https://www.faz.net/-gyl-7qwf8

Berufseinsteiger in Europa : Junge Deutsche haben gut lachen

Gute Aussichten: Deutsche Absolventen stehen in Europa derzeit gut da Bild: Getty

Geld, Sicherheit, Arbeitgeber – wovon Berufsstarter von Portugal bis Finnland träumen, verrät die größte Umfrage unter Europas Absolventen.

          4 Min.

          Europas Jugend ist mobil wie nie. Immer mehr Absolventen sind bereit, für ihre erste Stelle nach dem Abschluss an der Universität in ein anderes Land zu ziehen. Das zeigen die Ergebnisse der größten Befragungen in dieser Zielgruppe, die der F.A.Z. und FAZ.net exklusiv vorliegen. Zu den großen Ausnahmen gehören allerdings angehende Betriebswirte und Ingenieure aus Deutschland. Deren Bereitschaft, für einen attraktiven Arbeitsplatz umzuziehen, ist in den vergangenen fünf Jahren sogar deutlich gesunken. Nur noch knapp jeder Zweite wäre zu diesem Schritt bereit. Der Durchschnitt in Europa liegt dagegen bei rund 70 Prozent Wechselwilligen.

          Bilderstrecke
          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Zusammen mit ihren Altersgenossen in Österreich und der Schweiz bilden die jungen Deutschen damit die Gruppe der am wenigsten mobilen Nachwuchsakademiker Europas. Bevor sie für ein Angebot auswandern, schlagen viele es lieber aus. Für Jörn Klick vom Marktforschungsinstitut Trendence bildet diese Einstellung die derzeitige wirtschaftliche Situation der Länder ab. „Je besser es der Wirtschaft geht, desto geringer sind die Bereitschaft und die Notwendigkeit, für einen Job ins Ausland zu wechseln“, sagt Klick. Für die Untersuchung wurden mehr als 300.000 Absolventen der Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften in ganz Europa befragt.

          Autokonzerne werden immer beliebter

          Ein Grund für die Bequemlichkeit hiesiger Absolventen könnte auch darin liegen, dass sie immer mehr attraktive Arbeitgeber vor der eigenen Haustür haben. Zwar führen wie in der Vergangenheit schon die IT-Konzerne Google und Apple das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber an. Doch dahinter passiert einiges. „Deutsche Unternehmen werden bei den europäischen Studierenden immer beliebter“, sagt Klick. Allen voran die Automobilhersteller BMW und Volkswagen, die nach Google am stärksten in der Beliebtheit zulegten. Aber auch Unternehmen wie Siemens und BASF konnten sich deutlich verbessern. Gerade die Automobilhersteller seien zudem in der direkten Ansprache der Hochschulabsolventen sehr erfolgreich und täten viel dafür, um die Beliebtheit ihrer Arbeitgebermarke weiter zu steigern. Unter den 25 besten Aufsteigern im Ranking der Wirtschaftsstudenten kommt rund die Hälfte aus Deutschland.

          Banken verlieren an Attraktivität

          Dagegen geht der Abstieg der Banken auch in diesem Jahr weiter. Seit der Finanzkrise büßt die Branche an Attraktivität ein, auch wenn einige große Institute wie die Deutsche Bank ihre Werte verbessern konnten. Aber die Erste Bank aus Österreich, die Narodowy Bank Polski, die ING aus den Niederlanden und die französische Société Générale führen das Klassement der größten Verlierer an. Dazu dürfte beitragen, dass fast alle großen Institute in letzter Zeit vermehrt Arbeitsplätze vor allem im lukrativen Investmentbanking abgebaut haben.

          Diese erhöhte Unsicherheit des Arbeitsplatzes, die ständigen öffentlichen Diskussionen um die Höhe der Vergütung sowie die fragwürdigen ethischen Standards lassen die Finanzbranche in der Gunst sinken. Attraktive Arbeitsaufgaben, Führungsqualitäten und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben verorten die Nachwuchsmanager mittlerweile in anderen Branchen, urteilen die Trendence-Spezialisten. Demnach stehen Wirtschaftsprüfungsunternehmen hoch in der Gunst, aber auch die großen Medienunternehmen. Die britische BBC ist der beste Aufsteiger unter den BWLern. „Viele Medienhäuser entwachsen ihrem etwas verstaubten Image und haben sich als digitale Unternehmen neu positioniert“, sagt Jörn Klick. Das wirke auf viele Absolventen anziehend.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die menschenleere Innenstadt von Hannover Anfang April: Die Ausgangssperre ist auch ein deutliche Zeichen an die Leichtsinnigen und Gleichgültigen.

          Bundes-Notbremse : Leichtsinnige, Verbohrte, Gleichgültige

          Es liegt nicht am „Versagen“ von Bund, Ländern und Kommunen, dass die Notbremse überfällig ist. Es liegt an widersprüchlichen Interessen, deren Gegensätze größer, nicht kleiner werden.
          Sieht sich als Volkstribun: Markus Söder (CSU, l.), hier am 11. April mit Armin Laschet (CDU) in Berlin

          Söders Ambitionen : Die Zerstörung der CDU?

          Macron in Frankreich, Kurz in Österreich und Trump in Amerika haben vorgemacht, wie man jenseits der etablierten Parteistrukturen an die Macht kommt. Manches spricht dafür, dass Bayerns Ministerpräsident etwas Ähnliches vor hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.