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Studierte Altenpfleger und Krankenschwestern : Wenn die Pflege zur Wissenschaft wird

  • -Aktualisiert am

Bild: dapd

Wenige Altenpfleger und Krankenschwestern büffeln an der Hochschule. Fachleute erwarten aber, dass sich das bald ändern wird. Denn gutes Personal ist jetzt schon knapp.

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          Ein Teil von ihnen hat den weißen Kittel abgelegt. Statt Patientenakten, Behandlungsplänen und Medikamentendosen ordnen sie Modullisten und Creditpoints. Sie belegen Fächer wie „Pflegetheorie und Pflegeprozess“, schreiben Hausarbeiten über die Beratung von Patienten und lernen, wie das Ideal ihrer Arbeit in der Praxis aussehen könnte. Doch noch sind sie selten: Geschätzte 2000 Studenten schließen jährlich in Deutschland ein Studium der Pflege ab. An der einen Million Menschen, die als Kranken- und Altenpfleger tätig sind, haben sie einen Anteil von nur 0,2 Prozent.

          Doch sie gelten als wichtig, weil sie eine längst überfällige Veränderung in der Pflegebranche vorantreiben. „Seit den sechziger Jahren hat die Komplexität der zu bewältigenden Aufgaben im Berufsalltag stark zugenommen“, erklärt Margarete Reinhart, die den Studiengang Pflegemanagement an der Evangelischen Hochschule Berlin koordiniert. „Und durch gestiegene Anforderungen hat als Konsequenz auch die Qualität der Ausbildung zugenommen.“ Im internationalen Vergleich ist Deutschland ein später Nachzügler. Während man die Pflegekunst in den Vereinigten Staaten schon seit 1910 studieren kann, gilt dies für deutsche Hochschulen erst seit 1989. Und auch heute noch werden Interessierte hierzulande klassischerweise in Fachschulen ausgebildet. Als Wissenschaft wurde und wird die Pflege eher selten gesehen.

          Die dann in den neunziger Jahren schließlich eingerichteten Studiengänge befähigten die Studierenden in den meisten Fällen jedoch nicht zur Berufsausübung; sie erwarben nur einen Hochschulabschluss. 2003 wurde daher im Kranken- und Bundesaltenpflegegesetz eine Modellklausel eingeführt: Hochschulen konnten nun probeweise Studiengänge anbieten, und wenn das Studienziel dem Ausbildungsziel entsprach, konnten die Studenten auch ohne den Besuch einer Fachschule als ausgebildete Pflegekräfte arbeiten. Viele Hochschulen begannen daher, mit schulischen Ausbildungsstätten zusammenzuarbeiten.

          „Bachelor of Arts Pflege“

          Auch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg etablierte 2006 einen so aufgebauten Studiengang. Eine der ersten Absolventinnen dieses dualen Studiengangs war Nadine Rosenfeld. Studieren hieß für die heute 25-Jährige blockweise im Krankenhaus auf verschiedenen Stationen zu arbeiten und anschließend wieder die Hochschulbank zu drücken. Nach acht Semestern war sie dann beides: studierte „Bachelor of Arts Pflege“ und ausgebildete „Gesundheits- und Krankenpflegekraft“.

          Rosenfelds Studium drehte sich vor allem um die Patientenversorgung. In den meisten Pflegestudiengängen liegt der Schwerpunkt jedoch auf Pflegemanagement und Pflegepädagogik. Angebote, bei denen man nur einen Hochschulabschluss erwirbt, gibt es immer seltener, denn auch für studierte Pflegekräfte ist die praktische Tätigkeit zentral. Das Ziel der Akademisierung der Pflege ist deshalb nicht, die praktische Ausbildung in den Fachschulen zu ersetzen, sondern sie um die wissenschaftliche Betrachtung zu ergänzen.

          Im Arbeitsalltag ist das freilich noch nicht richtig angekommen. „Viele Einrichtungen haben noch keine eigenen Stellen für studierte Fachkräfte geschaffen. Auf der anderen Seite wissen die Studenten oft nicht so richtig, welche speziellen Aufgaben sie betreuen sollen“, sagt Theresia Elsäßer, die im Universitätsklinikum Mannheim den Pflegedienst leitet. Nadine Rosenfeld hofft, dass Stellen geschaffen werden, die sich mit neuen Forschungsergebnissen von Pflegemaßnahmen beschäftigen: „Wenn Wissenschaft und Praxis mehr zusammenrücken würden, könnte man mit Sicherheit auch einiges verändern“, glaubt sie.

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