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Unterrichtsausfall : Wie faul sind Lehrer?

Bild: dpa

Vertretungsstunden bringen das Unterrichtsgefüge durcheinander. Nach Wochenenden erregen sie besonderen Argwohn und verleiten Eltern dazu, ihre Kinder montags leichtfertig zu Hause zu lassen. Kolumne „Balance-Akt“.

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          Arbeit ist etwas Sinnstiftendes. So empfinde ich es, wenn man etwas so Feines wie Kolumnenschreiben überhaupt als Arbeit bezeichnen mag. Auf jeden Fall erfüllt mich meine Tätigkeit. Meinem Mann geht es ähnlich. Das sagen wir den Kindern auch immer. Die glauben uns allerdings kein Wort.

          Bettina Weiguny
          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Arbeit ist doch wie Schule“, sagt Hannes kopfschüttelnd. Einen tieferen Sinn kann der Siebtklässler darin nicht erkennen. Schule stört – da kann er weder kicken noch auf der Playstation virtuelle Inseln erobern. Schule nervt, vor allem die Vertretungsstunden, in denen ein kaugummikauender Student sie machen lässt, was sie wollen. Hannes und seine Kumpels langweilen sich derweil zu Tode. Dann werden sie laut. Und es gibt Ärger. „Ist aber nicht unsere Schuld“, meckert er. „Wenn die Lehrer gerne zur Arbeit gehen, warum fehlen sie so oft?“ Da hat der Bub nicht unrecht. Gerade montagmorgens, das hören wir von allen Seiten, sind die Vertretungspläne endlos lang. Ich weiß nicht, was den Lehrern am Wochenende über die Leber läuft, dass sie regelmäßig erkranken. Überhaupt scheinen die Randstunden eine Zumutung zu sein, vor allem die erste Stunde. Klar, auch wir stehen nicht gern früh auf, besonders jetzt, wo es dann noch dunkel ist.

          Freunde von uns haben darauf reagiert. Sie bestehen nicht mehr auf dem regelmäßigen Schulbesuch ihrer Grundschüler. Wenn das Wochenende heftig war, wenn wichtige Tennismatche zu gewinnen waren, die Ehre der Mannschaft im Fußballderby gerettet werden musste, dazu ein runder Geburtstag anstand, eine wilde Schnitzeljagd durch die Weinberge, dann schläft die Familie am Montag aus. Das wird den süßen Kleinen sonst nämlich zu viel. Dann haben sie eben „Bauchschmerzen“ oder Kopfweh. Warum denn nicht, fragen die Eltern. Die verpassen ja nichts. Der Lehrer fehlt doch auch, hat „Husten“ oder „Rücken“. Unser Nachwuchs möchte auch gern mal Rücken haben, daheimbleiben, kicken, zocken, chillen. Wie Tim und Tom, Lara und Lena. Wie Herr X und Frau Y. Was sagen wir nun unseren Teenagern?

          Zur Ehrenrettung der Lehrer sei erwähnt: Es sind nicht alle so. Wir kennen phantastische Lehrkräfte, die das ganz Elend ausbaden müssen. Wo der Kollege sich schont, klotzen sie doppelt rein. Auch die erkennen einen Sinn in ihrem Tun. Aber das kommt zunehmend aus der Mode. Überall. In allen Berufen. Montagmorgen trudeln sie wieder ein, die E-Mails, in denen es heißt: „Hallo Chef, ich bleib heute lieber mal daheim und kurier mich aus.“

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