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Sprachkenntnisse am Arbeitsplatz : Man spricht noch Deutsch

  • -Aktualisiert am

Der Globalisierung zum Trotz: Gute Deutschkenntnisse sind für Ausländer auf dem Arbeitsmarkt unerlässlich. Wer sich verweigert, dem kann sogar die Kündigung drohen.

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          Kann ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern verlangen, Deutsch zu lernen? Ja, er kann durchaus - diese Erfahrung musste eine aus Kroatien stammende Frau aus Schleswig-Holstein machen, die seit 1985 in einem Schwimmbad angestellt war. Knapp zwanzig Jahre später forderte sie der Betreiber auf, einen Deutschkurs zu belegen. Hatte die Frau früher ausschließlich Reinigungsarbeiten erledigt, saß sie inzwischen auch an der Kasse. Doch ihre mangelhaften Deutschkenntnisse, die sich über die Jahre sogar verschlechtert haben sollen, machten sie für diese Arbeit untauglich, sagte der Arbeitgeber. Die Verständigung im Betrieb sei schwierig, Badegäste hätten sich beschwert. Die Frau klagte auf Entschädigung, denn sie fühlte sich vom Arbeitgeber unter Druck gesetzt und wegen ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert. Immer wieder habe er sie zum Besuch von Deutschkursen auf eigene Kosten aufgefordert. Doch das Verhalten des Arbeitgebers ging in Ordnung, urteilten die Bundesarbeitsrichter. Wenn für die Arbeit das Beherrschen der deutschen Sprache notwendig ist, hat die Aufforderung, Deutsch zu lernen, mit Diskriminierung nichts zu tun (Az.: 8 AZR 48/10).

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Gute Kenntnisse in der Landessprache sind - neben der beruflichen Qualifikation des Kandidaten sowie der wirtschaftlichen Nachfrage - nach wie vor einer der Schlüsselfaktoren für die Chancen von Migranten am Arbeitsmarkt. „Der Einfluss wird jedoch häufig unterschätzt“, sagt Thomas Liebig, Migrationsexperte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Studien hätten ergeben, dass jeder zweite Migrant mit Hochschulabschluss, der einen Beruf auf einem geringeren Qualifikationsniveau ergreife, dies wegen mangelnder Sprachkompetenz tue.

          Die Deutsche Bank sei eben eine der wenigen Ausnahmen, sagt Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). An der Spitze von Deutschlands größtem Kreditinstitut soll bald Anshu Jain stehen, der derzeit von London aus das Investmentgeschäft betreibt und kaum Deutsch spricht. „In kleinen Zirkeln kann man auch in einem deutschen Unternehmen problemlos Englisch als Geschäftssprache durchsetzen“, sagt Brücker. Schwierig werde es in größeren Organisationen vor allem an den Schnittstellen zu Beteiligten, von denen man nicht automatisch entsprechendes Wissen verlangen könne. Wohl nicht ohne Grund teilt sich Jain zumindest am Anfang den Posten mit einem deutschen Kollegen. Brücker weiß, wovon er spricht, denn in seiner Abteilung hat der Ökonom selbst Englisch als Standard eingeführt. Doch das IAB gehört zur Bundesagentur für Arbeit und ist damit Teil einer Behörde. Deren Verwaltungsakte und Schriftverkehr müssen natürlich auf Deutsch vollzogen werden.

          Deutschkenntnisse deutlich verbessert

          Auch am anderen Ende des Arbeitsmarktes, bei weniger qualifizierten Tätigkeiten, nehmen laut Brücker die Sprachanforderungen zu - was zunächst verwundern mag. „Die typischen Baukolonnen oder Fließbandarbeiter von früher gibt es immer seltener.“ Heute werde fast überall ein gewisses Maß an Sprachkompetenz gefordert, sonst drohen Folgen. So wie im Fall eines spanischstämmigen Produktionshelfers in der Automobilindustrie. Der Mann hatte eine Stellenbeschreibung unterschrieben, die Deutschkenntnisse in Wort und Schrift voraussetzte. Daraufhin hatte er einen Deutschkurs auf Kosten des Arbeitgebers besucht - ohne Erfolg; er hatte weiterhin Probleme, die Arbeits- und Prüfanweisungen zu verstehen. Weil er alle angebotenen Folgekurse ablehnte, sprach der Arbeitgeber schließlich die Kündigung aus - und war dazu auch berechtigt, wie das Bundesarbeitsgericht entschied (Az.: 2 AZR 764/08).

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