https://www.faz.net/-gyl-9nmwm

TU Dortmund : Diversität als Monolog und Herrschaftsinstrument

  • -Aktualisiert am

Bild: Picture-Alliance

Chronik einer Demontage: Die Rektorin der TU Dortmund schafft die Institute für Sprach- und Literaturwissenschaft mit einem Federstrich ab.

          5 Min.

          Das Institut für deutsche Sprache und Literatur der TU Dortmund hatte einen guten Ruf: Seine Studien zum Wandel der Sprache im digitalen Zeitalter oder zur Mehrsprachigkeit haben die germanistische Forschung ein gutes Stück vorangebracht. Vor einigen Jahren hatte sich das Institut zudem ein Forschungsprofil gegeben, das unter dem Titel „Differenz und Variation“ eine enge Kooperation zwischen Sprach- und Literaturwissenschaftlern vorsah. Von DFG-Gutachtern wurde dieser Verbund als Alleinstellungsmerkmal der Dortmunder Germanistik gelobt.

          Doch das Institut für deutsche Sprache und Literatur existiert seit mehreren Wochen nicht mehr. Es wurde am 4. April von der Rektorin, Ursula Gather, aufgelöst. Dasselbe Schicksal ereilte das Institut für Anglistik und Amerikanistik. Die Rektorin hatte ihre Aktion mit dem Dekan der Fakultät, Gerold Sedlmayr, abgestimmt, der als Anglist somit bei der Beseitigung seines eigenen Instituts mitwirkte. Die Internetpräsenz der Institute wurde abgeschaltet, alles, was auf die Institute verwies – Stempel, Formulare, E-Mail-Signaturen –, durfte ab sofort nicht mehr verwendet werden.

          Organisatorisch existieren beide Fächer in Dortmund nur noch als Ansammlungen von Lehrstühlen. Damit gibt es an der Fakultät Kulturwissenschaften nur noch das Institut für Journalistik, denn auch das Institut für Geschichtswissenschaft wird abgewickelt, wenn der letzte verbliebene Lehrstuhlinhaber in Kürze in den Ruhestand geht.

          Chronik einer Demontage

          Die Gründe für die Auflösung des germanistischen und des anglistischen Instituts, die das Rektorat auf Anfrage nennt, sind vage und unklar: Danach war die „Handlungsfähigkeit“ der Fakultät durch eine zu komplexe und kleinteilige Gliederung in Institute und Lehrstühle „eingeschränkt“. Das habe „viele Probleme“ verursacht und studentische Beschwerden ausgelöst. Stutzig macht allerdings, dass die Institute jahrzehntelang existiert haben, ohne dass solche „Probleme“ aufgetaucht wären. Der beruhigend gemeinte Hinweis des Rektorats, dass es keine rechtliche Notwendigkeit für die Existenz von Instituten gebe, kann die Drastik dieses Eingriffs nicht verschleiern.

          Wer bei den Dozenten und Mitarbeitern der ehemaligen Institute nachfragt, stößt auf eine Atmosphäre der Einschüchterung. Das Rektorat droht jedem mit juristischen Schritten, der sich ohne Abstimmung mit der Pressestelle äußert. Zitieren lässt sich deshalb niemand, Fragen werden nur nach der Zusicherung von Vertraulichkeit und von außerhalb der Diensträume beantwortet.

          Aussagen und Dokumente, die dieser Zeitung vorliegen, fügen sich zur Chronik einer Demontage. Ihren Anfang nimmt sie 2017, als die Literaturwissenschaftlerin Gudrun Marci-Boehncke geschäftsführende Direktorin des Instituts für deutsche Sprache und Literatur ist. Mit zwei Kolleginnen, der Literaturwissenschaftlerin Sigrid Nieberle und der Linguistin Barbara Mertins, hat sie nicht nur gemeinsame Forschungsinteressen im Bereich Diversität. Die drei Professorinnen versuchen auch, die Aufgabenbereiche und die Personalstruktur des Mittelbaus zugunsten ihrer Lehrstühle zu verändern. Das scheitert am Widerstand im Institut und am Personalrat.

          Weitere Themen

          Schottische Schrottidylle

          Krimi von Simone Buchholz : Schottische Schrottidylle

          Ein Haus am Loch als Köder: Simone Buchholz gönnt ihrer Staatsanwältin Chastity Riley einen Ausflug in die Familiengeschichte. Wird das der Abschied für immer?

          „Barry Lyndon“ (1975) Video-Seite öffnen

          Trailer : „Barry Lyndon“ (1975)

          „Barry Lyndon“, Reg. Stanley Kubrick. Mit: Ryan O’Neal, Marisa Berenson, Patrick Magee. USA/UK, 1975.

          Stille Tage in New York

          Malen in der Pandemie : Stille Tage in New York

          Ein Gespräch mit dem chinesischen Maler Liu Xiaodong über seine Bilder, die in Amerika während der Pandemie entstanden sind, über Regulierung, Freiheit und Flüchtlingslager in Mexiko.

          Topmeldungen

          Champions League gegen Super League: Wer hat die Hand am Ball?

          Gründung einer Super League : Zerreißprobe für den Fußball

          Der identitätsstiftende Verlust für den Fußball ist kaum zu ermessen. Sein globales Publikum wird eine Super League gleichwohl finden. Und ihre Ausdehnung muss nicht an den Grenzen Europas stoppen.

          K-Frage der Union : Der entspannte Herr Söder

          In einem Auftritt vor der Presse gibt sich CSU-Chef Markus Söder auffallend konziliant und bekundet „Respekt vor allen Gremien“ der CDU. Sieht so jemand aus, der fürchten müsste, dass sich die Schwesterpartei am Abend gegen ihn ausspricht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.