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Erste Joberfahrung : Was gegen den Praxisschock hilft

  • -Aktualisiert am
Aktionismus kann nach hinten losgehen: Daher lohnt es sich, ausreichend Zeit einzuplanen, den eigenen Aufgabenbereich gut   kennenzulernen.
Aktionismus kann nach hinten losgehen: Daher lohnt es sich, ausreichend Zeit einzuplanen, den eigenen Aufgabenbereich gut kennenzulernen. : Bild: Eva Revolver/SEPIA

Im schlimmsten Falle denken Einsteiger, die sich voller Ehrgeiz in die Arbeit stürzen, dass alles prima läuft – und halten plötzlich und unerwartet die Kündigung in der Hand. „Solche Missverständnisse gilt es unbedingt zu vermeiden“, betont Lienke. „Es ist absolut normal und richtig, gleich am Anfang gezielt das Gespräch zu suchen und explizit zu fragen: Was erwartet ihr von mir? Wo beginnt mein Verantwortungsbereich, wo hört er auf? Und: Wen kann ich bei weiteren Fragen ansprechen?“, erklärt sie.

Praxistipp: Schreib’s auf

Um die vielen neuen Eindrücke der ersten Wochen zu verarbeiten, hilft ein persönliches Logbuch. „Man reflektiert den Tag und kann danach besser abschalten“, erklärt Karriereberaterin Doris Brenner. Im Logbuch ist auch Platz für Zweifel und Kritik. Denn auch wenn man noch so enthusiastisch ist und voller neuer Ideen steckt: „Die ersten Wochen im neuen Job sind nicht der richtige Zeitpunkt, um Kritik an Abläufen und Kollegen zu äußern“, stellt Brenner klar. Also besser: erst mal aufschreiben und nach ein paar Monaten prüfen, ob die Idee wirklich so gut war.

Das erste halbe Jahr: Ernüchterung und Routine

Das erste halbe Jahr im Job ist ein Meilenstein. Denn auch wenn die Probezeit formal meist kürzer ist, greift der gesetzliche Kündigungsschutz erst nach sechs Monaten. Jetzt können sich Einsteiger sicher sein, dass Vorgesetzte und Kollegen ihnen den Job wirklich zutrauen und sich nicht mehr fragen, ob sie die Stelle mit dem richtigen Kandidaten besetzt haben.

Bei den Berufseinsteigern selbst stellt sich hingegen zu diesem Zeitpunkt oft Ernüchterung ein. „Oft gibt es in dieser Phase eine gewisse diffuse Unzufriedenheit“, sagt Psychologin Lienke. Gerade weil jetzt so langsam etwas Routine in den Arbeitsalltag kommt, stellen sich die Nachwuchskräfte viele Fragen: Läuft das hier alles so, wie es soll? Ist es normal, dass ich noch immer vor allem anderen zuarbeite? Macht mir der Job eigentlich Spaß? Bin ich überfordert? Bin ich unterfordert? Wie soll es weitergehen? „Viele zweifeln auch ganz grundsätzlich an ihrer Berufsentscheidung, fragen sich, ob sie an der richtigen Stelle sind.“ In einem solchen Moment sei es wichtig, keine überstürzten Entscheidungen zu treffen. „Einige Monate sollte man sich schon Zeit geben, um zu entscheiden, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist“, sagt Lienke. Vor allem sei es wichtig, erst einmal herauszufinden, woher genau die Unzufriedenheit kommt.

Praxistipp: Nimm dich ernst

Die Kollegen nerven? Der Job macht nicht jeden Tag Spaß? Manchmal wird es ganz schön stressig? So weit, so normal. „Wenn es aber so weit ist, dass man jeden Morgen aufwacht und denkt: Ich will da nicht mehr hin, dann ist das ein Warnsignal“, mahnt Psychologin Lienke. „Auch körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit oder Magenprobleme und ein Gefühl innerer Zerrissenheit sind Zeichen, dass etwas wirklich im Argen liegt.“ Statt Sorgen und Zweifel in sich hineinzufressen, sollte man schnell das Gespräch suchen – zunächst mit Freunden und Familie, dann auch mit Kollegen und Vorgesetzten. Und sich klarmachen: Sich einmal für einen falschen Job zu entscheiden ist kein Makel. „Gerade der erste Job nach dem Studium ist vor allem eine Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln, sich auszuprobieren und herauszufinden, wo man beruflich hinwill“, sagt Lienke. Dabei kann eben auch herauskommen, dass es besser ist, einen anderen Weg einzuschlagen.

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