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Studium : „Eine Show abziehen, ohne Klamauk zu machen“

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Der Professor rollt mit seinem Bürostuhl durch den Saal, angetrieben durch den Druck in der Gasflasche auf seinem Schoß: Die Kinder-Uni begeistert Jung und Alt und führt den Nachwuchs an die Wissenschaft heran.

          5 Min.

          Im Audimax steht ein Strohhaus, sorgfältig aufgebaut aus 36 Strohballen. Im Strohhaus sitzt Pia, die Assistentin von Professor Gerd Walter.

          Der Energietechniker will seinen Studenten vermitteln, daß sich das Stroh gut zur Wärmedämmung eignet: Während Pia die Vorlesung aus dem Haus heraus verfolgt, steigt dort die Temperatur an, die Meßwerte erscheinen auf einer Bühnenleinwand.

          Im größten Hörsaal der Technischen Universität Bergakademie Freiberg sitzen heute ihre kleinsten Studenten - über 300 Schüler im Alter zwischen acht und 14 Jahren. Sie alle wollen die dritte Kinderuniversität an der TU miterleben.

          Studentin mit Kind
          Studentin mit Kind : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Kindgerechte Vorlesungen

          „Freiberg veranstaltete vor zwei Jahren die erste Kinderuni in Sachsen“, sagt Christel-Maria Höppner, die das Projekt betreut. Mittlerweile können die Kleinen unter anderem auch im benachbarten Dresden studieren gehen.

          Sachsen ist damit keine Ausnahme: Im ganzen Bundesgebiet werben neben den regulären Universitäten auch Fachhochschulen und Technische Universitäten mit kindgerechten Vorlesungen und Experimentierangeboten für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge.

          „Einmal im Jahr organisieren wir an einem Samstag für interessierte Schüler zwei Vorlesungen“, berichtet Höppner. Jeder Teilnehmer erhält dann einen Studentenausweis, und wie an einer richtigen Uni werden Evaluationsbögen ausgeteilt, die allerdings anders heißen: „Wissen macht Spaß! Dir auch?“.

          Die Kinder mit Vorträgen fesseln

          Offensichtlich schon, die Kinder-TU kommt bei den Ministudenten an. Nach der Premiere im Herbst 2003 bewerteten über 80 Prozent der befragten Kinder das Angebot mit „sehr gut“ oder „gut“, nur 8 Prozent gaben an, im nächsten Jahr nicht wiederkommen zu wollen.

          Der Erfolg hängt vor allem von den Professoren und ihrem Vortragsstil ab. „Die Dozenten müssen in der Lage sein, die Kinder zu fesseln. Einige von ihnen haben ihre Vorlesungen an den eigenen Kindern ausprobiert.“

          Je länger Christel-Maria Höppner über die Kinderuni berichtet, desto lebhafter wird ihre Stimme. „Wir mußten alle aufstehen und gleichzeitig hochhüpfen, um ein Erdbeben zu erzeugen, dessen Stärke dann gemessen wurde“, sagt sie, als sie sich an die geophysikalische Vorlesung „Unterirdischen Geheimnissen auf der Spur“ erinnert.

          Es kracht und spritzt

          Möglichst anschaulich, möglichst spektakulär soll es sein. „In der Chemie werden Versuche gemacht, bei denen es kracht und spritzt.“

          Mit ähnlichen Mitteln bemüht sich auch die Fachhochschule Südwestfalen, die Standorte in Iserlohn, Hagen, Meschede und Soest unterhält, um ihre Ministudenten. „Man muß eine Show abziehen, ohne Klamauk zu machen“, sagt Ulrich Ackermann, „aber nicht länger als eine halbe Stunde, sonst werden die Kinder unruhig.“

          Der Maschinenbauprofessor sieht im Umgang mit den Schülern eine Herausforderung: „Man steht in der Wissenschaft und kann englische Vorträge halten, aber den Kindern etwas zu erzählen ist schwer.“ Ackermann beschäftigt sich in der Lehre mit Lärmmeßtechnik.

          Schmerzgrenze von 120 Dezibel

          Seine jüngsten Hörer forderte er bewußt zum akustischen Tumult auf: Mit einem Schallpegelmesser hat Ackermann Kindergeschrei aus über 500 Kehlen aufgezeichnet. „Die Schmerzgrenze von 120 Dezibel wurde nur knapp unterschritten“, sagt er und lacht, „den Kleinen hat das aber Spaß gemacht.“

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