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Fitness-App : Ein Trainer für die Hosentasche

Fit mit dem Smartphone: Das junge Unternehmen Freeletics ist sich ihrer Sache sicher. Bild: Freeletics

Das Münchner Start-up Freeletics verspricht ein Maximum an Fitness mit einem Minimum an Aufwand. Viel ist nicht nötig: ein Smartphone, eine Matte und eine Portion Willenskraft.

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          Am Anfang fließt der Schweiß. Morgens, nach dem Eintreffen der Mitarbeiter, führt für viele der erste Weg nicht an den Laptop, sondern an die Langhantel. Der offene Bürokomplex in der Münchner Innenstadt, in dem bei Freeletics an einer sportlichen Erfolgsgeschichte gearbeitet wird, beherbergt auch einen nach drei Seiten offenen, gut bestückten Athletikbereich, der alle Ansprüche an zeitgemäße Trainingsformen erfüllt. Das Areal mit Laufbändern, Klimmzugstangen und Gewichten ist zudem der kommunikative Mittelpunkt der alten, weitläufigen Fabrikhalle, in der mehr als 140 Angestellte damit beschäftigt sind, mit neuen Ideen die Lust an gezielter Leibesertüchtigung zu wecken oder zu steigern. Zeit, um zwischendurch selbst aktiv zu sein, nehmen sie sich fast alle. Was vor sechs Jahren als Idee dreier Studienfreunde begann, entwickelte sich im Schnelldurchgang zu einem der erfolgreichsten Geschäftskonzepte auf dem Markt für Fitness-Apps: Freeletics zählt mittlerweile mehr als 19 Millionen Kunden. Tendenz steigend.

          Das angesagte Übungsprogramm hat Fans auf der ganzen Welt. In Facebook-Gruppen verabreden sich Sportler, um gemeinsam zu trainieren; allein die Gruppe in der bayerischen Landeshauptstadt zählt mehr als 10.000 Mitglieder, das Pendant in Paris ist doppelt so groß. Das Start-up verdient sein Geld mit einem sogenannten Freemium-Modell: Einige der Übungen in der App sind gratis, weitere und die Betreuung durch einen computergestützten Coach können gegen Zuzahlung abonniert werden. Seit etwas mehr als einem Jahr vertreibt das Unternehmen zudem eine eigene Kollektion für Sportkleidung. Dem Gründer-Trio gehört Freeletics nach wie vor. Bisher haben Joshua Cornelius, Mehmet Yilmaz sowie Andrej Matijczak keine Anteile an Investoren abgegeben. Die drei hatten an der Uni zwar unterschiedliche Fächer – Mathematik, BWL, Chemie –, aber nach dem Kennenlernen bei der Immatrikulation trafen sie sich oft im Fitness-Studio. Mit der Geschäftsführung betreuten sie bereits kurz nach dem Start ihres Projekts im Jahr 2013 den früheren Unternehmensberater Daniel Sobhani, den sie aus gemeinsamen Tagen an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität kannten. Sie selbst halten sich von Anfang an im Hintergrund, treten öffentlich – wenn überhaupt – nur zu dritt auf, Interviews geben sie selten. Sie lassen stattdessen Sobhani für sich sprechen.

          Er sagt, die Idee von Freeletics beruhe auf einer Grundüberzeugung: dass es darauf ankommt, „die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts zu berücksichtigen“, um mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Fitness zu erzielen. Sobhani spricht vom „Personaltrainer in der Hosentasche“. Die einzigen Voraussetzungen für die Nutzung von Freeletics seien „ein Smartphone, eine Matte und eine Portion Willenskraft“. So wird in der sogenannten Bodyweight-Version nur mit dem eigenen Körpergewicht trainiert, die Programme sind nach griechischen Gottheiten benannt: Aphrodite etwa besteht aus 150 Kniebeugen, 150 Sit-ups und 150 Strecksprüngen – wobei alles so schnell wie möglich nacheinander absolviert werden soll.

          Die Fitnessindustrie sei längst von einer Welle der Digitalisierung erfasst worden, sagt Sobhani. Und sie bringe neue Möglichkeiten ins Sportlerleben. „Die Leute wollen sich nicht nach Öffnungs- und Trainingszeiten richten, sondern das Training in ihren Tagesablauf integrieren können“, sagt er. Durch digitale Lösungen sei Fitness wesentlich flexibler und alltagstauglicher möglich. „On-Demand-Lösungen senken die Hemmschwelle, Sport zu treiben, und steigern gleichzeitig die Work-Life-Balance“, sagt Sobhani. „Einen individuell abgestimmten Trainingsplan zu haben galt früher als Luxus. Wir haben es geschafft, das zu verändern.“

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