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Studium : „Eine Show abziehen, ohne Klamauk zu machen“

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Die Fachhochschulen und Technischen Universitäten verfolgen jedoch neben der kurzfristigen Kinderbelustigung auch eigene, langfristige Ziele. Sie wollen sich in der Öffentlichkeit präsentieren und sich frühzeitig um akademischen Nachwuchs bemühen - vorzugsweise in der eigenen Region und mit technisch-naturwissenschaftlichen Schnupperstunden.

Ein Grund: In den neunziger Jahren seien die Einschreibungen stark zurückgegangen, berichtet Ackermann. Traditionell stammen viele Studierende der Fachhochschule Südwestfalen aus der Nähe; Ackermann spricht von einer regionalen Orientierung der FH. „Wir arbeiten zum Beispiel bei Diplomarbeiten mit der regionalen Industrie zusammen.“

Die sogenannte Kinderuni

Um neue Studenten zu bewerben, müsse man ihnen neue Anreize bieten. Neben speziellen Studienangeboten wie Bio- und Nanotechnologien gehöre dazu auch die sogenannte Kinderuni. Universität?

„Kinder-FH hört sich nicht so toll an“, sagt Birgit Geile-Hänßel, Pressesprecherin der Fachhochschule, und erklärt damit, warum man sich bei den Kleinsten mit dem Etikett einer Uni vorstellt. Auch andere Fachhochschulen sehen in dieser Bezeichnung kein Problem.

„Das ist uns nie negativ aufgefallen, wir wollen auch nicht mutwillig den Titel Universität vereinnahmen“, sagt Klaus Lang, Vizepräsident der Fachhochschule Bingen, und erwähnt gleichzeitig die englische Übersetzung für Fachhochschulen: University of Applied Sciences.

„Die Eltern sind Multiplikatoren“

Zielgruppe der Kinderunis sind aber nicht nur die jungen Studenten, denn daß ein Achtjähriger heute schon weiß, welches Studium er in über zehn Jahren aufnimmt, wird an den Hochschulen weder erwartet noch behauptet.

„Die Eltern sind Multiplikatoren“, sagt Geile-Hänßel, „vielleicht haben die Kinder auch ältere Geschwister, die näher am Studienbeginn sind.“ Oft melden sich Eltern, weil sich ihr Kind für Technik begeistert und mehr wissen will. In diesem Jahr lernen die Schüler, warum ein Fenster durchsichtig ist und ein fahrendes Fahrrad nicht umfällt.

In Braunschweig ist die Kinderuni ebenso eine Familienangelegenheit. Während im Audimax der Technischen Universität 850 Ministudenten erfahren, was hinter der Klospülung passiert oder warum die Stimme ein Wunderwerk ist, können sich Eltern und Großeltern die Veranstaltung per Videoübertragung ansehen.

Experimentiertage in Wolfsburg

„Die Kinder sollen mit ihren Familien über das Erlebnis reden können“, sagt Elisabeth Hoffmann, die das Projekt betreut. Das Interesse sei auch bei den Älteren groß. „Manche Erwachsene leihen sich in ihrer Nachbarschaft Kinder aus, um mit zur Kinderuni zu dürfen.“

Wenn ein Professor mit seinem Bürostuhl durch den Saal rollt und dabei durch den Druck in der Gasflasche auf seinem Schoß angetrieben wird, staunen eben auch die Großen.

In diesem Winter soll das Angebot der Kinderuni noch anschaulicher werden. Im Wissenschaftszentrum Phaeno in Wolfsburg finden sogenannte Experimentiertage statt, in denen die Schüler durch eigene Versuche noch näher an Naturwissenschaft und Technik herangeführt werden sollen.

Hemmschwelle vor der Technik

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