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Sprache : „Der babbelt ja wie isch“

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Hessische Mundart: Ein „Bembel” und zwei „Gerippte” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Einen Dialekt im Beruf zu sprechen, kann ein Vorteil sein. Aber es gibt immer noch große Unterschiede zwischen der Beliebtheit der Dialekte. Die Finanzbranche hingegen legt Wert auf Hochdeutsch.

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          „Unn, was wolldern fer den goanze Krembel ausgewwe?“ Wer so von seinem Geschäftspartner nach seinen finanziellen Vorstellungen gefragt wird, der braucht viel Phantasie. Oder er muß hessisch babbele oder zumindest das Hessisch-Gebabbel verstehen können. Ist das der Fall, so kann sich aus der Frage ein verbales Gefeilsche entspinnen, das Nichteingeweihte nur mit Mühe verstehen können.

          „Der babbelt ja wie isch“, denkt sich der Kunde, und man ist sich oft auf Anhieb sympathisch. „Trifft Dialektsprecher auf Dialektsprecher, so fördert das die Verbundenheit“, bestätigt die Frankfurter Sprech- und Rhetoriktrainerin Franziska Fuchs. „Der Geschäftskontakt wird auf eine persönliche Ebene gezogen. Das führt oft zu besseren Geschäftserfolgen“, sagt Constanze Wachsmann von der Management-Beratung Kienbaum in Dresden.

          Es könne nämlich durchaus geschäftsförderlich sein, seinen regionalen Zungenschlag nicht zu verbergen. Beispielsweise als Chef oder Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens, das vor allem regional agiert. „Wer Dialekt spricht, schafft Vertrauen.“ Der Unternehmer, der hörbar zu seiner Heimat stehe, werde in der Region geschätzt als „einer von uns“. Beschäftigt er vor allem Mitarbeiter aus der Region, so rechne ihm das die einheimische Bevölkerung hoch an. „Denn er schafft oder erhält dort Arbeitsplätze.“

          „Dialekt schafft Identifikation“

          Auch für Außendienstmitarbeiter oder Verkäufer könne der Dialekt Trumpf sein. Manchmal würden Verkäufer, die sich durch ihre Sprache eindeutig einer bestimmten Gegend zuordnen lassen, sogar regelrecht gesucht. Denn mitunter könne eben nur der Einheimische regional typische Produkte optimal an den Mann bringen. Man denke nur an die Weißwurst. Wer kauft die nicht am liebsten von einem echten Bayern? Das wissen auch die Unternehmen, die ihre Produkte über Call-Center vertreiben. „Wenn der Mitarbeiter, der die Weißwurst verkaufen soll, schwäbelt, dann wirkt das komisch“, sagt Wachsmann.

          „Dialekt verbindet und schafft Identifikation“, bestätigt Sprechtrainerin Fuchs. Einem Politiker würde sie deshalb nie empfehlen, sich die regionale Mundart abzugewöhnen und statt dessen Hochdeutsch zu sprechen. „Denn er steht ja gerade für eine bestimmte Gegend.“ Auch für Schauspieler sei das Beherrschen eines oder mehrerer Dialekte neben dem Hochdeutschen von Vorteil. „Es eröffnet einfach viel mehr Möglichkeiten, ihn zu besetzen.“ Außerdem wirke es sympathisch, wenn ein Schauspieler ganz offensiv für einen bestimmten Landstrich stehe. Was wäre eine Uschi Glas ohne ihren unverwechselbaren Zungenschlag? Oder der „Bulle von Tölz“, Ottfried Fischer?

          Sprachbarrieren

          „Dialekte stehen nämlich auch für Heimat, Gemütlichkeit und Nostalgie“, sagt Eckart Frahm, Leiter der Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“. Wer seine Mundart spreche, identifiziere sich ganz deutlich mit seiner Heimat und grenze sich gegenüber anderen Gegenden ab. Und das mögen immer mehr Menschen in Deutschland: Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach kann jeder zweite die Mundart der Gegend sprechen, in der er lebt. In den alten Bundesländern ist der Dialekt eher etwas für die Privatsphäre: Er wird vor allem im Freundes- und Bekanntenkreis gesprochen. Im Osten der Republik hingegen ist er Bestandteil des ganz normalen Alltags.

          Das war jedoch nicht immer so: Das Image des Dialektes hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. „In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dachten viele, daß Dialekte Sprachbarrieren darstellen und man dadurch schlechtere Bildungschancen hat“, erklärt Eckart Frahm. Eltern hätten sich deshalb damals bemüht, ihrem Nachwuchs Hochdeutsch beizubringen. Das hat sich in der Zwischenzeit wieder geändert. „Mittlerweile wird es in der Gesellschaft wieder als positiv bewertet, wenn man Dialekt spricht“, sagt der Linguist Helmut Spiekermann von der Universität Freiburg. „Immer mehr Leute stehen zu ihrer Mundart.“

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