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Tilgung des Taufnamens : „Stefan Schmidt könnte sich nicht Stefan Goethe nennen“

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Sie finden ihren Namen zu gewöhnlich, fürchten Nachteile im Beruf, oder wollen mehr Eindruck machen: Um der Karriere willen ändern viele ihren Namen - nicht nur im Showgeschäft.

          5 Min.

          „Namen sind Schall und Rauch“, sagt der Volksmund. Doch hat er damit recht? Für ihre Karriere jedenfalls versprechen sich viele Menschen größere Chancen, indem sie ihren Namen ändern.

          Die Gründe für die Tilgung des Taufnamens oder die Wahl eines Pseudonyms sind dabei durchaus verschieden. „Wetten daß...?“-Erfinder Frank Elstner etwa legte seinen eigentlichen Vornamen Tim nicht deshalb ab, weil er in den sechziger Jahren zu neumodisch geklungen hätte. Schuld war vielmehr sein damaliger Moderations-Kollege bei Radio Luxemburg, der Tom hieß. Da beide meinten, „Tim und Tom“ höre sich an wie „Fix und Foxi“, nannte sich Elstner fortan Frank - interessanterweise der Vorname seines Bruders.

          Helmut Rellergerd, Autor der erfolgreichen Groschenroman-Serie „John Sinclair“, versprach sich mit seinem deutschen Namen nur wenige Leser: „Das liegt an der Tradition, die Fantasy-Schriftsteller wie Mary Shelley mit ,Frankenstein' begründet haben“, sagt der Autor. Rellergerd, der in Bergisch Gladbach wohnt, nahm deshalb das Pseudonym „Jason Dark“ an, unter dem er seit den siebziger Jahren schreibt.

          Doch nicht nur in der Unterhaltung trennt man sich zum Wohle der Karriere gelegentlich von seinem Namen. Wolfgang Bernhard, Unternehmensvorstand von VW, hieß in seiner Jugend noch Wolfgang Ayerle. Bevor der Allgäuer ein Studium in den Vereinigten Staaten begann, nahm er den Mädchennamen seiner Mutter an - weil man den Namen seines Vaters in Amerika nicht aussprechen könne. „Er dürfte wohl eher darunter gelitten haben, daß sein Name in der Kindheit ständig verballhornt wurde“, sagt die Münchener Psychologin Sabine Siegl.

          Abgekürzte Vornamen sollen gediegen und interessant wirken

          Kindliche Wortspiele mit den phonetischen Gleichlauten „Ay“(erle) und „Ei“ hätten nach Meinung Jürgen Udolphs durchaus eine sprachliche Berechtigung. „Ayerle kommt von Eierhändler", sagt der Leipziger Professor. „Das ,-le' ist ein typisch süddeutsches Kosesuffix, genauso wie die Schreibung mit ,ay' typisch süddeutsch ist. Man kennt dort ja auch den ,Meyer' mit ,ay' oder ,ai'.“

          Jürgen Udolph ist Spezialist auf dem Gebiet der Namensforschung; er unterrichtet am deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für die sogenannte „Onomastik“. Sein Hauptinteresse gilt zwar Orts- und Flußnamen, doch nebenbei erklärt er im Berliner Radiosender RB1 täglich einem Anrufer die Herkunft seines Hausnamens. Warum der Name Ayerle in Amerika ein Problem sein sollte, ist auch Udolph nicht klar. „Ich kenne Menschen mit dem sorbischen Namen Kockjoy, die in den Vereinigten Staaten wirklich leiden. Denn unter Kockjoy stellt sich ein Amerikaner jemanden vor, der mit einem männlichen Geschlechtsteil spielt.“

          Ilona Bitzer hat regelmäßig mit Menschen zu tun, deren Name im Ausland mißverstanden wird. Doch während Jürgen Udolph nur eine Diagnose stellt, kann Ilona Bitzer helfen: Sie ist Standesbeamtin in Tübingen und damit zuständig für Namensänderungen. Als Grundlage dient ihr das deutsche Namensrecht. Das erlaubt aber - anders als in anderen Ländern - nur in Ausnahmefällen die Änderung des Hausnamens. Eine dieser Ausnahmen liegt bei Familiennamen vor, die ein ß oder einen Umlaut enthalten. „Die Leute, die mit dem Wunsch zu uns kommen, das ß in ihrem Namen in ein ss umzuwandeln, arbeiten immer international. Viele klagen darüber, daß man das ß im Ausland nicht kennt und gerade in Amerika häufig als b ausspricht.“

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