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Trainerlegende an der Uni : Siegen lernen von Sir Alex

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert begann der Schotte seine Arbeit als Trainer und Manager bei United und formte ein weltweit agierendes Unternehmen Bild: dpa

Harvard und Sir Alex Ferguson - zwei Institutionen finden zusammen. Manager sollen vom Meistercoach lernen, wann man den „Hairdryer“ einsetzt und wer den Ton angeben muss.

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          Der Chef war in einer schnelllebigen Branche mehr als ein Vierteljahrhundert am Ruder, und er hat in dieser Zeit ein mittelmäßiges Unternehmen in eine Weltmarke verwandelt. Was also können andere Manager von Alex Ferguson lernen? Die amerikanische Harvard Business School, eine der renommiertesten Betriebswirtschaftsfakultäten der Welt, will es herausfinden. Für Nicht-Fußballfans: Sir Alex Ferguson ist der erfolgreichste Trainer der Fußball-Geschichte. In 26 Jahren hat er mit dem englischen Erstligisten Manchester United 38 Titel geholt. Eine solche Ära gibt es im Weltfußball kein zweites Mal. Im Mai 2013 hat der von der britischen Königin zum Ritter geschlagene Trainer-Gott mit 71 Jahren seinen Abschied in Manchester genommen.

          Marcus Theurer
          (theu.), Wirtschaft

          Nun also Harvard. In gut zwei Wochen wird Ferguson seine Antrittsvorlesung in der Ivy League der amerikanischen Eliteuniversitäten halten. Der Brite sei für ein neues Führungskräfte-Unterrichtsprogramm verpflichtet worden, das sich mit dem Unterhaltungs- und Sportgeschäft befasse, hat die Harvard Business School angekündigt. Geplant sei eine langfristige Zusammenarbeit und Ferguson werde dabei Manager aus der ganzen Welt unterrichten.

          Dafür wird er weit über die Stadt hinaus bis heute gefeiert und verehrt
          Dafür wird er weit über die Stadt hinaus bis heute gefeiert und verehrt : Bild: AFP

          Das Finale von 1999 war sein Meisterstück

          Keine Frage: Ferguson ist ein Genie der Menschenführung. Der legendärste Sieg des Wundertrainers war der im Champions League Finale 1999 gegen Bayern München. Mit zwei Toren in der Nachspielzeit entriss Manchester United damals den Bayern die schon sicher geglaubte Trophäe. In der Halbzeitpause, als Manchester 0:1 zurücklag, hatte Ferguson seiner Mannschaft eingeschärft: „Wenn der Pokal übergeben wird, dann werdet ihr ihn nicht einmal anfassen dürfen, wenn ihr die Verlierer seid - ihr werdet an ihm vorbeilaufen, mit euren Verlierer-Medaillen um den Hals, und ihr werdet wissen, dass jemand anders hinter euch den Pokal hochheben wird.“ Die furiose Ansprache in der Kabine habe aus furchtsamen Männern Sieger gemacht, erinnerte sich später einer seiner Spieler.

          Der Trainer und seine Bibel: Die Biographie von Sir Alex Ferguson hat in England für gehörigen Wirbel gesorgt
          Der Trainer und seine Bibel: Die Biographie von Sir Alex Ferguson hat in England für gehörigen Wirbel gesorgt : Bild: REUTERS

          Was wird der Sohn eines schottischen Werftarbeiters nun den Anzugsträgern in Harvard beibringen? Fragmente von Fergusons Managementkunst finden sich in seiner Autobiographie, die er vergangenen Herbst veröffentlicht hat. Eine Grundregel der Ferguson-Philosophie: Die Spieler müssen gegen öffentliche Kritik unbedingt in Schutz genommen werden - auch wenn sie berechtigt ist. Loyalität zahlt sich für den Chef aus, denn die Mitarbeiter werden es ihm durch Leistung danken.

          „Vorsicht Becks, sonst gibts den Hairdryer“ - „Fergie“ redet, Mittelfeldstar David Beckham lauscht
          „Vorsicht Becks, sonst gibts den Hairdryer“ - „Fergie“ redet, Mittelfeldstar David Beckham lauscht : Bild: picture-alliance / dpa

          Der „Hairdryer“ für Beckham

          Das bedeutet aber nicht, dass es im Reich des Fußball-Maestros Ferguson keinen Druck und knallharte Ansagen gab. Nur eben intern, hinter den verschlossenen Türen der Umkleidekabine. Fergusons „Hairdryer“ - das Anbrüllen aus kurzer Distanz, das dem gemaßregelten Spieler den Haarföhn ersetzt - ist zum geflügelten Wort geworden. Der Trainer hat eine gefürchtete cholerische Ader. „Es gibt nichts schlimmeres, als einen Hairdryer von Sir Alex verpasst zu bekommen“, bekannte der Manchester-Torjäger Wayne Rooney vor anderthalb Jahren.

          Seinem wohl berühmtesten Spieler David Beckham kickte der Trainer 2003 nach einem schwachen Spiel in der Umkleidekabine sogar vor Wut einen Stollenschuh an die Stirn und fügte dem Fußballstar damit eine Platzwunde zu. „Setz dich hin“, herrschte Ferguson Beckham danach an. „Du hast deine Mannschaft hängenlassen, da kannst du jetzt reden so viel du willst.“ Die Mitspieler mussten eingreifen, um eine Prügelei zwischen den beiden zu verhindern.

          Sein Meisterstück hat er mit Manchester United mit dem Champions-League-Sieg 1999 gegen Bayern München gemacht
          Sein Meisterstück hat er mit Manchester United mit dem Champions-League-Sieg 1999 gegen Bayern München gemacht : Bild: picture-alliance / dpa

          Kurze Zeit später verkaufte Manchester United Beckham für eine Ablösesumme von 35 Millionen Euro an Real Madrid. „Ich sagte dem Verwaltungsrat: Er muss gehen“, schreibt Ferguson dazu kurz und bündig in seinem Buch. Die Beckham-Episode zeigt eine weitere Konstante des Ferguson-Managements: Niemals darf der Chef die Kontrolle aus der Hand geben. „Du darfst es nicht zulassen, dass ein Spieler in der Umkleidekabine das Sagen hat“, stellt Ferguson klar. Wie zeitgemäß solche Methoden heute noch sind - ob in der Umkleidekabine oder der Chefetage - ist eine andere Frage. Der Arbeitersohn aus Glasgow wurde in den sechziger und siebziger Jahren in einer anderen, rauheren Fußballwelt sozialisiert, und das Motivations-Genie Ferguson ist klug genug, das zu erkennen: „Die Menschen, mit denen ich heute zu tun habe, sind sehr viel zerbrechlicher als die vor 30 Jahren“, bekannte er nach seinem Rücktritt bei Manchester United. „Das ist gut so, denn sie kommen aus besseren Verhältnissen. Ich könnte es mir heute nicht mehr erlauben, so die Fassung zu verlieren wie damals“, räumte der Trainer ein.

          Wer ist hier der Boss? Na klar, es kann nur einen geben, der in der Kabine das Sagen hat.
          Wer ist hier der Boss? Na klar, es kann nur einen geben, der in der Kabine das Sagen hat. : Bild: dpa

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