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Informatiker gesucht : Trail and Error

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Der Vorteil der Arbeit in der Beratung: Man ist weniger als anderswo auf einen Bereich festgelegt. Sollte Reifschneider in zwei oder drei Jahren entscheiden, dass sie nicht mehr programmieren möchte, sondern ihre berufliche Zukunft in der Projektleitung sieht, ist ein Wechsel möglich – und sogar erwünscht. „Es ist üblich, dass Mitarbeiter nach zwei Jahren eine andere Rolle oder ein anderes Projekt zugeteilt bekommen, wenn sie das wünschen“, sagt Thilo Hermann, Head of Innovation bei Capgemini. Die Beratungsgesellschaft beschäftigt einen sogenannten Linienverantwortlichen, der bei Gesprächen zur beruflichen Weiterentwicklung eines Mitarbeiters immer dabei ist. „Während der Projektleiter seinen Mitarbeiter am liebsten im Projekt halten würde, achtet der Linienverantwortliche darauf, dass die persönliche Entwicklung nicht zu kurz kommt“, sagt Hermann. So soll sichergestellt werden, dass Mitarbeiter in ihrem beruflichen Leben mehrere Stationen durchlaufen, selbst wenn Projekte über Jahre oder gar Jahrzehnte laufen.

Der Kunde bestimmt

In der Beratung programmieren und entwickeln Informatiker Lösungen für verschiedene Kunden. Doch bei der Umsetzung sind sie häufig nur am Anfang dabei. Wie das Ergebnis am Ende aussehen soll, bestimmt dabei der Kunde. Ein Produkt frei nach den eigenen Vorstellungen zu entwickeln und aufzubauen ist für IT-Experten schwer. David Linner hat sich deshalb nach seiner Promotion in Informatik und einem kurzen Zwischenspiel als Selbständiger für einen Job in einem Start-up entschieden. 2012 stieg er als Technischer Leiter und erster Entwickler beim Berliner Start-up Smartlaw ein, einem Internetdienst, der individuelle und unterschriftsfertige Verträge, Vereinbarungen oder Vollmachten zum Download anbietet.

Das Geld war es nicht, das Linner lockte, denn branchenübliche oder gar überdurchschnittliche Gehälter zahlen Start-ups in der frühen Phase einer Gründung selten. „Wichtig war mir die Autonomie, die ich in meinem Job hatte. Bei Smartlaw konnte ich mich zu hundert Prozent auf das Produkt konzentrieren“, sagt er. Keine Meetings, keine Schulungen, kein „Das haben wir aber immer schon so gemacht“, gegen das er als Entwickler oft ankämpfen musste. Nur eine Idee, die technisch in die Tat umgesetzt werden musste. Bei Smartlaw war Linner der einzige Programmierer im Team. Seine Kollegen, allesamt Juristen, lieferten ihm zwar die Ideen und den Input, aber bei der technischen Umsetzung konnten sie nicht helfen. Linner fand eine Lösung.

Das liegt nun fünf Jahre zurück. Inzwischen ist Smartlaw kein Start-up mehr. Zwei Jahre nach der Gründung im Jahr 2012 kaufte ein großer Dienstleister das Start-up. Mit der Eingliederung in den Konzern ging auch ein Stück Freiheit verloren: Die Mitarbeiter müssen sich stärker untereinander und mit dem Mutterkonzern abstimmen. Meetings in all ihren Varianten gehören mittlerweile zum festen Tagesablauf. War Programmieren in den ersten beiden Jahren noch seine Hauptaufgabe, verbringt Linner heute die Hälfte des Tages mit fachfremden Dingen. Für den 32-Jährigen ist das in Ordnung: „Wir haben einen starken Partner gewonnen und damit auch mehr Sicherheit. Viele Fragestellungen können wir viel unbeschwerter angehen“, sagt er.

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