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Thomas Grobitzsch : Der Wächter über das Reinheitsgebot

  • Aktualisiert am

Thomas Grobitzsch Bild: Tobias Schmitt / F.A.Z.

Thomas Grobitzsch stieß vor einem Jahr zur Deutschen Solar. Seither ist er einer Herren der Säulenfertigung.

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          Solarworld stellt seine Solarzellen aus monokristallinem und aus multikristallinem Silizium her. Ersteres ist leistungsstärker, Letzteres preisgünstiger. In Freiberg werden Siliziumbrocken bei mehr als 1400 Grad Celsius geschmolzen, um dann zu multikristallinen Siliziumblöcken zu erstarren. Daraus trennen Bandsägen Quader mit quadratischem Querschnitt heraus, die sogenannten Säulen mit einem Gesamtgewicht von fünf bis zehn Tonnen täglich. Deren Stirnseiten haben bereits das Format der späteren Wafer, 156 mal 156 Millimeter. Einer der Herren der Säulenfertigung ist Thomas Grobitzsch, der vor einem Jahr zur Deutschen Solar stieß. Zuvor arbeitete der junge Produktionsingenieur bei der Freiberger Compound Materials (FCM). Das benachbarte Unternehmen stellt Wafer aus Galliumarsenid für die Mikroelektronik her und züchtet dafür Einkristalle. Im Grunde seien die Fertigungsschritte und die Anlagen sehr ähnlich, sagt er, "nur dass dort die Wafer rund und hier eckig sind".

          Grobitzschs wichtigste Aufgabe ist es, die Qualität der Säulen sicherzustellen, aus denen später die Wafer als feine Scheiben herausgesägt werden. "Als Erstes trennen wir die verunreinigten Stellen oben und unten ab wie bei einer Mohrrübe", erklärt er dem Laien. "Der Rest ist wie bei Aschenputtel: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen." Was so einfach klingt, ist ein kompliziertes elektronisches und optisches Messverfahren, bei dem unter anderem Infrarotdurchleuchtungen zum Einsatz kommen. Das Ziel ist es, eine gleichbleibende Materialgüte zu gewährleisten, damit der Ausschuss der Wafer möglichst gering ausfällt und die Kosten wie geplant sinken. "Auch wir arbeiten Tag und Nacht an der Netzparität", sagt Grobitzsch, der in Merane geboren wurde und in Chemnitz Mikroelektronik und Automatisierungstechnik studierte. Seine Frau, die er im Studium kennenlernte, arbeitet bei Infineon in Dresden. "So ganz bin ich also von der Halbleiterei nicht weggekommen", sagt er lachend.

          Neben den technischen Herausforderungen reizt es Grobitzsch, bei der Wandlung Freibergs von der alten Bergbaustadt zum modernen Hochtechnikstandort mitzuwirken: "vom Silber zum Silizium". Was nicht bedeutet, Traditionen zu vernachlässigen: "Schon im Kindergarten singen die Kleinen das Steigerlied."

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