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Mein Start-up, Teil 4 : Start-up Karriere im E-Commerce | Im Portrait: Kisura

  • -Aktualisiert am

Tanja Bogumil und Linh Nguyen sind Gründerinnen der Personal-Shopping-Plattform Kisura. Bild: Kisura

Der HOCHSCHULANZEIGER portraitiert drei E-Commerce-Start-ups und ihre Gründer. Im ersten Teil stellt Gründerin Tanja Bogumil ihre Personal-Shopping-Plattform Kisura vor und erklärt, warum es bei Start-ups keine klassischen Nine-to-five-Jobs gibt.

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          Tanja Bogumil hat eine Vision: „Wir wollen den Kundinnen einen Weg durch die überfüllten – digitalen wie physischen – Regale weisen“. Im Mai 2013 gründete sie deshalb mit Kommilitonin Linh Nguyen die Personal-Shopping-Plattform Kisura.

          Bei der Registrierung auf Kisura füllen die Kundinnen ein persönliches Shoppingprofil, mit Angaben zu Größe, Budget oder Lieblingsmarken, aus. Auch Fotos können hochgeladen werden. Anschließend führt eine professionelle Stylistin per Telefon oder Skype eine kostenlose Stilberatung durch und erteilt Ratschläge zu Kleidungsstücken und Accessoires. Als Ergebnis der Beratung kommt ein Päckchen mit auf die Kundin abgestimmten Kleidungsstücken nach Hause.

          Bogumil und Nguyen lernten sich während ihres Masterstudiums an der Handelshochschule Leipzig (HHL) kennen. Das Studium mit Schwerpunkt Entrepreneurship habe ihren Mut zu gründen gestärkt, erzählt Bogumil. „In dieser Zeit habe ich endgültig Start-up-Blut geleckt.“ Gemeinsam mit Linh Nguyen entwickelte sie nach dem Abschluss die Idee für eine Online-Stilberatung für Frauen.

          Finanziell setzten die beiden Absolventinnen auf Eigenkapital und die Unterstützung durch Business-Angels aus dem Tech- und Mediabereich. Dabei ging es ihnen auch um deren Erfahrung: „Wir wollten vom Wissen erfahrener Unternehmer profitieren.“ Bei einer Unternehmensgründung können weder Gründer noch Mitarbeiter klassische Nine-to-five-Jobs erwarten, sagt Bogumil. „Wer bei uns anfangen möchte, muss ins Team passen – und anpacken wollen.“ Die 40 Mitarbeiter profitierten im Gegenzug von einer Start-up-Mentalität mit flachen Hierarchien, kurzen Entscheidungswegen und schneller Verantwortungsübernahme.


          Karriere im E-Commerce - Interview mit Kisura

          Tanja Bogumil, 30, und Linh Nguyen, 29, sind die Gründerinnen von Kisura, Deutschlands erster Personal-Shopping-Plattform für Frauen. In Zeiten überfüllter digitaler Kleiderstangen setzen sie auf eine persönliche Online-Modeberatung. Tanja Bogumil über das Blut der Start-up-Szene und den neuen Online-Mode-Konsum.

          Frau Bogumil, wie ist die Idee zu Kisura entstanden?
          Linh und ich haben uns während unseres Studiums an der Handelshochschule Leipzig (HHL) kennengelernt. Bereits während des Studiums wussten wir, dass wir selbst gründen möchten – wenn möglich gemeinsam. Nach unserem Abschluss 2010 habe ich allerdings zunächst für ein Jahr bei Mister Spex im Business-Development gearbeitet. In dieser Zeit habe ich endgültig „Start-up-Blut“ geleckt. Ich habe meinen Job gekündigt und zuerst allein eine Shopping-Plattform für Männer gegründet. Zusammen mit Linh entwickelte sich daraus die Idee für eine Personal-Shopping-Plattform für Frauen. Bis dahin gab es das noch nicht. Im Sommer 2013 starteten wir mit der ersten Version von Kisura.

          Welches Konzept steckt hinter Kisura?
          Wir wollten den Kundinnen einen Weg durch die überfüllten – digitalen wie physischen – Regale weisen. Deswegen hatten wir die Idee einer Online-Modeberatung. Jede Kundin füllt bei der Registrierung zunächst ein persönliches Shopping-Profil aus. Hier macht sie beispielsweise Angaben zu ihrer Größe, ihrem Budget oder Wünschen zu ihrem Look. Auch Bilder können in das Profil geladen werden. Danach führt die Kundin ein kostenloses Telefon- oder Skype-Gespräch mit einer unserer Stylistinnen. Als Ergebnis der Beratung kommt ein Päckchen mit auf die Kundin abgestimmten Kleidungsstücken nach Hause.

          Inwiefern hat Ihnen das Studium bei der Gründung geholfen?
          In unserem Studium belegten wir beide den Schwerpunkt Entrepreneurship. Die Unternehmenspraxis lehrt natürlich andere Inhalte als ein Studium, dennoch konnten wir Studieninhalte wie beispielsweise Unternehmensaufbau, -finanzierung und Leadership bereits gut gebrauchen. Und das Studium, insbesondere der geförderte Austausch mit anderen Gründern, hat uns dazu ermutigt, nicht zu lange mit der Selbständigkeit zu warten.

          Was reizt Sie an der Start-up-Welt?
          Mich reizt es, Neues zu schaffen und den Mut aufzubringen, Dinge zu verändern. Im Gegensatz zu großen Konzernen haben Start-ups keine Scheu davor, Prozesse täglich neu zu definieren und Innovationen möglich zu machen. 2008 galt es beispielsweise in Deutschland noch als absurd, Schuhe online zu verkaufen. Heute sind die betreffenden E-Commerce-Shops marktführend. Solche Innovationen sind nur möglich, weil es Menschen gibt, die sich an Unbekanntes heranwagen.

          Welche Bedenken und Ängste hatten Sie vor Ihrer Gründung?
          Angst kennen wir nicht. Für eine Gründung kurze Zeit nach dem Studium gibt es gute Argumente. Als Student ist man es gewohnt, mit knappen zeitlichen wie finanziellen Ressourcen umzugehen. Das Risiko ist also in den meisten Fällen überschaubar. Außerdem hat man als Gründer eine sehr steile Lernkurve. So viele unterschiedliche Erfahrungen wird man in kaum einem anderen Job nach dem Studium sammeln können.

          Wie haben Sie Ihre Gründung finanziert?
          Zu Beginn haben wir Eigenmittel investiert. Recht bald haben wir uns für eine Unterstützung durch Business-Angels aus dem Tech- und Mediabereich entschieden. Es war uns wichtig, nicht nur Geld ins Unternehmen zu holen. Wir wollten auch vom Wissen erfahrener Unternehmer profitieren.

          Warum haben Sie sich gerade für ein Start-up im E-Commerce entschieden?
          Linh und ich waren zuvor beide – auch als Angestellte – im E-Commerce tätig. Deshalb lag eine Gründung im Onlinehandel für uns auf der Hand. Gerade im Online-Modehandel steckt noch ein großes unausgeschöpftes Marktpotential. Die meisten Kundinnen kaufen ihre Kleidung noch immer im Laden. Mit Kisura wollen wir das Modell des klassischen Modehandels für Frauen weiterentwickeln.

          Welche Tipps haben Sie für Studenten, die sich nach dem Studium selbständig machen wollen?
          Zunächst einmal sollte man herausfinden, welcher Gründertyp man ist: der Analytiker, den Geschäftskonzepte und Analysen nach vorne bringen, oder eher der Intuitive, den Idee und Vision antreiben? Der nächste wichtige Schritt wäre, das Produkt aus Markt- und Kundenperspektive zu betrachten. Und schließlich: Man sollte keine Angst davor haben, mit anderen über die eigene Idee zu sprechen. Die Angst vor einem Ideenklau ist oft unberechtigt, und gutes Feedback bringt die Ideenentwicklung weiter.

          Was zeichnet das Unternehmensklima bei Kisura aus?
          Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben sind bei uns wie in jedem Start-up fließend. Ein Unternehmen aufzubauen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Deswegen gibt es bei Kisura keine klassischen Nine-to-Five-Jobs. Dafür profitieren wir von flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen.

          Und was ist mit dem obligatorischen Start-up-Kicker im Besprechungsraum?
          Wir haben keinen Kicker – leider. Das liegt wohl an dem geringen, aber steigendem Männeranteil in unserem fast 40-köpfigen Team. Dafür gibt es regelmäßige Prosecco-Abende.

          Was sind die wichtigsten Einstellungskriterien?
          Wir sind noch ein sehr überschaubares Team mit offenen, transparenten Strukturen. Deswegen kommt es bei uns neben dem Uni-Abschluss, darauf an, ob der Bewerber ins Team passt. Außerdem zählen auch die außeruniversitären Erfahrungen. Wer bei uns anfängt, muss anpacken können.

          Tipps von Gründern für Gründer:

          • Was wir wieder so machen würden: Das Team nachhaltig aufbauen
          • Was wir anders machen würden: Von Anfang an die Nachbarräume mit dazumieten und mehr Platz für den Operationsbereich einplanen
          • Diese Eigenschaft zeichnet uns aus: Hands-on-Mentalität, Leidenschaft für unser Produkt und natürlich ein gute Portion Humor
          • Unsere drei wichtigsten Einstellungskriterien: 1. Company Fit 2. das passende Skill Set 3. relevante Praxiserfahrung

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