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Regierung streicht Förderungen : Studierende bangen um ihre DAAD-Stipendien

Viel los an der Fachhochschule in Zwickau: Hier studieren Menschen aus aller Welt zusammen. Bild: dpa

Die Bundesregierung streicht Stipendien und Förderprogramme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Was passiert, wenn Bildung kleingeschrieben wird?

          4 Min.

          Davide Mogetta hatte Pläne. Im März bewarb sich der gebürtige Italiener beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) für ein Stipendium in München. Mogetta promoviert in Philosophie an den Universitäten Florenz und Pisa, im Wintersemester wollte er in Deutschland forschen. Die Bewerbung sei aufwendig gewesen. Er fragte seine Professoren nach Gutachten, verfasste ein Motivationsschreiben, maximal fünf Seiten, einen Lebenslauf, maximal drei Seiten, und eine Beschreibung seines Forschungsvorhabens – Länge egal. Mogetta erbrachte alle Nachweise, die der DAAD, die größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern auf der Welt, verlangte. Und ja, das sind viele.

          Stefanie Diemand
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Gut drei Wochen musste er sich für die Bewerbung Zeit nehmen. Aber er wusste, es würde sich lohnen. „In der Regel bewirbt man sich auf so ein Stipendium nur, wenn man sich sicher ist, es auch zu bekommen.“ Das Stipendium unterstützt Doktoranden mit 1200 Euro monatlich. Ein Betrag, der in dieser Höhe nur selten von Förderprogrammen vergeben wird.

          Heute weiß Mogetta, dass aus seinen Plänen nichts wird. Denn mit einem Stipendium des DAAD wird er nicht nach Deutschland reisen.

          Am 25. April erhielt er eine E-Mail vom DAAD, in der stand: „Leider stehen aufgrund von Haushaltskürzungen die für die Durchführung des Programms erforderlichen Mittel in diesem Jahr kurzfristig nicht zur Verfügung.“ Das Förderprogramm für Doktoranden wurde gestrichen. Was nüchtern klingt, beschreibt Mogetta in einer E-Mail als etwas, was seine Träume und Pläne zerstört habe. Nicht nur seine – sondern von diversen Studierenden, die sich für das Programm beworben haben.

          Bangen um Fördergelder und Stipendien

          So wie Mogetta geht es derzeit vielen Wissenschaftlern, die in Deutschland forschen wollen. Sie bangen um Fördergelder, Stipendien oder gar ihre Zukunft im Wissenschaftsbetrieb. Besonders betroffen ist der wissenschaftliche Nachwuchs. Denn das Bundeskabinett hat Haushaltskürzungen für Förderprogramme von international tätigen Wissenschaftsorganisationen wie dem Goethe-Institut oder der Alexander von Humboldt-Stiftung beschlossen.

          Dass sie dies an einer empfindlichen Stelle trifft, liegt auch daran, dass Organisationen wie der DAAD vor allem durch öffentliche Mittel finanziert werden. Zu den größten Geldgebern zählt beim DAAD das Auswärtige Amt, dieses stellte im vergangenen Jahr 33,5 Prozent der finanziellen Mitteln zur Verfügung. Im vergangenen Jahr betrugen diese 204 Millionen Euro. Nun hat das Bundeskabinett beschlossen, die Mittel auf 195 Millionen Euro in diesem Jahr zu kürzen. Im Jahr 2023 soll die Fördersumme sogar noch auf 191 Millionen sinken.

          Es passiert zwar immer wieder, dass Organisationen wie der DAAD mit Kürzungen rechnen müssen, die derzeitigen Einschnitte gelten aber als besonders hart – und sie kommen unerwartet. Studierende wie Mogetta kritisieren nicht zuletzt die Kurzfristigkeit der Entscheidung. Einen Spielraum für den DAAD gibt es laut Pressestelle nicht: „Die Kürzungen kann der DAAD im laufenden Jahr daher nicht allein durch strengere Auswahlen erbringen, sondern muss zusätzlich gegensteuern“, sagt ein Sprecher. „Entsprechend mussten wir kurzfristig die Vergabe bei einigen Kurzzeitprogrammen aussetzen.“

          Auf lange Sicht seien die Folgen aber noch viel größer: Rund 6000 Stipendien für Forschende sollen laut DAAD dadurch bedroht sein. Frei werdende Stellen im Bereich der Lektorate an ausländischen Hochschulen können nicht mehr neu besetzt werden. Diese unterrichten in der Regel Deutsch als Fremdsprache. Auf kurz oder lang sollen hier rund 100 der insgesamt 450 Standorte wegfallen. Für die Kürzungen findet der DAAD in einer Pressemitteilung daher auch ungewöhnlich harte Worte: Es handele sich um „schmerzhafte Einschnitte“, diese konterkarierten „die konzeptionell richtigen Festlegungen und finanziellen Zusagen im Koalitionsvertrag der Bundesregierung“.

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