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Psychotherapie : Kommt jetzt der Psycho-Pfusch?

Beziehung als Überlebensform: Die Couch macht es möglich. Bild: TOMAS MUNITA/The New York Times//Redux/laif

An der Universität Frankfurt steht nicht nur der Lehrstuhl für Psychoanalyse auf der Kippe, sondern auch eine Tradition, die Psychotherapie nicht auf Reparaturarbeiten beschränkt. Dagegen formiert sich Widerstand.

          5 Min.

          Man sollte denken, im Luxussegment der Gesellschaft erlebe die Psychoanalyse gerade eine Renaissance – als Zeitinsel, als Raum der freien Assoziation, als eine entschiedene Ausrichtung auf Beziehung und Bedeutung. In krassem Missverhältnis zu dieser Annahme steht die marginale Position, die der Psychoanalyse in der akademischen Forschung und Lehre zukommt. In der klinischen Psychologie wurde die Analyse erfolgreich zugunsten der Verhaltenstherapie entsorgt, wie sie inzwischen seit Längerem in der akademischen Ausbildung vorherrscht. Das ist nicht etwa ein Ausweis im Streit der psychologischen Schulen (verhaltenstherapeutische versus psychoanalytische und tiefenpsychologische Orientierung).

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

          Eher geht es hier um die Praktikabilität des Settings, die zu Buche schlägt. Es ist forschungspolitisch und für kurz angebundene Finanzierungsfragen leichter handhabbar, die Wirkung einer Therapie behavioristisch zu messen, im Abgleich von Vorher-Nachher-Szenarien der raschen Symptomreduktion, als sich auf die langwierige Bearbeitung von Lebensgeschichten einzulassen, noch dazu unter dem Gesichtspunkt einer biographischen Sinnarbeit. Ebendies tut die Psychoanalyse mit einem gehörigen Aufwand an Zeit und Geld und ist damit nicht bloß ein weiterer Zweig im medizinischen Reparaturbetrieb, obwohl sie genau dies auch ist (darauf beruht ihre Anerkennung durch die gesetzlichen Krankenkassen, die auch die Rückfallquoten im Vergleich der Verfahren vor Augen haben).

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