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Gemeinsames Lernen: Auch in der Bibliothek der KAUST tummeln sich Studierende. Hier sind sowohl Männer als auch Frauen zugelassen. Bild: Getty

Saudi-Arabien : Studieren in der Vorzeigeblase

  • -Aktualisiert am

Saudi-Arabien lockt ausländische Studierende mit hohen Stipendien und einer liberalen Luxus-Universität. Doch außerhalb des Campus gelten andere Regeln.

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          Die saudische Vorzeigeuniversität verbirgt sich hinter dicken Betonwänden am Rande des Fischerorts Thuwal. An den Mauern sind Schilder angebracht: „Fotografieren verboten“. Wer den Campus besuchen will, muss eine Sicherheitsschranke passieren, vorbei an bewaffneten Wächtern. Hereingelassen werden ausschließlich das Personal, Studierende und geladene Gäste der König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie (KAUST). Sie betreten einen Campus, der so groß ist wie die Insel Borkum. Ein eigenes Schutzgebiet im Roten Meer zählt zur KAUST, ebenso wie elf Forschungszentren und einer der leistungsstärksten Supercomputer der Welt.

          Als die Universität im Jahr 2009 eröffnete, blickte das gesamte Königreich nach Thuwal. Die milliardenschwere Ausstattung hatte damit nichts zu tun. Vielmehr war es eine Premiere gesellschaftlicher Natur: Der Campus in Thuwal war der erste im ultrakonservativen Saudi-Arabien, an dem Frauen und Männer gemeinsam studieren konnten. „Diese Universität wird ein ‚Haus der Weisheit‘ für Wissenschaftler aus der ganzen Welt sein“, verkündete der Stifter und Namensgeber König Abdullah in seiner Eröffnungsrede, „ein Leuchtfeuer der Toleranz.“

          Heute leben rund 1000 Studierende aus mehr als 60 Ländern auf dem Campus der KAUST. Eine davon ist Livia Hott von der Universität Bremen. Für ein Praxissemester ist sie im November 2021 nach Saudi-Arabien gezogen. Seitdem sammelt die 30-Jährige im Roten Meer Daten für ihre Masterarbeit, Thema: Korallen und ihr Zusammenleben mit Mikroben. Warum sie sich für Saudi-Arabien entschieden hat? Aus fachlicher Sicht lag der Schritt nahe, erklärt Hott. Für die Korallenforschung ist das Rote Meer ideal; Hotts Heimatuniversität in Bremen arbeitet seit Jahren mit der KAUST zusammen. Zumal ihre Optionen während der Corona-Pandemie ohnehin begrenzt waren.

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