https://www.faz.net/-gyl-9xbym

Doktoranden-Studie : Ein überraschend positives Bild

  • -Aktualisiert am

So viel Enthusiasmus überrascht. Der letzte Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs von 2017 klang da noch ganz anders: Verlässliche Informationen zur Erfolgs- beziehungsweise Abbruchquote von Promotionen seien kaum vorhanden, heißt es dort. Der Bericht schätzte die Erfolgsquote dennoch auf magere 57 bis 67 Prozent und bezog sich dabei auf Daten des DZHW-Absolventenpanels von 2013. Zwischen 33 und 43 Prozent der begonnenen Promotionen führten also zu keinem Erfolg, wobei die Abbruchquoten zwischen den Disziplinen stark variierten und in den Naturwissenschaften mit sechs Prozent am geringsten seien.

Die Befunde der Nacaps-Studie passen dazu nicht. Die Zuversicht der übergroßen Mehrzahl ihrer Teilnehmer müsste eine herbe Enttäuschung erleben, um zu solchen Abbruchquoten zu führen. Der Bundesbericht jedenfalls erwartete von zukünftigen Erhebungen genauere Erkenntnisse über die Kriterien, die zu Erfolg oder Abbruch führen. Die Nacaps-Studie legt nahe, dass hinter Abbrucherwägungen meistens zu hohe Arbeitsbelastung durch die berufliche Tätigkeit und Probleme bei der Betreuung stünden, nicht jedoch wissenschaftliche Schwierigkeiten im engeren Sinne.

Nur ein Drittel strebt auf die Professur

Insgesamt zeigt die Nacaps-Studie einen widersprüchlichen Befund: Die Doktoranden ziehen aus dieser Phase ihrer beruflichen Qualifikation ein großes Maß an persönlichem Gewinn, aber zum Verbleib in der akademischen Forschung scheint er sie nicht motivieren zu können. Denn bei der Frage, wo die Doktoranden nach dem Abschluss ihrer Dissertation arbeiten wollen, schneiden die Hochschulen schlecht ab. Nur 22 Prozent geben an, nach dem Doktor eine akademische Laufbahn anzustreben. Der größte Teil will in die Privatwirtschaft, in die außeruniversitäre Forschung oder in den allgemeinen öffentlichen Dienst. Damit bestätigt die Studie bisherige Untersuchungen, nach denen zwischen sechzig und achtzig Prozent des wissenschaftlichen Nachwuchses die akademische Forschung und Lehre verlassen wollen.

Nun werden wahrscheinlich all diejenigen, die selbst auf akademischen Stellen sitzen, erleichtert aufatmen und die Nacaps-Studie dafür loben, dass ihre Befunde die ewigen Klagen über die Lage des Mittelbaus zum Verstummen bringen sollten. Andererseits verraten die Zahlen nicht, ob die fertigen Doktoren die Universitäten verlassen wollen, gerade weil die Arbeitsbedingungen und Karriereaussichten dort so schlecht oder weil sie draußen so viel besser sind.

Aufschlussreich ist deshalb die Antwort auf die Frage, welche Karriereziele denn jene Doktoranden verfolgen, die tatsächlich an den Hochschulen bleiben wollen. Der Bundesbericht verweist ja immer wieder erleichtert darauf, dass die Abwanderung der Promovierten nach erfolgreichem Abschluss insbesondere auch die Nachfrage nach einer Professur entlaste. Nach der Nacaps-Studie strebt tatsächlich nur ein Drittel der Promovierenden, die überhaupt im Wissenschaftssystem bleiben wollen, eine Professur an.

Weitere Themen

Topmeldungen

Israelische Polizisten bei einer Demonstration am 12. Mai in Lod

Ausschreitungen in Israel : „Es geht ihnen nicht um Koexistenz“

Nach den Unruhen in Jerusalem ist die Gewalt in vielen gemischten Orten in Israel eskaliert. Besonders schlimm war es in Lod, einer Achtzigtausend-Einwohner-Stadt, in der jeder Dritte einen arabischen Hintergrund hat.
Streitobjekt in der Klimadebatte: Lufthansa-Flugzeug landet in Frankfurt.

Klimadebatte : Der Zug ist im Inland günstiger als der Flug

Keine Inlandsflüge und keine Billigtickets mehr – mit diesen Forderungen wird Fliegen zum Wahlkampfthema. Dabei gibt es innerdeutsch schon jetzt fast keine Schnäppchen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.