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Bewerbung Traineestellen : Planen und vorbereiten

  • -Aktualisiert am

Bild: Sylvia Wolf

Viele Berufseinsteiger schätzen Traineeprogramme. Denn so kann man ein Unternehmen von Grund auf kennenlernen. Zehn Tipps, wie man sich einen der begehrten Plätze sichert.

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          Am Anfang steht eine gute Recherche.

          Viele Unternehmen haben heute ein Traineeprogramm im Angebot. Jedoch gibt es keinen übergreifenden Standard, wie ein solches aufgebaut sein muss. Jede Firma ist in der Gestaltung frei. „Ein persönlicher Kriterienkatalog kann helfen, sich klarzumachen, welche Aspekte wie etwa ein Aufenthalt im Ausland einem wichtig sind, und dementsprechend Programme auswählen“, sagt Harald Müller, Leiter Traineeprogramme bei Partner für Bildung und Beratung, dem Beratungs- und Bildungsdienstleister der Provadis-Gruppe.

          Eine erste Informationsquelle sind die Stellenanzeigen. Auf der eigenen Website präsentieren die Unternehmen zudem teilweise Videos und Berichte von Ex-Trainees. „Viel kann auch das direkte Gespräch mit Unternehmensvertretern etwa auf einer Recruitingmesse oder auf anderen Veranstaltungen an der Hochschule bringen. So kann man auch schon etwas zur Kultur im Unternehmen erfahren“, sagt Dorothee Pfeuffer, Leiterin für Personalmarketing und Recruiting bei der Commerzbank.

          Das Timing muss stimmen.

          Genauso wie es keine inhaltlichen Standards gibt, gibt es keine festen Termine, wann Traineeprogramme beginnen. „Um keine interessanten Angebote zu verpassen, sollte man sich auf den großen Jobportalen einen Alert einrichten, der regelmäßig die Listen filtert“, sagt Müller. Er empfiehlt, ein Jahr vor Studienabschluss mit der Recherche zu beginnen. Wann ein Traineeprogramm startet, liegt ganz bei dem jeweiligen Unternehmen. Manche schreiben Stellen regelmäßig für Frühjahr und Herbst aus, andere nur nach Bedarf. So kann die Bewerbungsfrist im Schnitt zwischen drei und sechs Monaten liegen. Initiativ kann man sich für Traineeprogramme nicht bewerben. „Dann weiß man ja gar nicht, um welche konkrete Stelle und welche Anforderungen es geht, und kann seine Bewerbung nicht entsprechend anfertigen“, sagt Jana von Puttkamer, verantwortlich für das Hochschulmarketing bei dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim.

          Die berufliche Ausrichtung sollte klar sein.

          Zwar heißt es oft, dass man sich mit einem Traineeeinstieg erst einmal noch Zeit zur beruflichen Orientierung sichert. „Die Unternehmen erwarten allerdings schon bei der Bewerbung, dass die Kandidaten genau wissen, ob sie später als Führungskraft oder eher als Fachspezialist arbeiten wollen“, weiß Inga Freienstein, Leiterin des C³ Cologne Career Centers, dem Karrierezentrum der Rheinischen Fachhochschule Köln. Dementsprechend sind auch die Programme ausgerichtet. „Uns ist es wichtig zu wissen, ob sich die Bewerber für das Traineeprogramm als zukünftige Führungskraft sehen, ob sie etwa ein starkes strategisches Denken mitbringen“, sagt von Puttkamer.

          Das Bewerbungsschreiben – Schlagworte meiden!

          Im Bewerbungsschreiben soll der Bewerber einen Bezug zwischen seinen eigenen Fähigkeiten und den Anforderungen aus der Stellenanzeige schaffen. „Das klingt zwar banal, ist es aber nicht“, warnt von Puttkamer. Es gehe nicht darum, einfach Schlagworte aufzuschreiben wie „teamfähig“ oder „diszipliniert“. Besser sei es, Beispiele zu bringen, die belegen, wo man die gewünschten Fähigkeiten bereits unter Beweis gestellt hat. „Viele vertun die Chance, Werbung für die eigene Person zu machen, indem sie nur ihren Lebenslauf noch einmal ausformulieren. Das sollte man vermeiden“, fügt Müller hinzu. Wichtig ist für Pfeuffer von der Commerzbank außerdem, möglichst kurz und knapp zu formulieren und zu erläutern, warum gerade dieses Angebot zu einem passt.

          Referenzen angeben.

          Neben Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnissen punkten Bewerber oft, wenn sie auch Referenzen, zum Beispiel von ehemaligen Arbeitgebern aus dem Praktikum oder eventuell auch Professoren, beilegen. „Diese Referenz sollte so individuell wie möglich formuliert sein. Profis in den Personalabteilungen erkennen sehr schnell die wenig aussagekräftigen Textbausteine“, erläutert Pfeuffer.

          Im Gespräch authentisch bleiben.

          „Wir wollen einen echten Menschen gewinnen, von dem wir wissen, wie er auch im Alltag agiert“, sagen von Puttkamer und Pfeuffer einstimmig. Beide halten gar nichts davon, wenn sich Kandidaten im Bewerbungsprozess verstellen. Es sei daher falsch, sich zu überlegen, was denn andere erwarten, wie man sich verhalten sollte. „Ich möchte den Menschen mit seinen Stärken und Schwächen kennenlernen. Und wenn es ein humorvoller Mensch ist, will ich das auch im Gespräch erleben“, beschreibt von Puttkamer.

          Das Unternehmensprofil gut kennen.

          Potentielle Arbeitgeber wollen genau wissen, warum man sich für sie, für die Branche und für das ausgeschriebene Traineeprogramm interessiert. Freienstein empfiehlt, zur Vorbereitung unbedingt auch einen Blick in den letzten Geschäftsbericht zu werfen. „Darin lässt sich in der Regel viel erfahren zur Vision des Unternehmens, zu unternehmerischen Zielen und den aktuellen Herausforderungen in der Branche.“ Wer darüber sprechen könne, mache in jedem Fall einen guten Eindruck. „Das zeigt echtes Interesse und dass man sich mit viel Mühe vorbereitet hat.“ Wichtig ist laut Müller außerdem zu verdeutlichen, dass man sich vorstellen kann, langfristig beim Unternehmen zu bleiben.

          Die Interviewsituation vorher üben und eine Frageliste anfertigen.

          Manchem Bewerber fällt es schwer, selbstbewusst über die eigenen Stärken und Schwächen zu sprechen oder kurz und knapp seine bisherigen Erfahrungen darzustellen. Darum raten Personaler und Bewerbungsexperten, eine solche Interviewsituation vorher zum Beispiel mit Studienkollegen zu üben. „Einen guten Eindruck kann es auch machen, wenn man sich schon vorher Fragen auf einem Zettel notiert und diesen mit ins Gespräch nimmt“, sagt Müller. Denn zum Ende komme häufig die Frage, ob man selbst noch Fragen habe. „Manchmal ist dann die Konzentration schon aufgebraucht.“ Darum der Zettel mit den notierten Fragen: „Den kann man dann einfach aus der Tasche ziehen und sagen: ‚Ich hatte mir im Vorfeld schon einmal ein paar Sachen notiert.‘“

          Klar kommunizieren, für was man steht.

          Ein schlechter Eindruck von einem Bewerber entsteht, wenn dieser nicht klarmachen kann, warum er sich eigentlich auf das Programm beworben hat. „Wenn deutlich wird, dass sich jemand einfach wahllos bei vielen Unternehmen bewirbt ohne klaren Fokus, fällt das in der Regel negativ auf“, sagt Freienstein. Für von Puttkamer sind Negativpunkte, wenn ein Kandidat ein besonders überhebliches Auftreten zeigt nach dem Motto: „Ich muss nichts mehr dazulernen, ich weiß bereits alles.“ Oder wenn jemand in Rollenspielen sehr autoritär agiert und keine unterschiedlichen Meinungen zulässt. „Uns ist Gedankenvielfalt sehr wichtig, denn nur zusammen kann man das beste Ergebnis erzielen“, erläutert sie.

          Nach zweiter Chance fragen, wenn es beim ersten Anlauf nicht geklappt hat.

          Wer trotz Absage sein Interesse am Unternehmen nicht verloren hat, kann versuchen, sich später noch einmal zu bewerben. Es ist durchaus möglich, in einem Jahr fehlende Kompetenzen etwa durch Kurse aufzubauen sagen auch Unternehmen. „Dazu empfehle ich immer, das persönliche Gespräch mit einem Ansprechpartner zu suchen. So kann man  erfahren, ob eine erneute Bewerbung eine Chance auf Erfolg bietet und was man beim nächsten Mal noch besser machen sollte“, sagt Freienstein. Allerdings schreiben Unternehmen nicht jedes Jahr immer die gleichen Programme aus, da Traineestellen in der Regel nur nach Bedarf angeboten werden.

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