BWL-Studium auf Deutsch viel Anstrengung kostete, konzentrierte sie sich zunächst rein darauf. Während ihre Kommilitonen in den Semesterferien Praktika machten, lernte sie, um an der Uni mithalten zu können. Da Praktika einen guten Weg in den Arbeitsmarkt darstellen, wollte YC sie an das Ende des Studiums schieben. Das machen viele so: Man verlegt die letzte Prüfung in das kommende Semester, der Studentenstatus bleibt bestehen, man nutzt das Semester für Praktika und lernt nebenbei für die Prüfung. Sinn und Zweck dahinter: Ein Praktikum bekommt man meist nur mit gültiger Immatrikulationsbescheinigung, weil das für Unternehmen billiger ist.

          YC hatte für Praktika zwei Semester vom Frühjahr 2020 an eingeplant. Nach ihrer letzten Klausur im Dezember 2020 wollte sie dann mit Arbeitserfahrung in deutschen Unternehmen hoffentlich leicht auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Doch dann kam Corona, ein Praktikum fand sie nicht mehr. Circa 80 Bewerbungen habe sie 2020 verschickt ­– alles Absagen. Mittlerweile sei die allgemeine Lage zwar besser, für sie aber ungemein schlechter, denn seit Dezember hat sie ihren Bachelorabschluss. Als Praktikantin kommt sie für die meisten Unternehmen nicht mehr in Frage. Deswegen bewirbt sich YC nun auch auf Arbeitsstellen. Ohne Praktika im Lebenslauf gestalte sich das aber ebenso kompliziert.

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