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Ü-40-Ausbildung : Neubeginn in der Lebensmitte

Andrea Saladin Bild: Archiv

Auszubildende jenseits der Vierzig gibt es selten. Sie sind oft sehr motiviert und leistungsbereit - endlich wissen sie, wo sie hinwollen. Manche Arbeitgeber haben das Potential erkannt und spezielle Programme aufgelegt. Vier späte Lehrlinge berichten.

          6 Min.

          Andrea Saladin

          Aufgeben kommt nicht mehr in Frage

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          „Hoppla di hopp“ sei das gegangen: Im Sommer habe sie die Abschlussprüfung zur Bäckerei-Fachverkäuferin gemacht und nun schon eine eigene Filiale übernommen. „Ich freue mich, dass meine Bezirksleiterin mir das zugetraut hat“, sagt Andrea Saladin, 46 Jahre alt. Nach der Prüfung leitete sie zuerst zusammen mit einer Kollegin eine kleinere Niederlassung von K&U, der mit mehr als 800 Filialen größten Bäckereikette im Südwesten Deutschlands. Doch innerhalb von wenigen Wochen bekam sie dann ihre eigene, wesentlich größere Filiale. Von der spricht sie voller Stolz. Es sei eine „tolle“ Filiale, in der man auch Kaffee trinken könne. Ihre Aufgaben seien anspruchsvoll und vielfältig: „Bestellungen, Kalt- und Heißgetränke, Frühstück“, zählt sie auf.

          In ihrer Jugend hat Andrea Saladin Friseurin gelernt. Dann bekam sie drei Kinder, um die sie sich hauptberuflich kümmerte. Um ein Taschengeld zu verdienen und „nicht daheim zu versauern“, nahm sie Gelegenheitsjobs an, ging auch putzen und arbeitete in der Fabrik. Und sie jobbte in einer Bäckerei. Das gefiel ihr schon damals sehr gut. Dann zog sie aus der Pfalz nach Baden-Württemberg und nahm einen 400-Euro-Job in einer K&U-Filiale an. Dort bewährte sie sich so sehr, dass sie irgendwann einen Brief von ihrem Arbeitgeber bekam. Der wollte sie gern in sein Ausbildungsprogramm für Ältere aufnehmen.

          Doch zuvor musste Saladin noch einige Tests bestehen. „Ist man in dem Alter noch fähig, eine Ausbildung zu absolvieren, kann man logistisch denken, ist man noch geschickt genug“, umreißt sie den Inhalt der Prüfungen. Saladin bestand. Und sie versicherte sich der Unterstützung von Tochter und Mann. „Die fanden das toll.“ Dann legte sie los: „Ich konnte noch mal Gas geben auf meine alten Tage und zeigen, dass einiges in mir steckt, was vorher geschlummert hat“, sagt sie lachend.

          Sie stürzte sich ins Lernen. „Ich war viel ehrgeiziger als früher. Als junges Mädel war mir alles wichtiger als die Schule.“ Ihre Tochter habe sie bewundert. „Ich habe meinen Abschluss nicht mit Müh’ und Not gemacht, sondern mit 1,9.“ Von den jüngeren Azubis seien die älteren am Anfang bestaunt worden. „Doch dann sahen sie, wie diszipliniert, motiviert und engagiert wir waren.“ Versagensängste hatte Andrea Saladin auch. „Die Ausbildung war anstrengend, und nebenher gab es ja noch den Haushalt.“ Zudem bauten Saladin und ihr Mann auch noch ein Haus. „Manchmal konnte ich die vielen Unterlagen nicht mehr sehen“, bekennt sie. „Doch Aufgeben wäre niemals in Frage gekommen.“

          Christoph Neumann

          Zuerst Student, dann Azubi

          Irgendwann einmal hat Christoph Neumann Soziologie und Philosophie im Hauptfach und VWL und Psychologie im Nebenfach studiert. „Das war eine Herkulesaufgabe“, sagt er heute. Irgendwann wurde ihm klar, dass er mit seinem Studium beruflich auf keinen grünen Zweig kommen würde. Zudem war er schon Vater von zwei kleinen Kindern geworden, und seine damalige Frau, eine Biologin, hatte eine Stelle gefunden. „Ich war Hausmann, Vater und immatrikuliert“, erinnert sich der 47-Jährige. In der Vaterrolle fühlte er sich zwar wohl. „Doch ich hatte natürlich auch berufliche Ambitionen.“

          Christoph Neumann
          Christoph Neumann : Bild: Frank Röth / F.A.Z.

          Während des Studiums hatte Neumann ein paar Jahre in einer großen Buchhandlung in Mainz gejobbt. Um Geld zu verdienen, aber auch, weil er ein „Bücherwurm“ ist: Ihm gefiel es, beruflich mit Büchern zu tun zu haben. So entstand die Idee, eine Ausbildung zum Buchhändler zu machen. Er bewarb sich in derselben Buchhandlung - inzwischen war er 39 Jahre alt. „Mein Alter war kein Thema; der Geschäftsführer kannte mich ja.“ Neumann empfand sein Alter sogar als Vorteil: „Im Vergleich zu vielen Jüngeren tritt man anders auf und bringt mehr Soft Skills mit.“ Außerdem verfügte er als früherer Soziologie- und Philosophiestudent über eine reichere Vorbildung.

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