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Studieren in Sierra Leone : Wenig Platz für Bildung

  • -Aktualisiert am

Mariama Precious Gallant Bild: privat

In Sierra Leone studieren nur ein Prozent aller Frauen. Wie zwei von ihnen es bis zum Master geschafft haben.

          3 Min.

          Als Mariama Precious Gallant zehn Jahre alt war, starb ihr Vater, ein Jahr später ihre Mutter. Damit sie weiterhin zur Schule gehen konnte, nahm sie jeden Job an, den sie kriegen konnte. „Frittierte Hühnchen, frittierte Hühnchen.“ Für einen Hungerlohn lief Gallant durch die Straßen von Bo, die drittgrößte Stadt in Sierra Leone, und bot Essen an. Dann verkaufte sie Seifen, auch mit selbst gemachten Schuhen versuchte sie Geld zu verdienen. „Es gibt Frauen da draußen, die machen genau dasselbe und noch viel mehr, nur um zu überleben“, sagt Gallant. „Du wachst jeden Morgen auf und denkst darüber nach, was du essen und anziehen kannst.“ Die meisten von Gallants Freundinnen haben die Schule abgebrochen.

          Sierra Leone in Westafrika ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Index für menschliche Entwicklung rangiert Sierra Leone auf Platz 182 von 189. Nicht mal die Hälfte der über 15-Jährigen können lesen und schreiben. Das ist eine der niedrigsten Alphabetisierungsraten weltweit. Nur ein Prozent der Frauen im Land haben Zugang zu einer Ausbildung oder Universität. Die restlichen 99 Prozent heiraten meist früh, oft sind sie noch Mädchen, und bekommen jung Kinder – auch als eine Art Familienabsicherung. Politische Konflikte verhindern eine langfristige Entwicklung. Auch die Ebola-Epidemie in den Jahren 2014 bis 2016 ist eine Folge der instabilen Verhältnisse gewesen. Sie brachte viele Waisenkinder hervor, die kaum eine Chance auf Bildung haben.

          Gallant gehört zu den Ausnahmen. Ihr Pastor hat ihr ein Stipendium verschafft, mit dem sie trotz allem die Schule abschließen konnte. Jetzt studiert sie Massenkommunikation in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone.Ohne Nebenjob ging es trotzdem nicht. „Die meisten Menschen hier sind arm, und es gibt kaum finanzielle Möglichkeiten, uns durch die Schulzeit zu bringen“, sagt die 20-Jährige. Da in den oft großen Familien nicht alle Kinder finanziert werden können, haben die männlichen Nachkommen Vorrang. Die einzige Möglichkeit, trotzdem eine Schule zu besuchen, ist, selbst Geld zu verdienen. Gleichzeitig ist es für Frauen besonders schwierig, einen Job zu finden. „Viele Chefs fragen, ob du mit ihnen schläfst, bevor sie dich einstellen“, sagt Gallant. „In Sierra Leone eine Frau zu sein ist wirklich hart.“ Zu den finanziellen Hürden kommt die weit verbreitete Einstellung, dass nur Männer Zugang zu Bildung haben sollten, während die Frauen sich um den Haushalt und die Kinder kümmern. Zwar steht die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Verfassung, aber sie deckt sich nicht mit der Realität in den Dörfern.

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