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TU Dortmund : Diversität als Monolog und Herrschaftsinstrument

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Von oben nach unten

Zum Bruch kommt es am 4. Juli 2018: Bei einer Institutskonferenz erklären die drei Professorinnen ihren sofortigen Austritt aus ebendiesem Institut. Zugleich verkünden sie ihre Absicht, ein „Institut für Diversitätsstudien in Kognition, Literatur, Sprache und Medien“ zu gründen, das gleichrangig neben den anderen Instituten der Fakultät stehen soll. Am selben Tag schließen sie sich zu einer Arbeitsgemeinschaft gleichen Namens zusammen, die eine Vorstufe des künftigen Instituts bilden soll.

Eine organisatorische oder wissenschaftliche Notwendigkeit für ein eigenes Institut für Diversitätsforschung gibt es nicht. Diversität, Gender und Inklusion müssen als Inhalte in der Dortmunder Germanistik nicht erst etabliert werden, Themen wie inklusiver Sprachunterricht oder inter- und transkulturelle Literatur sind dort seit langem Bestandteil von Forschung und Lehre. Auch um enger zu kooperieren, müssen die drei Professorinnen kein eigenes Institut errichten. Trotzdem können sie sich auf die Unterstützung des Rektorats berufen.

Gute Kontakte bestehen nicht nur zu Ursula Gather, sondern auch zur Prorektorin für Diversitätsmanagement, Barbara Welzel, mit der Sigrid Nieberle in universitären Veranstaltungen und Projekten zusammenarbeitet. Barbara Welzel vertritt die Ansicht, dass Veränderungen in der Universität vor allem von oben nach unten durchgesetzt werden müssen. In einem Aufsatz zum „Veränderungsmanagement“ an Universitäten macht sie als Problem aus, dass Wissenschaftler angesichts solcher Maßnahmen „zu Widerstand neigen“, zumal sie „über ein erhebliches Maß an Unabhängigkeit“ verfügen und der „Norm der akademischen Freiheit“ anhängen.

Klagen bei der Beschwerdestelle der Universität

Um ihre Ziele durchzusetzen, sollte die Hochschulleitung Netzwerke aus passenden Akteuren knüpfen, „Lenkungsgruppen“ aus neu berufenen Professoren bilden und diese Agenten des Wandels mit „Incentives“ motivieren. Die Ereignisse in Dortmund sind eine Illustration dieses Verschnitts aus System- und Managementtheorie.

Für das germanistische und das anglistische Institut beginnt das Endspiel im Januar 2019, als Sigrid Nieberle im Namen der Arbeitsgemeinschaft beim Rektorat die Errichtung des Instituts für Diversitätsstudien beantragt. Das Rektorat stimmt zu, möchte das Vorhaben aber von der Fakultät bestätigen lassen. Am 23. Januar steht die beantragte Institutsgründung auf der Tagesordnung der Sitzung des Fakultätsrats, dem zwei der AG-Professorinnen angehören. Die Mehrheit der Mitglieder begrüßt die Inhalte der geplanten Diversitätsforschung, äußert sich aber kritisch zur Gründung eines eigenen Instituts. Sie sieht angesichts des günstigen institutionellen Umfeldes keine Notwendigkeit dafür, befürchtet stattdessen eine Auflösung der Germanistik und eine Gefährdung der Deutschlehrerausbildung.

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