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Unfallversicherung : Beschäftigte haben weniger Arbeitsunfälle

Gut geschützt: Es passieren weniger Arbeitsunfälle in Deutschland. Bild: dpa

Die Zahl der Unfälle sinkt unter 25 je 1000 Arbeiter, doch die Ausgaben der Unfallversicherung steigen. Da die Lohnsumme wächst, bleibt der Beitragssatz stabil. Die Wirtschaft verlangt geringere Kosten.

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          Das Risiko, am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin einen Unfall zu erleiden, ist im vergangenen Jahr wieder gesunken. Trotz einer breiteren Beschäftigung sank die Zahl der gemeldeten Unfälle um 6 Prozent oder 35.000 auf 1,1 Millionen. Das teilte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) am Montag mit. Im relativen Vergleich, ein Unfall je 1000 Vollarbeiter, sank die Quote von 25,8 auf 24,5 Unfälle, fast auf das Niveau von 2009 (24,3).

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Mit 11,6 Milliarden Euro gaben die in der DGUV vereinten Berufsgenossenschaften und öffentlichen Unfallkassen so viel Geld für Rehabilitation, Kompensation, Prävention und Verwaltungskosten aus wie nie zuvor. Ein Grund dafür sind höhere Behandlungskosten. Finanziert werden die Kosten durch eine Umlage auf die Lohnsumme. Dass die trotz eines Ausgabenanstiegs um 5 Prozent oder knapp 500 Millionen Euro konstant blieb, hängt auch mit der wachsenden Beschäftigung und den steigenden Entgelten zusammen. Aktuell liegt der Satz bei 1,32 Prozent der Lohnsumme. Einschließlich des Anteils der öffentlichen Unfallkassen von 1,3 Milliarden Euro stieg die Umlage auf kostendeckende 11,6 Milliarden Euro.

          Seit 1995 ist die Zahl der Unfälle deutlich zurückgegangen

          Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erinnerte daran, dass die Unfallzahlen im Jahr 2010 gestiegen seien, „ohne dass sich der durchschnittliche Beitragssatz erhöht hätte“. Allerdings könne die Halbierung der Unfallzahlen seit 1990 stärker in der Beitragssatzhöhe zum Ausdruck kommen. Dazu sei eine Reform der gesetzlichen Unfallversicherung notwendig, verlangte die BDA. Diese hatte die Koalition zwar angekündigt, aber nicht in die Tat umgesetzt.

          Die Arbeitgeber sehen Spielraum für Beitragsentlastungen unter anderem durch eine „Konzentration der Versicherungsleistungen auf den Kernbereich betriebsspezifischer Risiken“. Ähnlich äußerte sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Dessen stellvertretender Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sagte dieser Zeitung, angesichts der wachsenden Ausgaben der Unfallversicherung „sollte zügig eine Reform der Leistungsseite angegangen werden“. Dort gebe es erhebliches Entlastungspotential. Beispielsweise sollten Wegeunfälle aus dem Leistungskatalog ausgegliedert und privat abgesichert werden.

          Allein von den Arbeitgebern finanziert

          Die Unfallversicherung wird als einzige Sozialversicherung alleine von den Arbeitgebern finanziert, vergangenes Jahr mit 10,3 Milliarden Euro. Der Beitragssatz einer Berufsgenossenschaft (BG) richtet sich auch nach der Unfallhäufigkeit der vertretenen Branchen. Mit 4,04 Prozent war der Satz der BG BAU am höchsten, der Satz der BG für nichtstaatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und der Wohlfahrtspflege (BGW) mit 0,77 Prozent am niedrigsten.

          DGUV-Hauptgeschäftsführer Joachim Breuer lobte das Engagement der Unternehmen für den Unfallschutz. Die Zahlen zeigten, auch der Arbeitsschutz habe Konjunktur. Investitionen der Unternehmen in Prävention lohnten sich doppelt. Zum einen seien niedrige Unfallrisiken eine gute Voraussetzung, „um die Beitragsbelastung der Wirtschaft auch zukünftig gering zu halten“. Anderseits hätten die Unternehmen geringe Ausfallzeiten und unfallbedingte Betriebsstörungen.

          Unfallquote beim Schulbesuch gesunken

          Mehr als 2500 Menschen erlagen laut DGUV den Folgen einer Berufskrankheit, vor allem als Folge von Asbeststäuben. Knapp die Hälfte der 72.000 Anträge auf Anerkennung einer Berufskrankheit wurde anerkannt. Meistens gehe es um Hauterkrankungen, die inzwischen sehr gut behandelt werden könnten.

          In der staatlichen Schüler-Unfallversicherung, die auch Studenten umfasst, sank die Unfallquote beim Schulbesuch um 0,8 Prozent auf 75,8 Unfälle je 1000 Versicherte. Auch die Unfallquote auf dem Schulweg ging von 7,3 auf 6,7 Unfälle je 1000 Versicherte zurück. Gleichwohl starben 70 (Vorjahr 50) Schüler und Studenten auf dem Weg und 7 (6) in der Schule. Die Zahl der tödlichen Unfälle auf dem Weg zum sowie am Arbeitsplatz blieb mit 892 (886) fast konstant.

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