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Überstunden : Häufig unbezahlte Mehrarbeit

  • Aktualisiert am

Paketenboten gehören zu den Berufsgruppen mit den meisten Überstunden Bild: dpa

Keine Freizeit und viele Überstunden? Im europäischen Vergleich arbeiten die Deutschen wenig. Trotzdem gibt es einige Berufe, in denen häufig Überstunden gemacht werden.

          2 Min.

          Stress, Überstunden und Erreichbarkeit nahezu rund um die Uhr: Viele Beschäftigte haben im Job mit hoher Belastung zu kämpfen. Besonders betroffen sind Paketboten und Lastwagenfahrer, die nach den Ergebnissen einer Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rund 7,2 Überstunden pro Woche leisten. Deutlich mehr als der Durchschnitt der Arbeitnehmer, der vier Stunden mehr arbeitet.  Aber: Nur knapp die Häfte aller Beschäftigten leistet überhaupt Überstunden.

          Vor allem wegen des Booms des Online-Handels seien die Paketzusteller immer höheren Belastungen ausgesetzt, heißt es in der Studie. Dafür wurden im vergangen Jahr 9 000 Beschäftigte befragt.

          Neben Paketfahrern zählen auch Beschäftigte in Gesundheitsberufen sowie aus dem Sicherheits- und Überwachungsgewerbe zu den Risikogruppen.

          Hohes Unfallrisiko nach langer Arbeit

          Dabei könne die zusätzliche Belastung schlimme Folgen haben: „Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde erst moderat und dann exponentiell ansteigt“, heißt es in der Studie.

          Besonders unter Druck stehen auch Chefs. Nach Ergebnissen der Studie arbeiten sie oft nicht nur deutlich länger arbeiten als ihre Mitarbeiter, sondern müssen auch in ihrer Freizeit häufig erreichbar sein. Insgesamt werde etwa jeder achte Beschäftigte wegen dienstlicher Belange häufig in der Freizeit kontaktiert.

          Als Grund für die Überstunden gab ein Drittel der Befragten an, das Gefühl zu haben, die Arbeit im vorgegebenen Zeitraum nicht zu schaffen. Häufig genannt wurden auch betriebliche Gründe, während finanzielle Anreize nur eine eher untergeordnete Rolle spielen.

          „Das passt zu dem Trend, dass die geleistete Mehrarbeit immer öfter nicht bezahlt wird“, stellten die Forscher fest. Nach wie vor hätten Männer längere Arbeitszeiten als Frauen. Die arbeiten nämlich deutlich häufiger in Teilzeit.

          Stärkerer Einfluss auf Arbeitszeit

          Jeder siebte Befragte habe zudem häufig mit Änderungen der Arbeitszeiten zu kämpfen. Der Ankündigungszeitraum dafür hat sich weiter verkürzt habe. Ein Drittel der Betroffenen erfahre erst am Vortag von den Änderungen.

          Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten müssen mindestens einmal im Monat auch am Wochenende arbeiten. Gleichzeitig könnten viele Beschäftigte aber auch verstärkt Einfluss auf ihre Arbeits- und Pausenzeiten nehmen.

          Mit 38,6 Stunden für Vollzeitbeschäftigte und 22,9 Stunden für Teilzeitbeschäftigte veränderte sich die vertraglich vereinbarte durchschnittliche Arbeitszeit kaum. Nur: tatsächlich geleistet wurden der Untersuchung zufolge durchschnittlich 43,4 Stunden von Vollzeitbeschäftigten und 23,9 Stunden von Teilzeitbeschäftigten.

          Damit habe sich die Zahl der Überstunden insgesamt im Vergleich zu der ersten Studie von 2015 kaum verändert. „Im europäischen Vergleich arbeiten Beschäftigte in Deutschland mit am kürzesten“, heißt es in der Studie.

          Zu wenig Arbeitszeitkontrolle

          Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte vor wenigen Wochen zu seltene Arbeitszeit-Kontrollen in Deutschland angeprangert. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Überprüfungen bundesweit sogar deutlich zurückgegangen. Gerade im Gastgewerbe seien Überstunden an der Tagesordnung.

          Auch die Gewerkschaft Verdi sprach sich für mehr Kontrollen aus. In der Vergangenheit seien bei Überprüfungen teils gravierende Verstöße bei Paketdienstleistern aufgedeckt worden, sagte Uwe Köpke vom zuständigen Verdi-Fachbereich.

          Betroffen seien in der Regel kleine Unternehmen mit wenigen Beschäftigten, die häufig als Subunternehmer arbeiteten. Es sei derzeit jedoch zu wenig Personal vorhanden, um flächendeckend effektive Kontrollen gewährleisten zu können.

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