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Sprache : Einer muß sich plagen, der Schreiber oder der Leser

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Klares Deutsch erleichtert den beruflichen Alltag. Wolf Schneider bekämpft besoffene Silbensalate. Ein klarer Ausdruck und ein verständlicher Satzbau sind wichtige Bestandteile für einen besseren Sprachstil.

          5 Min.

          "Die Präsentation fokussiert bereits jetzt die nächsten Innovationen." Dummdeutsch ist in manchen Büros Standard. "Für mich rauscht ein besoffener Silbensalat vorüber", schimpft Wolf Schneider. Solche Sätze machen ihn aggressiv. Der Sachbuchautor, der sich als "meistgelesener Stillehrer des deutschen Sprachraums" vorstellt, lehrt leicht verständliches Deutsch. Früher hat der ehemalige Chefredakteur der "Welt" und Leiter der Hamburger Journalistenschule vor allem den Nachwuchs seiner Branche unterrichtet. Auch heute noch lehrt der Neunundsiebzigjährige an fünf Journalistenschulen. Und er gibt seine Gesetze der Leichtverständlichkeit an alle weiter, die sich gut ausdrücken möchten.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Guter Stil ist das Ergebnis des Rotstifts, und den schwingt Schneider auch nach 55 Jahren Berufserfahrung mit rittmeisterlicher Strenge. Kompromißlos sagt er: "Einer muß sich plagen, der Schreiber oder der Leser." Natürlich ist klar, wer sich im Schreibseminar anzustrengen hat. Zum 37. Mal bietet die Berliner Bringmann Managemententwicklung dieses Wolf-Schneider-Sprachseminar an. Untertitel: "Was tun, wenn man gelesen werden möchte?" Im gefällig möblierten Hotel-Konferenzraum oben auf dem Bonner Petersberg sitzen 18 Leute der Wirtschaft: Immobilienexperten, Energiekonzernmitarbeiter, Vertreter der Automobilindustrie und Pressereferenten, die täglich Mitteilungen, Arbeitsanweisungen, Sitzungsprotokolle, Stellungnahmen oder Redeentwürfe verfassen müssen. Ganz zu schweigen von den E-Mails, die sie zwischendurch losschicken. Überdies schreiben einige für Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften, deren Leser mitunter nur mäßig interessiert sind.

          „Ein aufgeblähtes Nichts!“

          Was alle Teilnehmer vereint: Mit dem klaren Ausdruck hapert es. Das zeigt sich in den Textproben, die sie vorher eingeschickt haben: Textauszüge, die sie in ihrem Berufsalltag geschrieben, verantwortet oder redigiert haben. Schneider hat das Material vorab auf seinem mallorquinischen Wohnsitz gründlich gelesen. Jetzt analysiert er diese Zitate. Nicht ohne Grund geschieht das anonym: Der Sachbuchautor kritisiert viel und lobt selten. Das läßt sich nur sportlich nehmen. Da jede und jeder im Lauf der zwei Tage seine Dosis Kritik abbekommt, hält sich die Schmach in Grenzen. Etwa bei der mißlungenen Textprobe: "Wir waren absolute Vorreiter in diesem regionalen Segment." So etwas läßt Schneider nicht gelten: "Also im Segment wird auch geritten? Regionales Segment, das ist ein aufgeblähtes Nichts!" Eine seiner Erfahrungsregeln für Leichtverständlichkeit: aktiv formulieren. Das Passiv ist für den Referenten grundsätzlich ein unerwünschter Modus. "Also bitte nicht schreiben: Fritz ist verprügelt worden, sondern: Otto hat Fritz verprügelt."

          Sein Lieblingsthema ist die Syntax. Der Satzbau hat klar und verständlich zu sein. Schachtelsätze mit verschwurbelt dazwischengeleimten Nebensätzen machen Schneider unleidlich. "Es gibt eine Obergrenze des Zumutbaren für das Auseinanderreißen des Verbs." Viel zu oft werde der Leser nebensätzelang im unklaren gehalten, wer was tut und was wem passiert ist. "Manches ist grammatisch korrekt und die Pest. Die Beantwortung der Kernfrage muß spätestens nach sechs Wörtern beginnen!" Ist das aber nicht der Fall, dann fordert Wolf Schneider apodiktisch: "Einen Hammer her! Der Satz muß kaputtgeschlagen werden. Solche Sätze sind eine Sünde gegen die Verständlichkeit und eine Ohrfeige für den Leser."

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