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Berufseinstieg im Start-up : Was für Mutige

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Eine Garantie gibt Kollmann für sein Modell freilich nicht. Zudem kann variieren, in welchem Verhältnis die drei Aspekte zueinander stehen: „Wenn das Funding noch nicht abgeschlossen ist, man aber an die Idee und die Gründer glaubt, kann das ausschlaggebend sein und wichtiger als beispielsweise viel Geld oder eine Idee, hinter der man nicht steht. Das muss jeder für sich einschätzen“, rät Kollmann.

Enthusiasmus zügeln

Er warnt aber auch vor zu viel Enthusiasmus: „Arbeiten im Start-up ist nicht für jeden etwas. Es ist immer mit einem erheblichen Risiko verbunden, das muss man sich vor Augen führen.“ Immerhin scheitern laut Statistik sechs von zehn solcher Unternehmen, nur eins ist wirklich erfolgreich, die anderen kommen gerade so über die Runden. „Die Gefahr, dass es nicht funktioniert, ist immer größer als die Chance, dass es klappt“, sagt Kollmann.

Dem stimmt auch Headhunter Jan Bohlken vom Profiling Institut zu. „Es ist definitiv eine Typfrage“, sagt er. In einem Konzern oder bei einem größeren Mittelständler seien Berufseinsteiger zwar einer von vielen, aber es gebe feste Strukturen und Hierarchien. Es sei klar abgesteckt, was zu erledigen sei, um den andauernden Erfolg des Unternehmens weiterzutreiben.

Beim Start-up hingegen stehe der Erfolg meist noch aus, Unternehmen und Belegschaft müssten sich erst noch beweisen. Ein Start-up-Mensch sollte sich Bohlken zufolge deshalb all diese Strukturen nicht wünschen. Stattdessen arbeite man eigeninitiativ und selbständig, der Alltag sei unternehmerisch geprägt, und man müsse mit sich ständig verändernden Prozessen und wandelnden Strukturen klarkommen. „Man ist ein Unternehmer im Unternehmen – und zwar einer von vielen Unternehmern. Wer auf Zuruf wartet, wird nicht glücklich werden“, sagt Bohlken.

Vor allem aber müsse man mutig sein, sich auf etwas einzulassen, und bereit sein, auch Phasen der Unsicherheit durchzustehen. Und man müsse Unplanbarkeiten einkalkulieren. Bis zum Erfolg sei es ein langer Weg. „Man kann versuchen, einige Indikatoren schon im Vorstellungsgespräch herauszukitzeln“, rät der Berater. Fragen an die Gründer könnten beispielsweise sein: Was sind eure Ziele fürs Unternehmen, wo soll es hingehen? Wollt ihr einen schnellen Exit? Wie kann sich das Geschäftsmodell weiterentwickeln? Wo seht ihr euch in einem oder in drei Jahren? Auch kurzfristige Ziele seien entscheidend, da man in einem Start-up häufiger in kürzeren Zeitabschnitten denke. So könne man zumindest herausfinden, welche Vision die Gründer für ihr Unternehmen haben.

Klare Erwartungen formulieren

Genauso entscheidend wie die Pläne fürs Start-up ist aber auch, dass man selbst weiß, was man vom Unternehmen will, findet zumindest Gründerin Therese Köhler. „Die Leute bewerben sich bewusst für den ‚crazy Weg‘ im Start-up. Ich will deshalb immer wissen, wo sie hinwollen, damit ich weiß, ob sie zu uns passen.“ Für sie sind dabei die Fähigkeit und die Bereitschaft zu lernen wichtiger als viel Erfahrung. Schließlich müsse man auch im Team wendig und agil bleiben, um Veränderungen erfolgreich zu meistern.

Ein schneller Aufstieg ist deshalb im Start-up keine Seltenheit. Aber, warnt Professor Kollmann: „Aufstiegschancen sind nur dann gegeben, wenn auch das Start-up aufsteigt.“ Anders als in klassischen Unternehmen, wo individuelle Aufstiegschancen auch bestehen, wenn die Firma mal ein schlechtes Jahr hat. Dazu müsse man bereit sein, sagt er. „Man ist mit Wohl und Wehe dem Erfolg des Unternehmens untergeben.“

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