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Alles ganz easy! Oder? : Stress im Studium: Tricks gegen den Leistungsdruck

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Ein Semester lang versuchte sie es weiter, belegte weiterhin Seminare, auch weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Immerhin hatten ihre Eltern schon Tausende von Euro an Studiengebühren gezahlt. „Ich fühlte mich frustriert und hatte zu nichts mehr Lust“, erzählt Allicia. Ihr Freund bestärkte sie darin, sich neu zu orientieren. Die Eltern waren sauer und enttäuscht. Trotzdem ist Allicia für diese Krise dankbar. „Im Grunde sind Selbstzweifel etwas Positives“, weiß sie heute. „Ohne sie hätte ich nie gemerkt, dass Lehrerin der falsche Beruf für mich ist.“ Heute macht die Hobbyreiterin eine Lehre zur Veranstaltungskauffrau bei einer Agentur für internationale Reitturniere – und ist damit ziemlich glücklich.

Neigen Frauen eigentlich eher dazu, an sich zu zweifeln? Der Psychologe Wilfried Schumann meint, sie würden sich zumindest eher zu ihren Selbstzweifeln bekennen. „Männer versuchen häufiger, Zweifel zu vertuschen oder durch eine übertrieben selbstsichere Fassade zu kompensieren“, sagt er. Auf seine Gefühle zu hören, kann aber ein Vorteil sein – auch für die spätere Laufbahn. Denn wer Zweifel ignoriert, kann zwar durchaus das Examen schaffen – landet dafür später aber womöglich im Burn-out oder stellt mit 30 oder 40 fest, dass er seinen Job eigentlich hasst.

Karriere-Coach Angelika Gulder („Finde den Job, der dich glücklich macht“, Campus Verlag, 212 Seiten, 19,99 Euro) berät Männer und Frauen, die nie auf ihre innere Stimme gehört haben. Sondern auf Glaubenssätze, die fast jeder in der Kindheit lernt. Sätze wie „Was man angefangen hat, bringt man auch zu Ende“ oder „Jetzt reiß dich mal zusammen“. In ihren Workshops will sie ihren Klienten beibringen, sich von solchen Prägungen zu befreien und wieder „groß und wild zu denken“, damit sie herausfinden, welches Leben sie eigentlich führen wollen. Dafür lässt sie sie Begriffe wie „Arbeit“ oder „Studium“ auf Zettel schreiben und dann per Brainstorming zu Sätzen vervollständigen. „Meist fallen einem hundert Sätze ein, und irgendwann spürt man, welche es sind, die einen beeinflussen. Dann arbeiten wir daran, diese infrage zu stellen“, erklärt sie.

Tricks gegen den Stress

Neben Berufsanfängern besuchen auch Studenten Angelika Gulders Seminare. Zwar stellt sie fest, dass heute immer mehr junge Leute ihren Beruf mit dem Kopf statt mit dem Herzen auswählen. Doch nicht immer sei das falsche Fach der Grund für Selbstzweifel. Diese seien oftmals einfach ein Ausdruck von Erschöpfung. „Studieren ist definitiv anstrengender geworden“, sagt die Beraterin. „Das liegt nicht unbedingt am Stoff, sondern eher daran, dass die Lebensumstände der Studenten heute stressiger sind als früher. Zum Beispiel stehen sie heute permanent unter dem Druck, in sozialen Netzwerken präsent zu sein.“ Umso wichtiger sei es, das Handy auch mal auszuschalten und sich den Lernstoff in Etappen einzuteilen statt ihn aufzuschieben und sich für alles Erreichte zu belohnen – egal ob mit einem Kinobesuch oder einem Wochenende am Meer, „von mir aus auch mit einem Computerspiel“.

Melanie Krämer hat inzwischen gelernt, großzügiger zu sich selbst zu sein. Ein normaler Uni-Tag dauert bei ihr zwar in der Regel immer noch von neun bis zwanzig Uhr. Aber donnerstags gönnt sie sich ein gemütliches spätes Frühstück. Sie lernt nicht mehr bis Mitternacht. Neulich sagte eine Freundin, die noch die Nacht durchpauken wollte: „Ich hab mir gerade schön anderthalb Koffeintabletten eingeworfen – willst du auch eine?“ Melanie lehnte ab. „Wenn ich merke, ich schaffe das nicht, dann kann ich eben nichts mehr leisten“, sagt sie. Sport hilft ihr, wenn die Versagensängste zurückkommen. Manchmal setzt sich Melanie auch statt in die Bibliothek in die Kapelle ihrer Kirche, „weil ich da alles, was mich bedrückt, loswerden kann“, sagt sie. „Danach bin ich viel positiver. Dann kann ich wieder sehen, dass ich schon eine ganze Menge geschafft habe.“

„Keine Pille macht Sie zum Super-Brain“

Professor Klaus Lieb, 49, leitet die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. 2010 erregte sein Buch „Hirndoping“ Aufsehen, das sich kritisch mit Medikamentenmissbrauch zur geistigen Leistungssteigerung auseinandersetzt (Artemis & Winkler, 176 Seiten, 16,90 Euro). In einer aktuellen Studie befragten der Mediziner und sein Team Studenten zu diesem Thema. Das Ergebnis: Jeder Fünfte hatte in den vergangenen zwölf Monaten schon einmal eine Pille wie Ritalin eingenommen, um besser lernen zu können.

Wer Sport, Jura oder Wirtschaft studiert, dopt laut Ihrer Studie eher als ein Sprach- oder Lehramtsstudent. Warum?

Bei den Sportwissenschaftlern liegt der Dopinggedanke einfach näher als bei anderen. Und dann gibt es Fächer, in denen die Prüfungszeit besonders hart ist, weil Sie ein enormes Fachwissen brauchen, Jura zum Beispiel.

Sie haben in den 80ern Medizin studiert. Hatten Sie Selbstzweifel?

Klar, vor allem in den ersten Semestern. Das war schrecklich, ich wollte schon alles hinwerfen und auf Philosophie umsteigen. Aber dann rieten mir Freunde und Familie: Lauf nicht weg, wenn’s schwierig wird!

Da liegt der Gedanke nah, Pillen zu nehmen, um durchzupowern.

Ich will damit nur sagen: Selbstzweifel bedeuten nicht, dass man unfähig ist. Ich bin sogar sehr dafür, die eigenen Grenzen anzuerkennen. Einer meiner Professoren sagte mir mal: „Sie müssen sich Zeiten der Ruhe und Muße gönnen. Sonst entwickeln Sie keine Kreativität.“ Wer dauerhaft erfolgreich sein möchte, sollte gerade keine Neuro-Enhancer nehmen: Von den Nebenwirkungen abgesehen, glaube ich, dass die starke Fokussierung durch Pillen die Fähigkeit des Gehirnes, Lösungen für Probleme zu entwickeln, eher verschlechtern kann. Schlafprobleme, die mit der Einnahme einhergehen, senken die Gedächtnisleistung wahrscheinlich langfristig sogar.

Aber was, wenn die alles entscheidende Prüfung ansteht und man zu spät mit dem Lernen angefangen hat? Gibt es ein Geheimrezept?

Leider nein. Nicht einmal frei verkäufliche Präparate sind frei von Nebenwirkungen – und machen Sie genauso wenig wie Ritalin und Co. zum „Super-Brain“. Der einzige Tipp, den ich Ihnen geben kann: Im Vergleich zu Neuro-Enhancern wird Kaffee total unterschätzt. Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass nach 85 Stunden Schlafentzug 600 Milligramm Koffein Wachheit und Leistungsfähigkeit nahezu genauso wiederherstellen wie 400 Milligramm Modafinil oder 20 Milligramm D-Amphetamin. Das entspricht etwa dem Koffeingehalt in einem Kaffee „grande“ von Starbucks

 

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