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Doktoranden-Studie : Ein überraschend positives Bild

  • -Aktualisiert am

Den Doktoranden geht es besser als gedacht Bild: dpa

Über die Situation der Doktoranden wusste man bislang wenig. Meistens wird über schlechte Bedingungen geklagt. Eine Studie zeichnet jetzt ein überraschend positives Bild.

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          Der Ruf der Doktoranden an den deutschen Universitäten ist schlecht. Es gebe zu viele von ihnen, heißt es, die Hochschulen könnten ihnen keine ausreichenden Karrierewege bieten, entsprechend prekär sei ihre Lage. Ihre Betreuung sei im internationalen Vergleich miserabel, die wissenschaftlichen Erträge ihrer Arbeit zweifelhaft, und der angestrebte Titel habe ohnehin längst an Reputation verloren. Dass angeblich fast die Hälfte der Doktoranden ihr Promotionsprojekt abbricht, scheint da geradezu ein Grund zur Erleichterung zu sein. Kaum zu glauben, dass sich unter diesen Umständen überhaupt noch jemand auf das Abenteuer der Promotion einlässt.

          Unglaublich ist aber eigentlich, wie wenig man bisher wirklich von den Doktoranden weiß. Es gibt einzelne Studien und die aggregierten Daten des Statistischen Bundesamtes, die wiederum die Grundlage des „Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs“ sind. Repräsentative Befunde einer direkten Befragung lagen dagegen bisher noch nicht vor. Mit den Ergebnissen der Doktorandenstudie Nacaps (National Academics Panel Study) ändert sich diese Situation jetzt. Die vom Bundeswissenschaftsministerium geförderte Längsschnittstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) untersucht seit 2017 mit Hilfe jährlich stattfindender Online-Befragungen die Promotionsbedingungen, Karriereabsichten und Karriereverläufe sowie die allgemeinen Lebensbedingungen der Doktoranden. Mehr als zwanzigtausend Doktoranden haben bisher an der Studie teilgenommen. Ihre Antworten lassen vom gewohnten Bild des deutschen Mittelbaus nicht viel übrig.

          Zunächst bestätigt die Studie die wesentlichen Bedingungen, unter denen heute an den Universitäten promoviert wird: Achtzig Prozent der Doktoranden sind an einer Hochschule beschäftigt, zwanzig Prozent außerhalb. 97 Prozent der universitären Doktoranden haben befristete Verträge, außerhalb der Universitäten betrifft die Befristung dagegen nur 44 Prozent. Das gilt auch im Wesentlichen für alle Fächer, für Männer wie Frauen, ja selbst noch für Angehörige des Mittelbaus mit Kindern. Überhaupt scheinen sozialstrukturelle Unterschiede unter den Doktoranden wie Migrationshintergrund oder Bildungsherkunft keine große Rolle in der Selbsteinschätzung zu spielen. Nacaps zeigt ein ziemlich homogenes Bild des akademischen Mittelbaus.

          Überraschender Enthusiasmus

          Aber gerade diese Selbstauskünfte bieten Überraschungen. Etwa das Betreuungsverhältnis: Fast die Hälfte der Befragten gibt an, seinen Betreuer mehrmals im Semester zu treffen, ein Viertel sogar sieht ihn einmal oder mehrmals pro Woche. Über zwei Drittel der Doktoranden äußern hohe persönliche Zufriedenheit mit der Betreuung. Zumindest fachlich. Sechzig Prozent geben allerdings an, mit der Karrierebezogenheit der Betreuung nur wenig zufrieden zu sein. Insgesamt verraten die Teilnehmer dieser Studie viel über die persönliche Erfüllung, die ihre Arbeit ihnen gibt: die Motivation zur Promotion? Wird durchgängig als sehr hoch beschrieben. Die Spannung des Forschens, der Spaß daran, die hohe persönliche Bedeutung, die Berufschancen, die Wichtigkeit dieser Qualifikation für die spätere Karriere, überall ernten die entsprechenden Antworten in der Studie hohe Zustimmungsraten. Der Punkt „ich habe keine Motivation zur Fortführung“ bekam mit 86 Prozent die deutlichste Ablehnung. Mehr als sechzig Prozent geben darum an, niemals oder nur selten über einen Abbruch nachzudenken.

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