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Dschihadismus : Terror im Opferkleid

Darstellung einer Mudschahedin-Versammlung im Dschihad-Museum im afghanischen Herat Bild: AP

Eine Konferenz klärt über die verschiedenen Formen des Dschihad auf. Die religiöse Ideologie, die den Terror zusammenhält, kommt allerdings zu kurz.

          4 Min.

          Der militante Dschihad hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 140 000 Zivilisten in den Tod gerissen und breitet sich besonders in Afrika wie ein Flächenbrand aus. Die Dschihadisten begriffen früh, dass sich dieser Krieg auch in den Medien abspielt und bereiteten sich seit den Achtzigerjahren darauf vor. Als die Terroristen des „Islamischen Staates“ Gräuelvideos ins Netz stellten, waren viele erstaunt über deren rohe Professionalität. Ebenso wunderte man sich über die Anleihen der Islamisten bei der ihnen eigentlich verhassten westlichen Pop-Kultur. Dass Medienkompetenz und archaische Moral zu­sammengehen können, war schon vor den Tweets der Taliban bekannt.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Konferenz „Notions of Jihad Reconsidered“, veranstaltet von der Nachwuchsforschergruppe „Dschihad im Internet“ an der Universität Mainz, warf von der Ästhetik ausgehend einen weiten Blick auf das Phänomen. Der Schwerpunkt lag auf terroristischen Formen des Dschihad. Die ethnographische Sektion wi­derlegte die lange Zeit einflussreiche These des Politikwissenschaftlers Olivier Roy, es handele sich beim Dschihad um eine nihilistische Jugendrevolte oh­ne religiösen Beweggrund. Bei den von Hamza Esmili und Anja Kublitz befragten Jung-Dschihadisten, die in die Länder des „Arabischen Frühlings“ zogen, mischten sich eschatologische Motive mit der Hoffnung auf eine Renaissance der Ummah und einem Unbehagen am Konsumkapitalismus.

          Wurden hier die unterschiedlichen religiösen und sozialen Motivlagen deutlich, so versprach die abschließende Sektion die titelgebende Auffächerung des Begriffs. Es war zu erwarten, dass dort auch nichtmilitärische Aspekte zu Wort kommen würden. Dschihad kann auch moralische oder spirituelle Ertüchtigung bedeuten oder den Versuch, eine islamische Weltordnung auf gewaltlosem Weg zu errichten. Diese Chance wurde je­doch vertan. Für den britischen Soziologe Salman Sayyid stand Dschihad pauschal für vom westlichen Imperialismus unterdrückte Handlungsfähigkeit. Dar­aus war zu schließen: Schuld am dschihadistischen Terror sind nicht die Täter, sondern ein Westen, der Muslimen grund­sätzlich die schlechtesten Absichten unterstellt. Angesichts der Opferbilanz des Dschihad nicht nur in westlichen Ländern war das eine ziemliche Verharmlosung, die den expansiven Cha­rakter der islamistischen Herrschaftsideologie ausblendete ebenso wie die Tatsache, dass der Islam global betrachtet weit weniger eine unterdrückte als unterdrückende Religion ist. An der Unterscheidung zwischen legitimer Kritik an religiöser Gewalt und pauschaler Verdächtigung von Muslimen war Sayyid gar nicht erst nicht interessiert. Ganz Europa war für ihn vom Virus der Islamophobie befallen, weshalb er eine post-westliche Weltordnung dringend her­beiwünschte. Zur Islampolitik der neu­en Weltmacht China schwieg er.

          Nährboden des Terrors

          Die verbindende Ideologie des Dschihad kam so nicht in den Blick. Auch der politische Islam und dessen mächtigste Organisation, die Muslimbruderschaft, haben ja die Errichtung von Gottesstaaten unter Scharia-Recht zum Ziel. Weil sich dieser in der Regel gewaltfreie Islamismus in Europa hinter einer Fassade der Menschenrechte und des Antirassismus versteckt, ist seine Analyse schwieriger als die des militanten Dschihadismus. Besonders schwer zu erfassen ist das wechselseitige Verhältnis. Es gibt Abgrenzung und Sympathien.

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