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Kolumne „Uni live“ : Zu spät dran fürs Willkommensgeld

  • -Aktualisiert am

Wie gut sind die Bedingungen in Ostdeutschland wirklich? Studierende in Leipzig. Bild: dpa

Wer fürs Studium nach Ostdeutschland zieht, bekommt oft gute Bedingungen versprochen. Aber was davon ist bloß Marketing?

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          Die Betreuung sei besser, im Hörsaal findet man noch einen Platz, in einigen Orten bekomme man Begrüßungsgeschenke und es gebe so viele moderne und gut ausgestattete Hochschulen wie sonst nirgends in Deutschland. Mit diesen und ähnlichen Versprechen sollten zu Beginn meines Studiums Menschen aus Westdeutschland in die ostdeutschen Bundesländer gelockt werden. Denn studieren im Osten sei eigentlich rundum paradiesisch! Ich bin dem Ruf ins Paradies gefolgt, nicht weil ich den Werbeversprechen glaubte, sondern weil es ich damals gerne einen speziellen Studiengang studieren wollte, nämlich „Internationale Beziehungen“ in Erfurt. Seitdem bin ich nur zum Teil wegen und zum Teil auch trotz der Studienbedingungen im Osten geblieben.

          Die meisten der Werbesprüche – das muss man leider zunächst klar festhalten – blieben für mich persönlich leere Versprechen. Zum Teil, weil man die Dinge eben nicht verallgemeinern kann, zum Teil, weil ich einfach Pech hatte. Beispiel 1 – moderne Hochschulen: Meine ersten Vorlesungen verbrachte ich in einer alten SED-Parteischule, kurz APS. Das Audimax der Uni Erfurt konnte nämlich mein gesamtes Bachelorstudium lang aufgrund fehlender Bandschutzmaßnahmen nicht genutzt werden. Also musste Ersatz her und anscheinend gab es da in der thüringischen Landeshauptstadt nicht allzu viele Möglichkeiten.

          Die SED-Parteischule drängte sich eigentlich nicht gerade auf, sie war gut 20 Bahnminuten vom Unicampus in Erfurt entfernt. In einer Stadt mit der Größe von Erfurt war das quasi eine Weltreise. Das Gebäude selbst war ein eher seltsamer blauer Quader, flankiert von einem Plattenbau. Der aktuelle Betreiber beschreibt das als „Charme der 70er Jahre“, der Komplex steht inzwischen unter Denkmalschutz.

          Bevor man dort den Hörsaal betreten konnte wurde man erst einmal daran erinnert, für was dieses Gebäude eigentlich gebaut wurde. In der Eingangshalle prangte nämlich ein riesiges Gemälde von Arbeitern und Arbeiterinnen. Das sozialistische Ideal vom fleißigen Arbeiter war immerhin ein ziemlich lustiger Kontrast zu so manchen Inhalten der Managementvorlesung.

          Gruselig – nicht nur die Toiletten

          Der Vorlesungssaal war riesig, einen Platz gefunden hat dort tatsächlich jeder. Das war allerdings wohl auch der einzige Vorteil an diesem Gebäude. Im Winter war es eiskalt – man versuchte nämlich den Saal mit ein paar einzelnen Standheizungen aufzuwärmen – im Sommer stickig. Es gab kein Internet (Wozu auch, in der Vorlesung soll man schließlich zuhören und nicht googeln!), der kleine Imbiss hatte nur sporadisch etwas zu essen und die Toiletten waren die gruseligsten, die ich je gesehen habe. Apropos gruselig: Dazu passte auch noch, dass 2014 sogar ein Mord auf dem Gelände der Parteischule passiert war.

          Zur gleichen Zeit konnte ich meine Lernzeiten in Erfurt tatsächlich in einer neu errichteten Bibliothek verbringen. Allerdings hatte auch die ihre Tücken – schon wenige Jahre nachdem sie eröffnet worden war, tauchten größere Risse in den Wänden auf. Die Bibliothek sackte ab und umfassende Renovierungsarbeiten wurden notwendig. Angeblich weil die Statiker beim Bau vergessen hatten das Gewicht der Bücher mit einzuberechnen. Ob das stimmt, weiß ich nicht.

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