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Ungleiche Bildungschancen : Männlich, arm und eingewandert

  • -Aktualisiert am

Nur mit den Eltern: Beim Diesterweg-Stipendium verpflichtet sich die ganze Familie für einen Museumsbesuch. Bild: Stiftung Polytechnische Gesellschaft/Katrin Binner

Die meisten Bildungsverlierer hätten lange vor Schulbeginn eine gezielte Sprachförderung gebraucht. Ob diese fruchtet, hängt stark vom Engagement der Eltern ab. Doch wie eine Studie zeigt, lässt dieses oft zu wünschen übrig. Ein Gastbeitrag.

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          Das südhessische Darmstadt hat eine Abiturientenquote von über 50 Prozent. Dennoch gibt es auch in Darmstadt Bildungsverlierer. Wie anderswo sind sie überwiegend männlich, stammen aus zugewanderten Familien und aus sozial schwächeren Elternhäusern. Überraschend ist das nicht. Wie eine aktuelle Studie zu den Deutschkenntnissen der Darmstädter Vorschulkinder zeigt, sprechen bei der Einschulung mehr als 40 Prozent der Jungen und 30 Prozent der Mädchen mit Migrationshintergrund Deutsch nur mit erheblichen Fehlern, rudimentär oder gar nicht. Wenn sie keine zusätzliche sprachliche Förderung erfahren, sind ihre schulischen Misserfolge vorgezeichnet. Sprachliche Defizite gibt es allerdings auch bei Kindern ohne Migrationshintergrund, wenn sie in sozialen oder bildungsbezogenen Risikolagen aufwachsen.

          Kein Bildungsbericht kommt ohne die einschlägigen Kapitel zu den sozialen, zuwanderungs- und geschlechtsbezogenen Disparitäten aus. Nicht selten mit dem tröstlichen Hinweis, dass es etwas besser oder zumindest nicht wesentlich schlechter geworden sei. Weiterhin haben allerdings zwei Drittel aller Gymnasiasten Eltern, die ebenfalls ein Gymnasium besucht haben, und nur zwei Prozent der Gymnasiasten haben Eltern, die beide keinen formalen Bildungsabschluss besitzen. Die Eltern von mehr als der Hälfte aller Hauptschüler erreichten selbst nur einen Hauptschulabschluss.

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