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Kolumne „Uni live“ : Impftouristen in der ostdeutschen Provinz

  • -Aktualisiert am

Nicht nur impftouristisch, sondern auch landschaftlich interessant: der Burgenlandkreis. Bild: ZB

Corona-Impftermine sind noch immer rar für Studierende. Da heißt es: kreativ werden und die Möglichkeiten von Semesterticket und Fahrrad ausnutzen. Daraus können sogar kleine touristische Abenteuer werden.

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          In Sachsen einen Termin zur Impfung gegen das Corona-Virus zu bekommen, ist, wie in vielen anderen Bundesländern, ein absolutes Glücksspiel. Das gilt auch für uns Studierende, die sich von dem kleinen Pieks einen Schritt zurück in ein freieres Studentenleben erhoffen. Eine Internetseite zeigt den Überblick an freien Terminen – bei den meisten Impfzentren steht da eine erbarmungslose Null. Besonders schwierig ist es in Großstädten wie Leipzig oder Dresden. In Annaberg, Löbau oder Zwickau sieht es da schon besser aus. Aber wo liegen diese Städte überhaupt?

          Wie viele Studierende bin ich einen großen Teil meiner Zeit froh, in der Großstadt Leipzig zu leben. Dafür gibt es auch viele Argumente: Kulturell ist hier einiges geboten, außer mir leben hier noch Zehntausende weitere Studierende und mit dem Fahrrad komme ich überall hin. Über das Umland und die ostdeutschen Provinzen wissen wir Leipziger Studis dagegen oft recht wenig. Vielleicht sind wir ein bisschen überheblich, hauptsächlich aber: bequem. Warum sollte man raus aufs Land? In meinem Alltag und wohl auch in dem vieler anderer Studierender gibt es kaum einen Grund, die Stadtgrenzen zu verlassen. Die 15-Kilometer-Regel, die aufgrund der Pandemie einige Zeit in Sachsen galt, haben ich und viele andere darum kaum gespürt.  

          Vor diesem Hintergrund ist es nun vielleicht eine Ironie des Schicksals, dass es die Pandemie am Ende auch noch geschafft hat, uns die ostdeutsche Provinz etwas näherzubringen. Die nervenaufreibende Suche nach einem Impftermin hat die geografischen Kenntnisse von mir und meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen so exponentiell wachsen lassen, wie sich das Virus zeitweise verbreitete.

          Ein Ticket für den Impftourismus?

          Annaberg-Buchholz, zum Beispiel ist eine große Kreisstadt fast an der Grenze zu Tschechien und mit Impfterminen deutlich besser ausgestattet, als Leipzig. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dauert es bis dorthin allerdings zweieinhalb Stunden. Abgesehen davon, dass das für einen kleinen Pieks schon eine sehr lange Fahrt wäre, gilt das Semesterticket dort auch nicht mehr. Also für viele Studierende keine Option. Ähnliches gilt für Eich und Löbau.

          Weniger provinziell, aber auch eine Destination mit potentiellen Impfmöglichkeiten ist Chemnitz. Liegt zwar leider auch außerhalb des Tarifgebiets des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds (MDV), aber immerhin dauert die Zugfahrt nur eine Stunde. Zur Feier seines frisch ergatterten Impftermins hat sich einer meiner Studienkollegen hierfür aber sogar von einem Freund im dem Auto fahren lassen. Chemnitz wird bald europäische Kulturhauptstadt; ein Besuch könnte sich also sowieso mal lohnen. Von der Kultur haben meine Bekannten aber wenig gesehen, dafür versuchten einige Impfgegner vor dem Impfzentrum sie von den schädlichen Nebenwirkungen der Vakzine zu überzeugen. Davon haben sich die beiden nicht abhalten lassen; nach einer halben Stunde hatten sie den begehrten Impfstoff im Arm.

          Einige meiner Bekannten haben auf der Suche nach BioNTech, Astra und Co sogar das Bundesland verlassen. Bisher war es für viele von uns ein Rätsel, warum das Ticket auch Teile Sachsen-Anhalts abdeckte. Jetzt haben wir eine Hypothese: Für den Impftourismus! Jedenfalls stellte es sich als großes Glück heraus, dass man damit unter anderem bis in den Burgenlandkreis kommt. Für alle, denen diese Region kaum etwas sagt (ich gehörte vor wenigen Wochen auch noch dazu): Der Landkreis hat eine Menge Freizeitwert.

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