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Kolumne „Uni live“ : Die Qual der Studienwahl

  • -Aktualisiert am

Studienorientierung: Vor Corona konnte man immerhin auf Messen oder zu Schnupperveranstaltungen gehen. Bild: Picture-Alliance

Ratlos nach dem Abi: Hochschulmessen, Tage der offenen Tür, Schnupperstudien – all das gibt es dieses Jahr nicht. Statt dessen Filterkaffee vor dem heimischen Rechner und eine verwirrende Flut von Internetseiten.

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          Als eine Freundin mir während eines Abendspaziergangs von ihrer Studienwahl erzählt, klingt das wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit: „Ich glaub ich hab damals beim Tag der offenen Tür einfach einen super sympathischen Typen getroffen, der mir das Ganze gut verkauft hat.“ Ich bleibe, zwei Meter entfernt, auf der Rasenfläche des Parks stehen und schaue sie an. Eigentlich klingt das ja nach einem ziemlich schwachen Grund dafür, für drei bis vier Jahre in eine andere Stadt zu ziehen und zu studieren. Trotzdem – ich bin neidisch.

          Hochschulmessen, Tage der offenen Tür, Schnupperstudien – kurz: alle Möglichkeiten einen Eindruck davon zu bekommen, wie ein Studium aussehen kann, und sich mit Studierenden und Lehrenden auszutauschen  – das gibt es für uns Traurigen nicht, die in diesem Coronajahr ein Studium beginnen. Nach dem Abi stehen wir mit lauter Fragen und ohne Plan da. Was für Studienrichtungen gibt es eigentlich? Was macht eine gute Hochschule aus und welche gibt es überhaupt? Vielleicht auch im Ausland?

          Noch vor einem Jahr hätten die meisten meiner Freunde gesagt: egal, dann gehe ich jetzt erst einmal arbeiten und reisen, ich werde schon merken, was ich machen will. In Zeiten von Corona hieße das: online Nachhilfe von der eigenen Couch aus geben und am besten die Stadt nicht verlassen – nicht sehr verlockend. Motiviert und gespannt googelte ich also: „Studienwahl“. Vorbereitet war ich auf die schiere Masse der nun aufploppenden Websites nicht.

          Schon der Weg zum Wunschfach ist lang

          Eine Zeit lang klickte ich mich willkürlich durch Studienportale, die ich weder auf Grund ihres Namens noch wegen der Inhalte auseinanderhalten konnte. Studis Online, MyStipendium, Studycheck, Hochschulkompass … Studienwas? Nach knapp zwei Stunden Online-Selbsttest auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit bekam ich nicht nur eine differenzierte Einschätzung zu meinem Charakter, die ich sicher für mein Tinder-Profil aufheben werde, sondern auch die Studienempfehlung des Algorithmus: Slawistik. Huch! Mit slawischen Sprachen habe ich mich bis jetzt nur anlässlich stockender englischer Unterhaltungen auf polnischen Festivals beschäftigt.

          Auch wenn es schön gewesen wäre, wenn die Seite mir mein Traumfach präsentiert hätte – man muss die Studienfachsuche wohl selber in die Hand nehmen. Also recherchierte ich nacheinander alle meine Interessensbereiche durch (leider viele verschiedene). Biochemie, Internationale Beziehungen, Nachhaltigkeitsstudien, Ethnologie, Stadtplanung, Sozialwissenschaften. Irgendwann verlor ich den Überblick, ich klickte und klickte und schrieb mir Stichworte auf, aber mein Kopf war voll.

          Nach ein paar Recherchepausen verstand ich, dass mein Zugang zu den meisten Themen ein menschlicher ist. Mich interessiert, wie Personen und Gesellschaften miteinander und mit ihrer Umwelt funktionieren und wurde ein bisschen aufgeregt, als ich genau das in Beschreibungen des Soziologiestudiums las. Also machte ich mir mein Schnupperstudium selber, mit Filterkaffee vor Youtube. Manche Universitäten haben – sowieso oder innerhalb der letzten Monate – Videos von Vorlesungen oder Vorträgen hochgeladen. Manchmal war das faszinierend, aber manchmal auch ermüdend. Ich sehnte mich nach erfahrenen Studierenden neben mir, die ich fragen könnte: „Ist das in der Soziologie immer so oder ist das einfach diese Professorin oder einfach dieses Thema?“. Aber da war niemand, und mein Mitbewohner konnte auch nur erzählen, was er mal vage vielleicht von jemandem gehört hätte.

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