https://www.faz.net/-gyl-9qac3

Ansehensverlust : Unternehmer und Politiker werden immer unbeliebter

Politiker verlieren an Ansehen. Bild: dpa

Manager, Bankangestellte und Politiker genießen in der Bevölkerung immer weniger Ansehen – das hat eine Umfrage ergeben. Auch das Vertrauen in Staat und Wirtschaft sinkt.

          2 Min.

          Das Ansehen von Unternehmern und Managern in der deutschen Bevölkerung nimmt drastisch ab. Dasselbe gilt aber auch für Politiker und Journalisten. Gerade einmal 16 Prozent der Bürger billigen Politikern noch ein hohes oder sehr hohes Ansehen zu, das sind 9 Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren. Unternehmer haben mit 41 Prozent zwar noch ein insgesamt höheres Ansehensniveau. Doch ist dieses allein seit 2017 sogar um 14 Prozentpunkte geschrumpft.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          An der Spitze der Ansehensskala bleiben indes Feuerwehrleute, Ärzte, Pflegekräfte und Polizisten mit Werten von mehr als 80 Prozent. Das zeigen neue Ergebnisse einer Forsa-Repräsentativumfrage für den DBB Beamtenbund.

          Für die Erhebung werden seit 2007 jährlich rund 2000 Bürger unter anderem zum Ansehen unterschiedlichster Berufsgruppen befragt. Besonders für die vergangenen zwei Jahre fällt allerdings auf, dass die geäußerte Wertschätzung über die ganze Bandbreite der Berufe sinkt, nur unterschiedlich stark. Forsa-Chef Manfred Güllner sieht dies auch als Ausdruck eines in vielerlei Hinsicht rauer gewordenen gesellschaftlichen Klimas – welches sich in einem insgesamt sinkenden Vertrauen in öffentliche Institutionen und, in verschärfter Form, auch durch eine Zunahme körperlicher Übergriffe etwa auf Rettungskräfte oder Polizisten zeige.

          Ansehensverlust bei Bankangestellten 

          Teilweise scheint sich in den Ansehensverlusten der Berufsgruppen eine zunehmende Verbreitung wirtschaftskritischer Haltungen zu spiegeln. Ähnliche Einbußen wie Unternehmer verzeichneten der Umfrage zufolge in den vergangenen zwei Jahren auch Manager und Bankangestellte; beide Gruppen stehen in der Rangliste in direkter Nachbarschaft zu Politikern.

          Und im Langfristvergleich mit dem Jahr 2007 sind Unternehmer (minus 20 Prozentpunkte), Manager (minus 18) und Bankangestellte (minus 14) stärker abgesackt als jede andere Berufsgruppe. Demgegenüber haben Journalisten, deren Ansehensniveau aktuell noch bei 40 Prozent liegt, allein im vergangenen Jahr 10 Prozentpunkte eingebüßt.

          Anders als nach der Finanzmarktkrise von 2008 steht einem sinkenden Vertrauen in die Akteure der Wirtschaft jedoch auch kein wachsendes Vertrauen in den Staat und seine Einrichtungen mehr gegenüber. In einem anderen Kapitel der Befragung äußerten 61 Prozent, dass der Staat mit der Erfüllung seiner Aufgaben überfordert sei. 34 Prozent vertraten zudem die Einschätzung, dass diese Überforderung in den vergangenen Jahren zugenommen habe – gegenteiliger Ansicht waren nur 17 Prozent.

          Sprunghaft gestiegen ist aber gleichzeitig auch der Anteil der Bürger, nach deren Auffassung der öffentliche Dienst für die Steuerzahler zu teuer ist. 40 Prozent vertraten zuletzt diese Ansicht. Das sind zwar immer noch weniger als vor der Finanzmarktkrise, aber allein 8 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Daneben steigt jedoch auch der Anteil derer, die ein Zuviel an staatlicher Bürokratie kritisieren. Seit 2017 hat er sich von 56 auf 65 Prozent erhöht. Und sogar unter den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes klagten zuletzt 59 Prozent über zu viel Bürokratie.

          Weitere Themen

          Rücktritt nach Romanze

          FAZ Plus Artikel: Vorstand von McDonald’s : Rücktritt nach Romanze

          McDonald’s entlässt den Vorstandsvorsitzenden wegen einer Liebesbeziehung mit einer Person aus der Belegschaft. Der Vorwurf: schlechtes Urteilsvermögen. Eine Organisation, die sich für Mitarbeiterrechte einsetzt, wertete den Schritt als Indiz dafür, dass das Unternehmen grundlegende Defizite habe.

          Topmeldungen

          Er war der ganze FC Bayern: Uli Hoeneß

          Hoeneß’ Abschied vom FC Bayern : Der Patriarch tritt ab

          Uli Hoeneß hat aus dem FC Bayern eine globale Marke gemacht. Am Freitag endet seine Zeit an der Spitze der Münchner. Wird es derselbe Verein bleiben?

          Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

          Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.