https://www.faz.net/-gyl-afd9e

Kolumne „Uni live“ : Wohnungssuche? Willkommen auf dem Viehmarkt!

  • -Aktualisiert am

Inzwischen ein etabliertes Format: das WG-Casting Bild: Picture-Alliance

Unser Autor war im Sommer auf WG-Suche. Was er erlebt hat, welche Tipps er geben kann und was das mit dem Wohnungsmarkt zu tun hat, erzählt er in dieser Kolumne.

          3 Min.

          Diesen Sommer war ich auf WG-Suche in Mannheim: Personalisierte Anschreiben, Bewerbungsgespräche und hobbypsychologische Analysen, Schleimen und blöde Fragen, der ganze Prozess bewegt sich zwischen meisterhafter Professionalität und chaotischem Studentenmief. Eigentlich ist das lustig zu beobachten, außer man sucht ein Zimmer, dann ist es eine Tortur. Ein Lichtblick ist die Geschwindigkeit. Wenn es gut läuft, dauert die Suche nur einige Tage, Strapazen und Leid sind dann intensiv, aber schnell vorbei.

          Ein WG-Zimmer findet man am besten über die Plattform wg-gesucht.de. WGs mit freien Zimmern stellen sich dort vor, man selbst bewirbt sich mit einem persönlichen Anschreiben, das möglichst supertoll und knackig sein sollte. Dann hört man entweder nichts oder bekommt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, das der Jugend-Jargon zum WG-Casting erhebt. In meinem Fall habe ich dreizehn Wohngemeinschaften kontaktiert, wurde zu acht Castings eingeladen und hatte am Ende eine Zusage. Dort wohne ich jetzt. Gedauert hat das alles zehn Tage und fand einen Monat vor Einzugstermin statt. Auf dem WG-Markt geht es flott zu – und selektiv. Eine Zusage aus dreizehn Anfragen entspricht einer mageren Erfolgsquote von 8 Prozent. Das heißt, viel hilft viel. Je mehr nervige WG-Castings man fleißig absolviert, desto besser. Selbstverständlich sollte man streng vorauswählen, wen man anschreibt, doch die Anzeigen geben nur einen bescheidenen Eindruck der tatsächlichen Situation. Jedes WG-Casting ist ein Griff in die Wundertüte.

          Da gab es zum Beispiel diese eine Anzeige, die sich grandios anhörte. Von Einhörnern, Kaffeeklatsch und Kochabenden war die Rede, beim WG-Besuch stellte sich jedoch das Gegenteil heraus. Spannungen dominierten den Raum, der Anzeigentext war eine Wunschvorstellung. Oder jene Wohnung in bester Lage, die sich beim Betreten als Puppenstube mit Depressionsgarantie herausstellte. Deren zwei Bewohnerinnen lebten in winzigen Zimmern, in denen sie seltsamen Hobbies frönten, wie das einsame Nachtanzen von Youtube-Videos. Eine Wohngemeinschaft verwechselten sie mit einem Prinzesinnenreich; die eine kommandierte die andere. Wer das schon bei einem einstündigen WG-Gespräch merkt, sollte schnellstmöglich davonlaufen.

          Massenhafte Fleischbeschauung

          Die Puppenstube wies übrigens den (!) Indikator auf, der zuverlässig auf eine Horror-WG hinweist: verrammelte Zimmertüren. Wo Türen stets geschlossen sind, kann Gemeinschaft nicht stattfinden. Jeder lebt hier für sich und versucht, den anderen möglichst nichts von sich preiszugeben. Wer das sympathisch findet, sollte lieber überlegen, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Denn erstens hört man seine Mitbewohner immer, zweitens teilt man Badezimmer und Küche. Verstecken spielen in einer Wohnung kann man nicht gewinnen, es ist nur unangenehm.

          Weitere Themen

          Klimakiller im Topf?

          Ab in die Botanik : Klimakiller im Topf?

          Unsere Autorin stöbert gerne auf dem Flohmarkt oder im lokalen Hofladen, wie es sich für die Generation Y gehört. Doch ein anderer Trend ist oft alles andere als nachhaltig: die Zimmerpflanze. Oder besser der „Urban Jungle".

          Topmeldungen

          Die Verfassungsrichter Susanne Baer und Stephan Harbarth am 15. Januar 2019 in Karlsruhe

          Bundesverfassungsgericht : Ein Abendessen mit Nebenwirkung

          Im Juni trafen sich Bundesverfassungsrichter mit Mitgliedern der Bundesregierung. Daraufhin versuchte es erst die AfD mit einem Befangenheitsantrag. Nun hatte das Gericht über einen weiteren zu entscheiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.