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Schärfere Rechtsprechung : Student wegen Plagiaten exmatrikuliert

  • -Aktualisiert am

Bei einer Wiederholung von Plagiaten im Studium gibt es kein Schlupfloch. Bild: Picture-Alliance

Die Rechtsprechung zu wiederholten Täuschungen wird strenger: Wer im Bachelor abschreibt, hat im Master keinen Fehltritt frei.

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          Es klingt wie eine Warnung, nun ist ihre Wirksamkeit auch gerichtlich bestätigt: Der Satz „Im Wiederholungsfall endgültig nicht bestanden“ kündigt die Exmatrikulation bei einer Doppeltäuschung an. Das musste nun ein Lehramtsstudent aus Berlin erfahren. Er wurde zunächst im Bachelorstudium und dann im Master beim Plagiieren erwischt. Sein Argument, eine Wiederholung liege nicht vor, da dies zwei verschiedene Studiengänge seien, ging fehl. Das Verwaltungsgericht Berlin entschied nun sinngemäß, dass die „gelbe Karte“ bereits aufgebraucht war, der Student eine Arbeit im Master nicht wiederholen durfte. Er ist nun exmatrikuliert (VG Berlin 12 K 237.18 = openJur 2021, 5503).

          Der Student war an einem lehramtsbezogenen Masterstudiengang an der Technischen Universität Berlin eingeschrieben. Neben „Arbeitslehre“ belegte er als Zweitfach „Philosophie/Ethik“. Während des Bachelorstudiums wurde eine Hausarbeit mit mangelhaft (5,0) bewertet, da der Student Inhalte aus einer im Internet veröffentlichten Hausarbeit übernommen hatte, ohne dies zu kennzeichnen. Der Student räumte den Vorwurf ein und wurde auf die möglichen Konsequenzen einer abermaligen Täuschung hingewiesen. Dies entsprach einer „gelben Karte“.

          Drei Jahre später täuschte der Student im Masterstudium abermals. Seine Hausarbeit enthielt eine eidesstattliche Erklärung, in der er versicherte, dass er „die vorliegende Arbeit selbständig und ohne fremde Hilfe angefertigt und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel und Quellen verwendet habe“. Vorlage war abermals eine im Internet käuflich zu erwerbende Studienarbeit, die weder in den Fußnoten noch im Quellenverzeichnis zitiert wurde. Der Student sprach von einem Zufall. Doch die Übereinstimmungen in Gedankenführung und Wortlaut waren – trotz zahlreicher Umformulierungen – frappierend.

          Aus diesem Grund bestand der Student ein Pflichtmodul seines Studienganges nicht („rote Karte“), was auch den Abschluss in „Philosophie/Ethik“ insgesamt verhinderte. Die Hochschule durfte die Wiederholung dabei auch über den Bachelor hinweg annehmen, befindet das Gericht: „Gerade das Lehramtsstudium belegt, dass trotz der organisatorisch-inhaltlichen Aufteilung des Studienverlaufs weiterhin eine einheitlich zu betrachtende wissenschaftliche Gesamtqualifikation angestrebt wird, die für die Zwecke der Täuschungsregelung als Ganzes in den Blick zu nehmen ist“ und weiter: „Der konsekutive Masterstudiengang dient unmittelbar der Vertiefung der Studieninhalte aus dem vorherigen Bachelorstudium.“

          Der Student kann nun nicht mehr Philosophielehrer werden. Nach Auffassung des Gerichts habe der Student belegt, „dass er wissenschaftliche Standards missachtet und nicht zu eigenständigem wissenschaftlich Arbeiten – als zentralem Ziel eines Studiums – in der Lage ist.“

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